Für die einen überraschend, für die anderen längst überfällig: Der Kultursender des Mitteldeutschen Rundfunks heißt seit Anfang Mai nicht länger „mdr figaro“ sondern „mdr kultur“. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Klar, denn bis 2004 hieß die Welle schon einmal so: „mdr kultur“.
Damals hatte die Hörfunkchefin des mdr, Barbara Mohlsen, die Figaroisierung ihrer Kulturwelle mit den undenkwürdigen Worten zu legitimieren versucht: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.“ Das wollen wir nicht und Hoppla sind da offenbar einige im Wellenrausch seinerzeit auf die übelste Weise auf der Kulturseife ausgeschlittert oder gegen die akus-tisch-inhaltliche Wand einer Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart geknallt. Nun kehrt man also zur guten alten Zugangsbarriere zurück. Der neue alte Name ist nicht die Idee von irgendwem, sondern das Ergebnis hartnäckiger Analysen, er ist das Ergebnis von Strategie- und Lenkungssitzungen im mdr. So ein Unsinn! Irgendwer musste neues Briefpapier für den Druck und die Email-Kommunikation in Auftrag geben und fand hunderttausende Vorlagen im feuchten Keller. Der Sparzwang, dem sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ausgesetzt sehen, tat sein Übriges und die alten Logos waren schließlich auch noch da. Oder beides! Prima.
An sich kann man die Entscheidung nur gutheißen. Vielleicht hat man sich tatsächlich in den letzten zehn Jahren ein bisschen mit der Entwicklung und Bedeutung des Kulturbegriffs beschäftigt. Holger Noltzes Publikation zum Thema „Leichtigkeitslüge“ könnte tatsächlich Früchte getragen haben.