Hauptrubrik
Banner Full-Size

Spaß bei Klängen aus Schrott, Küche und Keller

Untertitel
Zur Zweijahresbegegnung musizierender Schulen 2001 in Osnabrück
Publikationsdatum
Body

Gar nicht an die Öffentlichkeit zu treten, nur leise zu trommeln, das wäre vielleicht die vernünftigere Alternative. Denn so freudvoll aus voller Kehle zu trällern, verführt allzu leicht zur irrigen Annahme, wie selbstverständlich sich unsere Schulen – neben all dem Pflichtpensum Mathe, Info, Sprachenbüffeln – vergnügt und hochkünstlerisch in Musik zu baden verstehen. Also wäre es fast besser, sie gar nicht stattfinden zu lassen, diese Zweijahresbegegnung musizierender Schulen, bei der sich die besten Schulensembles aus den Bundesländern hören lassen und Beispiel abgeben von ihrem musikalischen Tun.

Gar nicht an die Öffentlichkeit zu treten, nur leise zu trommeln, das wäre vielleicht die vernünftigere Alternative. Denn so freudvoll aus voller Kehle zu trällern, verführt allzu leicht zur irrigen Annahme, wie selbstverständlich sich unsere Schulen – neben all dem Pflichtpensum Mathe, Info, Sprachenbüffeln – vergnügt und hochkünstlerisch in Musik zu baden verstehen. Also wäre es fast besser, sie gar nicht stattfinden zu lassen, diese Zweijahresbegegnung musizierender Schulen, bei der sich die besten Schulensembles aus den Bundesländern hören lassen und Beispiel abgeben von ihrem musikalischen Tun.Schulen musizieren“ abermals zu Gast in Osnabrück, im Auftrage des Verbandes Deutscher Schulmusiker zum elften Male ausgerichtet, jedoch letztmalig und deshalb ehrenvoll verabschiedet, von Hermann Josef Lentz, dessen Konzeption für dieses Festival unverkennbar spürbar ist: Da fand man erneut demonstriert, wie großartig das Leben einer Schule inspiriert sein kann, wie sehr junge Menschen in ihren Entwicklungsjahren von musikalischen Aktivitäten gewinnen können. Erwiesenermaßen ein Profit auch für das Lernen in anderen Fächern und darüber hinaus für einen freud- und friedvolleren Umgang miteinander – wenn die Rahmenbedingungen dafür gegeben sind: Wenn die Stundentafeln es erlaubten. Wenn genügend fähige, weil ausgebildete Lehrkräfte dafür da sind, deren musikalischer Enthusiasmus, deren kreative Initiative sich auf Schülerinnen und Schüler überträgt. Ob im Klassenunterricht, ob in Wahlangebot, in Arbeitsgemeinschaften für Alte Musik, für Experimente, im Chor, in der BigBand, in der Spielgruppe. Dass man dafür nicht ehrgeizig traditionelle Orchesterbesetzung braucht, zeigten in Osnabrück mehr noch als die gleichen Vorjahresbegegnungen fantasiereiche Beiträge, dem Alter, den sparsamen instrumentalen Fähigkeiten angepasst, wie sie den Realitäten in Grund-, Haupt-, Sonderschulen, in Real- und gymnasialen Schulen und vor allem auch den Wünschen der Schüler selbst mehr und mehr entsprechen. Fetzig, jazzig, poppig, mit polyryhthmischen Klatschkanonen, sinfonischem Spaß bei Klängen aus Schrott, Küche und Keller. Tierfabeln, Märchen, Bilder, Erlebnisse aus unserer Gegenwart, zum Klingen gebracht. Auch umgekehrt: musikalische Eindrücke (in einer Montessori-Klasse) in Bildern umgesetzt. Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt, sang Friederike alias Pippi Langstrumpf. Das alles trieb manch einem vor Freude, vor Rührung, vor Begeisterung die Tränen in die Augen, aber auch Tränen darüber, dass nur einem winzigen Prozentsatz unserer Kinder solches Glück beschieden ist. Denn es tönen die Lieder leider nicht überall...

„Schulen musizieren“ ist zugleich lebendigste Weiterbildung für Lehrer, die hier untereinander lernen von der Originalität der Programme, von der Fantasie der Kollegen, und mitnehmen, wie man und frau aus der Situation vor Ort eine musikfreudige, heitere Schule machen könnte, wenn, ja wenn überhaupt genügend Musiklehrer da sind, unsere rund zwölf Millionen Schulkinder musikalisch zu „versorgen“, und zwar in der Schule als dem einzigen Ort, wo sie alle und einmalig die große Chance hätten, für ihr Leben jenes Signal mitzubekommen, das Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit schult, das Selbstwert, Sozialkompetenz und Verantwortungsgefühl stärkt. Eine Prävention für unsere Gesellschaft und ihr kulturelles Leben, wofür keine Investition zu schade sein sollte und worin auch alle politischen Fensterreden übereinstimmen, und dennoch schämt sich niemand, unser Bildungsfach Musik mehr und mehr zu kappen.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!