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Artist-in-Residence Tyshawn Sorey dreimal: als Conductor, als Solist und zusammen mit der Albert-Mangelsdorff-Preisträgerin Angelika Niescier. Fotos: Petra Basche
Artist-in-Residence Tyshawn Sorey dreimal: als Conductor, als Solist und zusammen mit der Albert-Mangelsdorff-Preisträgerin Angelika Niescier. Fotos: Petra Basche
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Drei Jahre sind zu wenig

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Das Jazzfest Berlin 2017 mit Licht und Schatten unter Richard Williams
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Drei Jahre haben die künstlerischen Leiter des Jazzfests Berlin Zeit, Programme zu gestalten, dann ist ihre Zeit abgelaufen. Gerade, wenn es spannend wird und das Profil sich schärft, ist es vorbei. Vorbei auch für Richard Williams, den Engländer, der von 2015 bis 2017 das Jazzfest Berlin programmierte.

Für Experimente ist da kaum Zeit, Dinge hervorzukitzeln und auch  mal zu Scheitern, um daraus zu lernen? Fast unmöglich. Williams wurde in Berlin nicht gerade herzlich empfangen, die Presse empfand ihn zunächst als Eindringling, der vor allem die Berliner Szene zu wenig gekannt haben soll. Aber das war von Beginn an nicht richtig und ist es am Ende seiner Zeit erst recht nicht. Mal abgesehen davon, dass die Berliner Jazzszene auch nicht unbedingt der Nabel der Jazzwelt ist. Scheitern gehört übrigens zur Wesensart des Jazz. Erfolg lässt sich nicht programmieren. Ob die Dinge gelingen oder nicht, hängt daher im Wesentlichen auch von den Musikerinnen und Musikern ab – und damit auch von Faktoren wie Jetlag, Essen und Publikums­offenheit. Scheitern und Gewinnen geht gleichwohl auch zur gleichen Zeit. Zum Beispiel in Person des Schlagzeugers und Multigelehrten Tyshawn Sorey, der, Neuheit beim Jazzfest, als Artist-in-Residence engagiert war. In mehreren Formationen war er zu hören: zum Auftakt in einer eher misslungenen eigenen Trioformation, einen Tag später als inspiriertes und höchst präsentes Mitglied des Trios um die Albert-Mangelsdorff-Preisträgerin Angelika Niescier, präsent und packend als Duopartner von Gebhard Ullmann oder am Schlussabend in der Funktion des Improvisationsleiters (Conductor) eines 20-köpfigen Orches­ters mit Musikerinnen und Musikern aus der Berliner Szene – großartig.

Ob diese Idee weitergeführt werden wird, steht in den Sternen, denn ab nächstem Jahr liegt die künstlerische Leitung des Jazzfests Berlin bei Nadin Deventer, die Williams immerhin schon in den beiden vorhergehenden Jahren zur Seite stand. Und das führt zumindest zu einem Scheitern zurück. Bei allen Versuchen der Öffnung des Programms sowohl in Dauer und Orten, war der kurze Aufschwung in Richtung Berücksichtigung von musizierenden Frauen auf der Bühne (wie 2016) wieder zurückgefahren worden. Das ist schade. Man wird wohl kein zu großes Risiko eingehen bei der Wette, dass es nächstes Jahr gewiss anders sein wird. Aber auch Deventer wird für die Profilbildung nur drei magere, oder hoffen wir, üppige Jahre haben.

Ausführliche Berichte zum Jazzfest Berlin 2017 unter https://www.jazzzeitung.de/cms/stichwort/jazzfest-berlin-2017/

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