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Ein aufgebockter, grob aus Holz zusammen gezimmerter Doppelrohr-Panzer, bei dem ein jeder Schuss nach vorne auch nach hinten geht. Foto: Michael Kube
Ein aufgebockter, grob aus Holz zusammen gezimmerter Doppelrohr-Panzer, bei dem ein jeder Schuss nach vorne auch nach hinten geht. Foto: Michael Kube
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Eben komme ich von Haydn … – Herbstgoldfestival in Eisenstadt 2018

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Man mag es kaum glauben, aber für Meteorologen ist schon seit ein paar Tagen der heiße Sommer kühle Geschichte – warme Tage hin oder her. Insofern ist es auch recht passend, dass im burgenländischen Eisenstadt das „Herbstgold“ begonnen hat – ein zwölftägiges Festival, dass mit seinen Spielorten und einem Generalmotto punkten will: neben dem schönen Schloss Esterházy mit seinem prächtigen Großen Saal und wenigen anderen Lokalitäten des alten Residenzstädtchens heuer mit dem Motto „Krieg und Frieden“.

Eingestimmt wird man bereits auf dem Weg von den vorgelagerten Stallungen zum Entrée des Hauptgebäudes. Ein aufgebockter, grob aus Holz zusammen gezimmerter Doppelrohr-Panzer, bei dem ein jeder Schuss nach vorne auch nach hinten geht. Sprichwörtlich hat das der Schweizer Künstler Marcus Geiger nicht gemeint (im Innenhof finden sich auch noch vier Holzplatten als Verhandlungstische), und doch besitzt die Skulptur auch eine regionale kulturpolitische Komponente, sieht man durch den Torbogen hindurch auf den in Neon strahlenden Namen „Haydn“.

Der ehemalige Hofkapellmeister diente in den letzten Jahrzehnten dem Schloss und dem kleinen Eisenstadt in Form der Haydntage (auch: Haydnfestival) als eine Art musikalischer Marke. Auslaufende Pacht-, Miet- und Nutzungsverträge sorgten indes dafür, dass man diese überregional bekannte burgenländische „Institution“ im vergangenen Jahr als „Landtage“ in kleinere umliegende Orte auslagern und im Frühsommer 2018 ganz absagen musste, statt ihren 30. Geburtstag zu feiern. Die Lokalpresse spricht von einem kulturelles Bauernopfer, um zahlreiche Streitigkeiten mit den Esterházy’schen Stiftungen und Unternehmungen zu beenden, ist doch nun mit „Herbstgold“ schon im zweiten Jahr ein Festival der hauseigenen Kulturbetriebe am Start, das sich dramaturgisch breiter aufstellt und für viele etwas bietet: programmatisch konsequent umgesetzte Orchesterkonzerte, Jazz und Gypsy, einen Quartett-Marathon und ein kulinarisches Wochenende. Haydn steht dabei natürlich auch auf dem Programm, in diesem Jahr allein mit drei Messen und einer halbszenischen Aufführung der Oper Armida – honi soit qui mal y pense.

Was möglich ist, zeigten bereits die drei ersten Abende des aktuellen Jahrgangs. Da wäre zunächst das Eröffnungskonzert „Aus Nacht zum Licht“ mit der Haydn Philharmonie unter Nicolas Altstaedt: Einer herrlich inspirierten Militär-Sinfonie (Nr. 100) des vermeintlichen „Papa“ folgte eine den Saal ergreifende Interpretation von Elgars Cellokonzert (mit Altstaedt selbst als einem famos in die Tiefen des Werkes gehenden Solisten) und einer leider nichtssagenden, weil allzu übereilten Schicksals-Sinfonie des revolutionären Schülers Beethoven. Das kundige Auditorium verstand sehr genau, wo die energischen Bravos zu setzen waren und wo ein freundlicher Dank für die Musiker genügte.

Mit der Norwegerin Rebekka Bakken kamen dann nicht nur Jazz, Blues und Folk in den altgedienten Saal, sondern auch Fans von weiter her, bevor das ORF-Sinfonieorchester auf der Bühne für rare musikalische Schlachtengemälde hinter den Pulten Stellung bezog. „Wellingtons Sieg“ (Beethoven), eine Suite aus „Krieg und Frieden“ (Prokofjew) sowie die Ouvertüre „1812“ (Tschaikowsky) wurden unter Valentin Uryupin zwar glänzend vorexerziert, doch waren im Auditorium nicht nur Vakanzen auszumachen, sondern auch Zuhörer, die sich am Ende allzu selbstgefällig dem gerechtfertigten Applaus verweigerten. Von ihnen wurden gar die herbstgold leuchtenden Töne überhört, die Arabella Steinbacher ihrer Geige beim Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold entlockte.

Herbstgold 2018. Festival in Eisenstadt noch bis zum 16. September.


Der Autor besuchte Herbstgold auf Einladung des Veranstalters. Lesen Sie mehr zu unseren journalistischen Leitlinien.

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