Faites vos jeux. Wie beim Roulette fühlt man sich gelegentlich beim Kauf einer Karte für den nächsten Opernabend oder den geplanten Konzertbesuch. Denn während man für das heimische oder oft besuchte auswärtige Haus die eine oder andere Vorliebe entwickelt hat – sei es wegen der Sicht oder des Klanges, des Nachbarn oder schlichtweg des Raumes –, ist die Wahl des Platzes in einem fremden Saal für gewöhnlich eine herausfordernde Angelegenheit.

Michael Kube sitzt in Reihe 9
Reihe 9 (#1) – Der beste Platz im Saal
Hat man im Buchungssystem erst einmal verschiedene Hürden genommen, öffnet sich auch der Saalplan. Welche Sitzreihen liegen aber unter dem schallschluckenden Balkon? Was bekomme ich vom Seitenrang aus noch zu sehen? Nur sehr wenige Häuser bieten ein dreidimensionales Bild, auf dem man seinen Sitzplatz mit deutlich weniger Risiko wählen kann. Vielleicht haben daher auch Sie sich schon einmal dabei ertappt, jene Spätentschlossenen zu beneiden, welche an der Abendkasse eine vertrauenswürdige Beratung erfahren …
Wo aber ist nun wirklich der beste Platz? Sicherlich nicht in der ersten Reihe, wo ich mich erst kürzlich dank einer allzu wohlmeinenden Einladung wiederfand. Es ist durchaus ein Erlebnis, das Orchester dort aus der Froschperspektive zu hören! Von den Bläsern zu wenig, von den ersten Violinen aber nicht nur das Beste. In der Pause wurde zügig auf den noch weitgehend freien Balkon gewechselt, wo sich auch andere Liebhaber von unten eingefunden hatten. Auffällig ist jedoch, dass sowohl unter Kollegen als auch im Freundeskreis hinter vorgehaltener Hand immer wieder die Reihe 9 favorisiert wird – nicht immer und überall, aber doch so, dass man irgendwann einmal darüber stolpert. Denn auffallend oft weisen auch die Pressekarten in diese Reihe, zumindest aber in diese Region. Offenbar herrscht hier die beste Balance zwischen direktem und reflektiertem Klang. Oder wie es in der Hugenotten-Allzweck-Halle in Neu-Isenburg geradezu lapidar heißt: „Beim Musik-Abonnement beginnt die Erhöhung bei Reihe 9.“
Auf die richtige Balance kommt es tatsächlich an – auch bei der Kommentierung des aktuellen Musiklebens in all seinen ernsten wie heiteren Facetten: vom Grammofon bis zum Streaming, von Elbphilharmonie bis Tonhalle, von Abonnement und Budget bis Uraufführung und Zugabe. Mein Platz dafür ist fortan in dieser Kolumne – der Reihe 9. Ohne Pause im Spielplan, und somit jeden Monat neu. Und natürlich immer am Neunten.
Über Reihe 9
Immer am 9. des Monats setzt sich Michael Kube für uns in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, manchmal aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb. Die Folgen #1 bis #72 erschienen von 2017 bis 2022 in der Schweizer Musikzeitung (online). Für die nmz schreibt Michael Kube regelmäßig seit 2009.
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