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Eine neue Sicht auf Boris Blacher wirft Jürgen Hunkemöller mit einer Untersuchung über das Schaffen des modernen Komponisten. Es enthält, was bisher wenig Beachtung fand, „herausragende Ergebnisse kompositorischer Jazz-Rezeption“.
Jürgen Hunkemöller: Boris Blacher, der Jazz-Komponist (Quellen und Studien zur Musik von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 37), Verlag Peter Lang, Bern 1998, 132 Seiten, 49 Mark. Eine neue Sicht auf Boris Blacher wirft Jürgen Hunkemöller mit einer Untersuchung über das Schaffen des modernen Komponisten. Es enthält, was bisher wenig Beachtung fand, „herausragende Ergebnisse kompositorischer Jazz-Rezeption“. Blacher kam, wie der Autor die biografischen Stationen nachzeichnet, 1922 nach Berlin, dem „Jazz-Eldorado des Kontinents“. Er verdingte sich als Pianist und Arrangeur, Notenkopist und Komponist. Auch nach dem Krieg ließ der Jazz den inzwischen Hochschullehrer gewordenen Komponisten nicht mehr los. Er bekam, wie er selbst bekannte, Anregungen von Dave Brubeck, Gerry Mulligan und dem Modern Jazz Quartet. 19 Kompositionen Blachers hat Hunkemöller ausfindig gemacht, die „eindeutige Jazz-Bezüge“ aufweisen. In einer dreiteiligen Chronologie werden die Bezüge luzide analysiert. Von den Trio Jazz-Koloraturen 1929 bis zur intensiven Auseinandersetzung mit Jazz 1972-1974 reicht Blachers Schaffen. Die Bilanz: „Regelrechte Jazz-Kompositionen und solche Werke, die Jazz-Elemente enthalten, ohne in schwarz-amerikanischen Prägemodellen aufzugehen, halten sich die Waage. Bei den eigentlichen Jazz-Kompositionen weist Blacher durch den Titel oder durch eine entsprechende Satzüberschrift auf seine Absichten hin, während er bei Arbeiten, die Jazz-Elemente nur integrieren, dies mit gezielten Bemerkungen im Notentext deutlich macht“. (S. 34)Hunkemöllers Monografie füllt verdienstvoll eine Lücke in Wirken und Werk eines großen Komponisten des endenden Jahrhunderts. Hier wird mehr als ein Porträt eines Komponisten gezeichnet. Zu Recht versteht sich diese Monografie als Fall-Studie zur Jazz-Rezeption.