Festspielintendant Mortier und der Philharmoniker-Vorstand wiesen die Vorwürfe vehement zurück. In der Tat erscheinen Abbados Gründe eher vorgeschoben und deshalb auch ziemlich komisch bis ärgerlich. Nach früheren Misshelligkeiten ist das Rotationsprinzip der Wiener Philharmoniker durch den jetzt gültigen Vertrag mit den Festspielen immerhin so geordnet, dass der Wechsel in den Orchesterbesetzungen von Vorstellung zu Vorstellung möglichst gering gehalten wird. Abbado kennt das Rotationsprinzip aus seiner Zeit als Wiener Musikdirektor an der Staatsoper. Er weiß, dass die Osterfestspielproduktionen im Sommer von den Wienern gespielt werden müssen, weil die Berliner dafür keine Kapazitäten mehr frei haben. Er weiß, dass seine Oster-Aufführungen nur dank der Sommerfestspiele überhaupt finanziell realisierbar sind. Er weiß, dass der „Tristan“ nur durch das Entgegenkommen des Sommerfestivals weitergespielt werden kann, denn eigentlich gibt es zwischen Bayreuth und Salzburg ein „gentlemen agreement“, dass in der Mozartstadt kein Wagner bei den Festspielen aufgeführt werden soll. Das Komischste am „Tristan“-Streit aber ist, dass Abbado keine Rotation im Orchester akzeptiert, er möchte immer die Musiker sehen, die auch bei den Proben dagesessen hätten. Über Abbado als „Probierer“ hört man aus den Orchestern, mit denen er zusammengearbeitet hat, eher Leidvolles, sogar von den Berlinern. Dass er sich gerade in diesem Augenblick als Probierwüterich à la Toscanini oder Gielen aufspielt, wirkt schon grotesk. Über den „Cosi fan tutte“-Disput mag man geteilter Meinung sein. Beide Seiten schieben sich die Gründe für das Scheitern zu. Immerhin mutet es seltsam an, dass Abbado, der sich sonst so engagiert-progressiv gibt, nicht schon im Vorfeld einmal mit dem Inszenierungsteam im direkten Gespräch über das Konzept sich unterhalten hat. Jetzt geriert er sich so, als ob er Muti hieße. Vielleicht aber sind auch alle Gründe nur vorgeschoben und in Wirklichkeit hat Abbado einfach keine Lust mehr. Dann soll er es sagen, und zwar so rechtzeitig, dass seine Vertragspartner nicht zum Krisenmanagement gezwungen sind.
Der Dirigent Claudio Abbado hat den Salzburger Festspielen zwei Opern, die er im kommenden Sommer leiten sollte, abrupt gleichsam vor die Füße geworfen: Den „Tristan“ und Mozarts „Cosi fan tutte“. Begründungen: beim „Tristan“, den er schließlich schon bei „seinen“ Osterfestspielen 1999 mit den Berliner Philharmonikern zweimal aufgeführt hat, beanstandete er das Rotationsprinzip der Wiener Philharmoniker, die jetzt den Orchesterpart übernehmen werden. Bei „Cosi fan tutte“ gefielen ihm die Bühnenbilder und Kostüme nicht, die ihm erst Ende Dezember letzten Jahres zugeschickt worden seien. Festspielintendant Mortier und der Philharmoniker-Vorstand wiesen die Vorwürfe vehement zurück. In der Tat erscheinen Abbados Gründe eher vorgeschoben und deshalb auch ziemlich komisch bis ärgerlich. Nach früheren Misshelligkeiten ist das Rotationsprinzip der Wiener Philharmoniker durch den jetzt gültigen Vertrag mit den Festspielen immerhin so geordnet, dass der Wechsel in den Orchesterbesetzungen von Vorstellung zu Vorstellung möglichst gering gehalten wird. Abbado kennt das Rotationsprinzip aus seiner Zeit als Wiener Musikdirektor an der Staatsoper. Er weiß, dass die Osterfestspielproduktionen im Sommer von den Wienern gespielt werden müssen, weil die Berliner dafür keine Kapazitäten mehr frei haben. Er weiß, dass seine Oster-Aufführungen nur dank der Sommerfestspiele überhaupt finanziell realisierbar sind. Er weiß, dass der „Tristan“ nur durch das Entgegenkommen des Sommerfestivals weitergespielt werden kann, denn eigentlich gibt es zwischen Bayreuth und Salzburg ein „gentlemen agreement“, dass in der Mozartstadt kein Wagner bei den Festspielen aufgeführt werden soll. Das Komischste am „Tristan“-Streit aber ist, dass Abbado keine Rotation im Orchester akzeptiert, er möchte immer die Musiker sehen, die auch bei den Proben dagesessen hätten. Über Abbado als „Probierer“ hört man aus den Orchestern, mit denen er zusammengearbeitet hat, eher Leidvolles, sogar von den Berlinern. Dass er sich gerade in diesem Augenblick als Probierwüterich à la Toscanini oder Gielen aufspielt, wirkt schon grotesk. Über den „Cosi fan tutte“-Disput mag man geteilter Meinung sein. Beide Seiten schieben sich die Gründe für das Scheitern zu. Immerhin mutet es seltsam an, dass Abbado, der sich sonst so engagiert-progressiv gibt, nicht schon im Vorfeld einmal mit dem Inszenierungsteam im direkten Gespräch über das Konzept sich unterhalten hat. Jetzt geriert er sich so, als ob er Muti hieße. Vielleicht aber sind auch alle Gründe nur vorgeschoben und in Wirklichkeit hat Abbado einfach keine Lust mehr. Dann soll er es sagen, und zwar so rechtzeitig, dass seine Vertragspartner nicht zum Krisenmanagement gezwungen sind.Hauptrubrik
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