Bei den Donaueschinger Musiktagen 2012 war die jüngere und jüngste Komponistengeneration in einer Weise präsent wie kaum je zuvor. Und auch an anderen Stellen vollzieht sich gegenwärtig ein Generationswechsel, nicht nur in kleinen Clubs, Spezialzirkeln und Off-Szenen, sondern ebenso bei etablierten Veranstaltern wie den Festivals und Konzertreihen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Da sich Ende November, Anfang Dezember erfahrungsgemäß jedes Jahr vor der Weihnachtszäsur viele Konzerte Neuer Musik ballen, haben sich in Köln diesmal unter dem vom Netzwerk „ON – Neue Musik Köln“ gebildeten neuen Label „ONtemporary“ zehn verschiedene Veranstalter von der Kölner Gesellschaft für Neue Musik bis zu WDR und Kölner Philharmonie zusammengefunden, um ihre Konzerte gemeinsam als eine Art Festival Neuer Musik zu bewerben. Bereits im November gab es ein halbes Dutzend Uraufführungen junger Komponisten, die teilweise noch am Institut für Neue Musik der Hochschule für Musik und Tanz Köln studieren. Am 1., 2. und 3. Dezember folgen Premieren für weitgehend konventionelle Besetzung von Steffen Krebber, Matthias S. Krüger, Julien Jamet und Alexander Chernyshkov mit dem jungen Kammerensemble „hand werk“ sowie mit Musikern der „musikFabrik“ und einer Fusion aus Landesjugendensemble „Studio musikFabrik“ mit dem Ensemble Neue Musik der Rheinischen Musikschule Köln. Lediglich Oxana Omeltschuk komponierte ein Stück für die ungewöhnliche Besetzung mit „sechs Spielern an selbstgemachten Instrumenten“. Und am 5. Dezember sind von Johannes Schöllhorn – Professor für Komposition und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Kölner Hochschule – neun Bagatellen für großes Ensemble „pièces croisées“ als Uraufführung zu erleben.
Ton angebend ist die Jugend auch bei den zwei Konzerten der Reihe „musica viva“ des Bayerischen Rundfunks am 11. und 12. Dezember in der Münchener Muffathalle. Gleich acht hierzulande weitgehend unbekannte junge Komponisten aus „Mittelosteuropa“ – so der Titel der Konzerte – im Alter zwischen 26 und 34 Jahren sind mit je einer Uraufführung vertreten. Und gleich das nächste Konzert derselben Reihe am 25. Januar im Herkulessaal der Münchener Residenz präsentiert als Premiere das Konzert für Saxophon und Orchester des 1978 geborenen Schweizers Michael Pelzel. Zur Uraufführung gelangen dann auch Mathias Spahlingers „Lamento, Protokoll“ für Violoncello und großes Orchester sowie Wolfgang Mitterers Konzert für Orchester, Orgel und Electronics. Schließlich bietet auch die Reihe „ensembl[:E:]uropa“ des WDR am 19. Januar im Großen Sendesaal des Kölner Funkhauses neben Novitäten von Maria de Alvear, Christian Wolff und Petr Kotík auch Uraufführungen der beiden jungen Tschechen Petr Cígler und Alex Mincek.
Weitere Uraufführungen
- 1.12.: Oliver Drechsel, Adventssprüche für Chor, St. Cäcilia Düsseldorf-Benrath
- 2.12.: Manfred Trojahn, Libera me für tiefe Streicher und Solotenor, Dialoge Salzburg
- 7.12.: Theo Brandmüller, Geheime Botschaften für Klarinettenquintett, Eduard Brunner, Minguet Quartett, Mannheim Ges. für Neue Musik
- 13.12.: Johannes Kalitzke, Angels Burnout Graffiti für Klangforum Wien, WDR-Funkhaus Köln
- 17.12.: Helmut Schmidinger, Hauptsache der Komponist ist tot – Nachspiele für Ensemble, Musikverein Wien
- 13.1.: Matthias Pintscher, Uriel für Violoncello und Klavier, Alte Oper Frankfurt
- 16.1.: Friedrich Schenker, Neue Stücke für Bassklarinette und Ensemble, musica nova Gewandhaus Leipzig
- 25.1.: York Höller, Cellokonzert, Rolf-Liebermann-Studio Hamburg