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Pauli Lyytinen.Foto: SJFAA
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Programmierte Grenzüberschreitungen

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Das Südtirol Jazzfestival stellt sich die Aufgabe „Exploring the North“
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Wenn das Eröffnungskonzert eines Fes­tivalklassikers im Warenlager des Baumarkts TopHaus AG in Bozen stattfindet, dann sagt das viel aus über das Konzept hinter dem Festival. Es zeigt die Art und Weise wie Festivalchef Klaus Widmann neue, unkonventionelle Locations für seine Künstler sucht. Vor allem aber sucht er neue Partner, Partner mit offenen Ohren für zeitgenössischen, jungen und noch nicht im Konzertritual erstarrten Jazz. Ein Massenpublikum gewinnt er so nicht, aber ein treues und immer wieder junges Publikum.

Der Baumarkt TopHaus AG in Bozen ist bei der Eröffnung des Südtirol Jazzfestivals Alto Adige am 29. Juni also kein profaner Ort, sondern einer, wo sich Kenner, Neugierige und Flaneure treffen, dort vereint durch ein exklusives Konzertprojekt unter der Leitung des Saxophonisten Pauli Lyytinen (unser Bild)  mit Musikern aus der Europaregion Tirol und Gästen aus Finnland, Island, Schweden und Norwegen. Damit positioniert sich das Südtirol Jazzfestival an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südeuropa – wieder einmal – als Schmelztiegel für unterschiedliche musikalische Traditionen und Stile.

Die dezentrale Ausrichtung mit Locations im ganzen Land, der Verzicht auf Stars und Sternchen sowie eine in die Zukunft weisende Musik, die den Jazz mit Pop, Klassik, Rock und Noise anreichert, sind in der europäischen Festivallandschaft einmalig. Das Südtirol Jazzfestival beschreitet selbstbewusst und sich über zerklüftete Felsrücken, Abgründe, steile Hänge und ungesicherte Routen vorantastend neue Wege. Routine ist in Bozen ein Fremdwort. Unter dem Motto „Exploring the North” heißt, dass 39 von insgesamt 55 Konzerten Ensembles oder Solisten aus den nordischen Ländern vorstellen.

Häufig geben inzwischen Frauen den Ton an, mal als „Sidewomen“ oder musikalische Projektleiterinnen. Bandleaderinnen sind etwa Maria Faust (sax, Estland), Hanna Paulsberg (sax, Norwegen), Kadri Voorand (voc, Estland), Natalie Sandtorv (voc, Norwegen), Hannah Tolf (voc, Schweden) und Anni Elif Egecioglu (voc, Schweden). Mit dem deutschen Ensemble SiEA stellt sich eine Bigband vor, die ausschließlich mit Musikerinnen besetzt ist.

Am 29. Juni leitet der Finne Pauli Lyytinen das große Eröffnungskonzert, zehn Tage später – am 8. Juli im Batzen Sudwerk – schließt er das Südtirol Jazzfestival mit seinem Quartett „Laser“ ab. Sein skandinavische Ensemble bewegt sich auf der Grenzlinie zwischen Jazz und Rock und scheut vor ausgedehnten Improvisationen ebenso wenig zurück wie vor Abstechern in die Blasmusik des Balkan. ¢

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