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Fleißige Bienchen ohne Stachel

Untertitel
Hans Zenders Kompositionsklasse beim „Konzert unterm Dach“dquo;
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Manche der Schüler Zenders sind jedoch nurmehr in Anführungszeichen Lernende und können schon einen umfangreichen Werkkatalog und beachtliche Aufführungsorte nachweisen, während die gerade Zwanzigjährigen über die Aufführungsmöglichkeit „unterm Dach“ der Ensembleakademie froh sein konnten, zumal die mit zeitgenössischer Musik nicht unbedingt sehr vertrauten Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie unter der Leitung des sehr schlaggenau dirigierenden Till Drömann ganz passabel intonierten. Die klangliche Schönheit der Werke von Frank Gerhardt, Alexander Strauch, Daniel Miehe, Fredrik Zeller, José M. Sanchéz-Verdú, Wieland Hoban, Hans Thomalla und Hartmut Jentzsch war durchweg in affirmativer Erfüllung der gestellten Kompositionsaufgabe angesiedelt. Dass in dem Motto „Innen–Außen“ mehr Reibefläche als nur die Beziehung zwischen dem physischen Geschehen im Instrument und der klanglichen Wahrnehmung im Raum aufgehoben sein könnte, wurde von keinem der Komponisten (übrigens keine Frau darunter) thematisiert.

Sie suchten alle das Schöne und die meisten von Hans Zenders Kompositionsschülern erlebten beim „Konzert unterm Dach“ mit Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie bereits Musikgeschichte gewordene Entwicklungen avancierten Komponierens unserer Zeit jungfräulich als ein biografisches erstes Mal. Das ist für jüngere Komponisten, zumal im Studium stehende, legitim. Irgendwann fängt jeder einmal an und natürlich gilt es dann, sich bereits existierende Idiome und Instrumentaltechniken zwischen Webern und Lachenmann anzuverwandeln, durch sich hindurchgehen zu lassen. Manche der Schüler Zenders sind jedoch nurmehr in Anführungszeichen Lernende und können schon einen umfangreichen Werkkatalog und beachtliche Aufführungsorte nachweisen, während die gerade Zwanzigjährigen über die Aufführungsmöglichkeit „unterm Dach“ der Ensembleakademie froh sein konnten, zumal die mit zeitgenössischer Musik nicht unbedingt sehr vertrauten Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie unter der Leitung des sehr schlaggenau dirigierenden Till Drömann ganz passabel intonierten. Die klangliche Schönheit der Werke von Frank Gerhardt, Alexander Strauch, Daniel Miehe, Fredrik Zeller, José M. Sanchéz-Verdú, Wieland Hoban, Hans Thomalla und Hartmut Jentzsch war durchweg in affirmativer Erfüllung der gestellten Kompositionsaufgabe angesiedelt. Dass in dem Motto „Innen–Außen“ mehr Reibefläche als nur die Beziehung zwischen dem physischen Geschehen im Instrument und der klanglichen Wahrnehmung im Raum aufgehoben sein könnte, wurde von keinem der Komponisten (übrigens keine Frau darunter) thematisiert. Sich selbst in Beziehung zu vorgegebenen institutionellen Strukturen zu setzen, geschweige denn zu gesellschaftlichen Gegebenheiten, war den Schülern des doch so kulturkritisch immer wieder sich äußernden Hans Zender allesamt fremd: Künstler schaffe, räsoniere nicht. So wurde Weberns eigentlich bis heute noch gültige Sprengkraft zeitlicher Reduktion und klanglicher Dichte in Alexander Strauchs mobileartiger Volksliedparaphrase „bist du net bei mir“ zur knappen Konfektionsware im leisen Chic. Immerhin fragte Frank Zeller, Jahrgang 1965 und dem Schülerstatus schon lange entwachsen, in der programmatischen Komposition „Wo?“ für neun Instrumentalisten und Tonband nach dem Ort der Klangerzeugung – nicht dem sozialen, sondern dem am Instrument. In das Bild kantenlos simulierter Professionalität passte auch Wieland Hobans „Nachtstrahl“. Der erst 21-jährige Londoner ließ die Töne seiner instrumentalen Auseinandersetzung mit Ophelia-Texten gefällig aus den Holzblasinstrumenten heraustropfen, tönte sie mit mattem Schlagzeugkolorit ab und entwickelte so ein klangliches Morsealphabet. Ihr fleißigen Bienchen, wo bleibt der Stachel?

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