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Ein Frosch. Foto: Hufner
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Operetten-Mut wird preisgekrönt – Ein neuer Preis von BR-Klassik für sogenannte „Leichte Muse“

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Josef Meinrad, Fritz Muliar, Heinz Erhard, Otto Schenk, Helmut Lohner… viele Könner bis zum unvergessenen Jörg Hube und jüngst sogar Peter Simonischek machten und machen sich sowie dem Publikum den Spaß: einer „Fledermaus“-Aufführung als Gefängnisdiener Frosch eine nach Slibowitz riechende, dazu aber frech anspielungsreiche Krone aufzusetzen. Ein neuer „Frosch“ krönt nun ein ganzes Jahr: eine Redaktion von BR-Klassik sichtete die leichtgeschürzte Muse auf Theatern im deutschsprachigen Raum – und vergab nun erstmals den „Frosch für Operetten-Mut“.

Nicht an den wechselnden Saison-Daten der Theater orientiert, sondern in jedem Monat des Kalenderjahres belohnten die zwei weiblichen und zwei männlichen Redakteure Vitalität, Witz, Parodie, Entlarvung oder Innovation in Aufführungen der fälschlich als „vorgestrig“ abqualifizierten Operette mit einem „Frosch“: im „Operetten-Boulevard“, der einzigen wöchentlichen Sendung zu diesem Genre im deutschsprachigen Radio, wurden Produktionen zwischen Mörbisch, Wien, Bad Ischl, München, Dresden und Berlin ausgezeichnet – aber eben nicht nur Großstädtisches oder Staatstheaterliches, sondern auch theatralische Wundertüten in Passau, Gießen oder Ulm bis zur kleinen Berliner „Bar jeder Vernunft“.

In Zeiten, in denen Rundfunkanstalten bis hin zum BR München verschuldet sind, Geld für Neubauten, Trimedialität, Marketing und Online-Dienste ausgeben und dafür aber am Programm sparen, mag man sich die zu überwindenden Hürden für die Gala um den „Jahres-Frosch“ gar nicht ausmalen. Die Rettung kam über ein „Faschingskonzert“ des Münchner Rundfunkorchesters unter Ulf Schirmer: Studio 1, Karneval-Dekoration auf den rund 30 Bistro-Tischen, eine Steadycam und drei feste TV-Kameras samt Ton-Pult für die Übertragung als Live-Stream und die Aufzeichnung als Hörfunksendung (BR-Klassik, 28.02.2017, ab 20.03 Uhr), Moderation durch das Redaktionsteam – und drei sehr gute Gesangssolisten.

Sopranistin Susanne Bernhard, Bariton Michael Kupfer-Radecky und der bestechend höhensichere Tenor Nikolai Schukoff breiteten unter Ulf Schirmers beschwingter Leitung des Rundfunkorchesters ein reizvolles Panorama von Johann Strauss-Sohn über Franz Lehár, Oscar Strauss, Leo Fall bis Paul Abraham aus – gipfelnd in der Wiederentdeckung „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer (1908-1987), der die NS-Barbaren in Verstecken in Nizza austrickste, aus Verbitterung über die Ermordung seiner Familie aber nach 1945 alle Aufführungsrechte verweigerte, obwohl seine Werke Welterfolge waren.

Ulf Schirmers Engagement in seinen nun endenden 11 Jahren beim RO München wurde als Überraschung am Ende mit einem „Operetten-Orpheus“ der gleichnamigen Fachzeitschrift belohnt. Im Zentrum aber stand der „Jahres-Frosch 2016“ für Barrie Koskys Inszenierung von Oscar Strauss’ „Die Perlen der Cleopatra“: 1923 für Fritzi Massary komponiert, machte nun Dagmar Manzel den Abend an Berlins Komischer Oper zum amüsant-geistreichen Vergnügen – „Operette von gestern… Parodie von heute… und wahres Leben herrlich engmaschig verwoben. Ein Sog. So nirgends zu haben“ urteilte das  Redaktionsteam. Kosky bedankte sich per Video-Botschaft für den von Uwe Evertz aus durchsichtiger Plastik geschnittenen, frech grinsenden „Frosch“.

Dem neuen Preis wäre Kontinuität zu wünschen: vielleicht mit sichtbarem Engagement seitens der BR-Intendanz samt Dotierung wie der Kabarettpreis des Hauses, einer medial deutlich aufwändigeren Präsentation der zwölf Kandidaten durch eine zwischen Witz und Schmäh gekonnt wechselnden Moderation, eventuell einer Preis-Auffächerung in „Bronze-Silber-Gold“. Denn in allen Zeiten, speziell in unseren ist die geistreich theatralische Entlarvung des Allzumenschlichen das unverzichtbare Gegengewicht zu aller Popanzerei.

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