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Ende Oktober gibt es die Premiere eines neuen Jazzfestivals: Schloß Elmau will mit einem sogenannten „Jazztival“ Besucher ins idyllisch gelegene Alpenhotel locken. Auch bei den Bregenzer Festspielen, so war es zu hören, will man den Jazz in Zukunft stärker ins Programm einbinden. Wirft man nur einen oberflächlichen Blick auf die Festivallandschaft, dann bekommt man tatsächlich den Eindruck, dem Jazz gehe es momentan sehr gut. Falsch! Denn der Zunahme von Jazzfestivals steht nicht automatisch der benötigte Zuwachs an Publikum gegenüber. Also in Zukunft lieber weniger Jazz? Auch falsch, denn viele teuer ausgebildete Hochschuljazzer ständen dann auf der Straße. Eigentlich stehen sie es oft schon heute. Denn die Festivalmacher der alten Schule wollen Stars auf den Podien. Aber auch mit dem Profit, den sich Veranstalter durch das Image internationaler Stars versprechen, ist es heute so eine Sache. Beispiel München: Das größte Jazzfestival im süddeutschen Raum, der Münchner Klaviersommer, bot innerhalb von 14 Tagen beinahe 40 Konzerte. Dazu kamen Konzerte auf diversen Sommerfestivals der Stadt. Wenn man für eine Karte im Schnitt 40 Mark zahlen muß, wer kann sich dieses Gesamtprogramm noch leisten? Der klassische Fall eines Überangebotes also – da wäre es eben auf das richtige pack-aging angekommen, sagen jetzt die Marketingspezialisten und sinnen auf Abhilfe: Themenkonzerte, Jazz im Hotel, Jazz als Event oder Jazz als Lifestyle, wie es beispielsweise die Cognac-Marke Hennessy mit ihrem Jazzpreis suggeriert. Bleibt zu hoffen, daß es nicht nur beim richtigen Verpacken bleibt, sondern daß Jazzmusik auch in ihren unkommerzielleren Varianten noch eine Chance hat. Anlaß zu dieser Hoffnung gibt etwa eine Einrichtung wie das neue Musik- und Kulturzentrum Einstein in München (siehe Bericht Seite 7), ein Ort wo zeitgenössische Musik, Jazz und Klassik nicht nur koexistieren, sondern kooperieren.