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Pop-Prinzessin Avril Lavigne geht on Tour. Foto: nmz-Archiv
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Live in München: Avril Lavigne, Bowling For Soup, Three Days Grace, Hoobastank

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Livemusik. Ein Wort, das trotz Rechtschreib- Desaster rigoros aus dem neuen Duden gestrichen wurde. Live spielen geht in Deutschland überhaupt nicht mehr. Vielleicht zum Playback eines Midi- Files von Bohlen gatzen; das soll es dann gewesen sein. Wie so oft, denn wir Einheitler haben keine popkulturellen Wurzeln (möchte uns die Musik-Industrie nimmer müde verzapfen), scheint eine Puderzucker weiche Tendenz aus Nordamerika bei uns auszuschlüpfen: Livemusik mit kompletten Musikern. Dieses Entwicklungsstadium ist zwar zu wenig um das Trend- Horn zu blasen, doch anbahnend genug, ein paar Nächte in München zu verbringen und die Tendenzen unter die Lupe zu nehmen, noch dazu, wo das Plastik- Pop Label Jive Records (unter anderem Britney Spears) Rockbands wie „Three Days Grace“ oder „Bowling For Soup“ nach Europa schickt.

Das texanische Quartett „Bowling For Soup“ darf beim ersten Deutschland Auftritt (26. September 2004, Olympiahalle München) im Vorprogramm der Platin schweren 20jährigen Songwriterin Avril Lavigne ran. Sie stellen das am 15. November bei Jive erscheinende Album „A Hangover You Don’t Deserve“ vor, ein Spaßwerk, das sich durch Rockmusik und gnadenlos guten Chorgesängen im Stile der Beach Boys auszeichnet. Schnell vermutet man wie bei so vielen Spaßrockern, dass der Soundmatsch Dirigent würde, diese Vorstellung kann man nach einem Song ad acta legen. „Bowling For Soup“ beeindrucken mit perfektem Sound, mehrstimmigen Satzgesängen und einer unglaublichen Instrumenten- Beherrschung, die da lautet: lieber die Gitarre mal zurückdrehen und den Gesang eindeutig setzen. Die Songs des Albums kommen 40 Minuten lang knackig daher, und das wird ihnen vom Publikum sehr gedankt. Ein kurzweiliger Auftritt mit Rock- Charme und diesem vermeintlich selbstverständlichen nordamerikanischem Können, das in Europa zu viele ungeschickt kopieren.

Avril Lavigne hat es keine Millisekunde schwer, die Olympiahalle zu beherrschen. Routiniert dennoch Publikums affin spielt sie sich durch ihr Programm, das alle Hits beinhaltet, sie allein mit der Akustikgitarre zeigt oder ihr am Klavier sitzend neue Songschreiberinnen Seiten entlockt. Auch hier offenbart sich eine großartig spielende Liveband, die dazu singen kann. Ein großer Abend mit grandiosen Musikern.

In der „Georg-Elser-Halle“ wurde es am 10. Oktober 2004 mächtig laut aber trotzdem angenehm. Die Kanadier „Three Days Grace“ trafen die kalifornische Band „Hoobastank“: knallharte Rockmusik, immer wieder durch beruhigende und entkrampfende Melodienbögen unterbrochen. „Three Days Grace“, sie veröffentlichen am 8. November ihr ebenso betiteltes Debutalbum (Jive), beginnen ihre Deutschland Premiere ruppig aber lieb. Ihre Instrumente werden in allen Lagen traktiert, dennoch entlocken die Vier um Sänger Adam Gontier ihnen schönste Klänge, die jederzeit kompetent weiter verarbeitet werden. „Three Days Grace“ erweisen sich als die härtere Ausgabe von Nickelback und Gitarren- Riff Erschaffer, die unanbiedernd an Heroen wie „Soundgarden“ erinnern. Ge- und berührt jubelt das Publikum und manch einer ist ob der Präsenz von „Three Days Grace“ schlicht verdattert.

„Hoobastank“, gerade mit der Single- Ballade „The Reason“ in allen Charts vertreten, legen noch einen Härtegrad zu. Die Hauptband des Abends ist sich der Fangunst gewiss, spielt das Album „The Reason“ fast ganzheitlich vor und auch hier, auf Grund des Spielstärke des Quartetts fasziniert, fragt man sich erstens, woher die das Können und zweitens, ob das nicht doch etwas mit den Schulsystem und Vorlieben- Ausbildungen in Nordamerika zu tun hat. So klingen Musiker. So leben Musiker. Es darf so weiter gehen. Wenn es dem Einhalt der Plastikmusik dient, nehmen wir gerne diese nordamerikanischen Pioniere an und hoffen auf baldiges Ankommen der Welle in Europa.

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