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Andreas Eichhorn (Hrsg.): „Geist unter dem Pferdeschwanz – Paul Bekkers Feuilletons aus dem Pariser Tageblatt“, Pfau-Verlag, Saarbrücken (Reihe Verdrängte Musik, Sonderband 1)
Andreas Eichhorn (Hrsg.): „Geist unter dem Pferdeschwanz – Paul Bekkers Feuilletons aus dem Pariser Tageblatt“, Pfau-Verlag, Saarbrücken (Reihe Verdrängte Musik, Sonderband 1)Für einen kritischen Blick auf deutsche Politik und Kultur scheint sich Paris von jeher geeignet zu haben. Heinrich Heines Konzert- und Opernkritiken für die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ sind noch heute Pflichtlektüre. Dies trifft in gleichem Maße auf die Feuilletons von Paul Bekker zu, die dieser in den Jahren 1934 bis 1936 fürs „Pariser Tageblatt“, der einzigen im Exil gegründeten Zeitung der deutschen Opposition gegen Hitler, schrieb. Dass sie jetzt in einer ausgezeichnet edierten Ausgabe in der Schriftenreihe „Verdrängte Musik“ des Pfau-Verlags auftauchen, ist erfreulich, aber auch erschreckend. Tatsächlich ist dieser unerschrockene Chronist des deutschen Musiklebens in der Zeit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus heute weitgehend vergessen. Das ist umso unbegreiflicher, wenn man liest, mit welch analytischem Blick Bekker erkannte, wie die nationalsozialistische Kulturpolitik begann, aus dem international geprägten Musikleben in Deutschland in rasender Geschwindigkeit eine deutschtümelnde Provinz zu machen. Bekker sprach bereits vieles aus, das heute erst langsam wieder ins Bewusstsein von Musikern und Zuhörern dringt: Was er über Zeitgenossen wie Schönberg, Strauss, Schreker oder Pfitzner sagt, ist heute noch aktuell. Wie sein „Vorgänger“ Heine war auch Bekker nicht nur an ästhetischen, sondern auch an handfesten kulturpolitischen Fragen interessiert. Neben 54 Feuilletons von Bekker erschließen eine ausführliche Vita, zahlreiche Anmerkungen, eine Auswahlbibliografie sowie das Personenregister einen wichtigen Abschnitt deutscher Musikhistorie.