Schöner als „schön“ geht nicht: Wunderbar, wie sich nach und nach das Wort aus der geräuschumrankten Stille des „sch“ erhebt, sich sodann das nordisch anmutende „ö“ andeutet, indem sich die Lippen kussbereit schürzen. Das finale „n“ setzt dem unkeuschen Treiben zwar ein jähes Ende, wird die Zunge doch am Gaumen gebraucht. Aber Missmut darüber wird sogleich verjagt, da das „n“ die Nase und somit die Sinne erregt.
Mit etwas Geschick endet das Wort näselnd, aber mit Esprit. Das Substantiv erfährt eine Beatmung: Die „Schönheit“ wird durch das „h“ lebendig, welches aus dem Innersten des Sprechers kommt. Und dass das in der Folge des odemgleichen „h’s“ stehende „ei“ an die Grundlagen des Lebens überhaupt erinnert, nimmt uns nun nicht mehr Wunder. Gleichsam drastisch wie entschieden schließt das „t“ unser Wort ab, und verortet es wuchtig auf dem Boden eines konsonantenspuckenden Realismus.
Wie genial diese Konstruktion ist, zeigt auch, dass die „Schönheit“ neun Buchstaben braucht, um sich zu vollenden: Neun, das ist die dreifache Trinität! Und nur der Tor – etwa mein gmx-Account – hat darin kein poetisches Einsehen und macht durch das Einfügen des Substitutes „oe“ aus der Neun eine Zehn.
Diese fade, technoide 1-0 ist gar nichts. Ok. Zehn-Gebote. Aber auch 10%-Umsatzsteigerung, Zehn-Kampf oder Schlager-Top-Ten: Pfui. Die Differenz zwischen schön und unschön ist die Eins. Schönheit muss sich also weit vorwagen. Die vier ist harmlos, die sieben auch – die elf ist längst drüber. Die neun aber, die lebt gefährlich!