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… 1813–1913–2013–2113 …

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Uraufführungen 2013/06
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Wie hätte man 1813 vorausahnen können, welche Entwicklungen die Musik im Verlaufe der nächsten einhundert Jahre nehmen würde? Dabei war dies ein Jahr des Um- und Aufbruchs. Der ganz Europa unterjochende Diktator Napoleon wurde in der sogenannten „Völkerschlacht“ bei Leipzig geschlagen. In London wurde die Philharmonic Society gründet. Verdi und Wagner wurden geboren. Und in Wien erlebten Beethovens 7. Symphonie und „Wellingtons Sieg“ ihre triumphale Uraufführung. Doch wie von einem fremden Stern erscheinen dagegen Debussys „Jeux“ und Strawinskys „Sacre du Printemps“, die 1913 in Paris ihre spektakulären Premieren feierten, sowie Kasimir Malewitschs im selben Jahr gemaltes „Weißes Quadrat auf weißem Grund“ und Schönbergs damals in halb Europa gespielter „Pierrot Lunaire“.

1913 öffnete auch das Wiener Konzerthaus, das sein Jubiläum heuer unter dem Motto „Towards the Next 100 Years“ auch mit der Vergabe von Kompositionspreisen begeht. Ausgewählt wurden in der Kategorie Bläserquintett ein am 4. Juni uraufgeführtes Stück von Gregory Emfietzis sowie in der Kategorie Streichorchester das am 12. Juni uraufgeführte „Ach Gott und Herre“ von Péter Tornyai. Doch ob ausgerechnet diese Gattungen so besonders zukunftsweisend sind? Eher dem Geist der Programm- und Monumentalsymphonik der vorletzten Jahrhundertwende entsprungen scheint auch Enjott Schneiders „Der Rhein“ für Sopran, Chor und Orchester. Vom Männerchor der Kölner Deutz-AG in Auftrag gegeben, wird das Opus des bekannten Filmmusikkomponisten am 29. Juni in der Kölner Philharmonie mit Unterstützung zweier Bonner Chöre neben „Loreley“-Kompositionen von Mendelssohn, Humperdinck und Max Bruch uraufgeführt.

Ins Große zielt auch die erste deutsche, wenn auch nur konzertante Gesamtaufführung von Karlheinz Stockhausens Oper „Samstag“ (1981–83) aus der Heptalogie „Licht“ über die sieben Wochen- und Schöpfungstage, von deren elektronischen Klängen Ferruccio Busoni in seinem Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst (1910) immerhin schon geträumt hatte. Das der Hauptfigur Luzifer gewidmete Werk wird zwischen dem 26. Juni und 1. Juli gleich zweimal an drei Münchner Spielstätten (Muffathalle, Herkulessaal, Kirche St. Michael) präsentiert. Neben Uraufführungen bekannter Komponisten wie Walter Zimmermann, Harald Muenz und Ana Maria Rodriguez spielt das Kammerensemble Neue Musik Berlin im Rahmen seines Festivals „Musik – Poesie – Stadtraum“ vom 17. bis 22. Juni in der Berliner Villa und Kirche St. Elisabeth vor allem neue Werke der jüngsten Generation, von Cecilia Arditto, Martin Bauer, Santiago Tomás Díez Fischer, Andrew Noble, Gabriel Santander und Lisa Streich. Vielleicht sind hier Quantensprünge in Richtung der Musik anno 2113 zu erwarten?

Weitere Uraufführungen

  • 1.6.: José M. Sanchéz-Verdú, Atlas, KunstFestSpiele Herrenhausen Hannover
  • 14.6.: Friedemann Treiber, Fank Zabel, neue Werke für Ensemble Aventure, Elisabeth Schneider Stiftung Freiburg
  • 16.6.: Norbert Sterk, Notturno extinguendo, Arnold Schönberg Center Wien
  • 23.6.: Dieter Mack und Atac Sezer, neue Werke, sowie Preisträgerwerke des NRW-Kompositionswettbewerbs, Ensemblia Mönchengladbach, Haus der Erholung
  • 23.6.: Charlotte Seither, neues Werk für 12-stimmigen Doppelchor, 850 Jahre Kloster Loccum
  • 23.0.: Nicolaus A. Huber, Eros-Fragmente, Schloss Leitheim Kaisheim
  • 30.6.: Roman Pfeiffer, Brigitta Muntendorf, Michael Reudenbach, Erin Gee, Carlos Cotallo, Cathy van Eck, neue Werke für Kammerensemble hand werk, Raum 13 Köln-Deutz

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