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Viele Fragen, wenige Antworten

Untertitel
Managementprozesse im Wechselspiel mit moderner Didaktik
Publikationsdatum
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Mit seinem Untertitel verfolgt das vorliegende Buch sehr ambitionierte Ziele. In ihrem Vorwort beschreiben die beiden Herausgeber Thomas Knubben und Petra Schneidewind die deutschen Musikschulen in einer Krisensituation. Folgerichtig definiert sich die Aufgabe des Buches als Beschreibung von Problemen im Musikschulbereich mit entsprechenden Lösungsvorschlägen.

Ein sehr starker Fokus wird bei den einzelnen Beiträgen auf eine marktorientierte, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen organisierte Musikschularbeit gelegt. Auf diese Weise liefert das Buch Anregungen und Grundlagen für kontroverse Diskussionen. Wie stark der Diskussionsbedarf ist, zeigt sich gleich beim ersten Aufsatz von Thomas Knubben. In einem Problemaufriss über die Zukunft der Musikschulen beschäftigt er sich mit Legitimation, Effektivität, Effizienz und Zielen, ohne dabei kulturpolitische und pädagogische Fragestellungen zu berühren.

Werden in Knubbens Beitrag die privaten Musikschulen als Konkurrenten dargestellt, sehen Martin Maria Krüger und Christian Höppner die öffentliche Musikschule als den Sachwalter kultur- und bildungspolitischen Handels in unserer Gesellschaft. Sie zeigen konkrete Aufgabenstellungen (beispielsweise das Klassenmusizieren in Kooperation mit allgemein bildenden Schulen) auf, die eine dauerhafte öffentliche Förderung zwingend erfordern. Oliver Scheytt beschreibt in seinem Beitrag die Einbindung der Musikschulen in die (Kommunal-)Politik und gibt Tipps für die richtige Positionierung in diesem Bereich.

In den weiteren Beiträgen des Bu-ches werden neue Arbeitsfelder der Musikschule aufgezeigt. Die Zusammenarbeit von allgemeinbildenden Schulen und Musikschulen (Peter Imort), die Projektarbeit an Musikschulen (Friedbert Holz) und nicht zuletzt auch das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ in NRW (Manfred Grunenberg) werden in einzelnen Aufsätzen vorgestellt. Juliane Schmidt und Volker Gerland beschreiben die zunehmende Aufgabenvielfalt der Musikschularbeit, die Arbeit mit neuen Medien wird in einem Aufsatz von Andreas Fervers einbezogen und die Bedeutung von Zusatzleistungen für den Musikschulunterricht wird von Heike Oertel untersucht. Der Arbeitsmarkt für Musikschullehrer/-innen ist Thema des Beitrages von Sebastian Fischer. Matthias Herrmann setzt die Ausbildungssituation an den Hochschulen in Beziehung zur Musikschularbeit.

Michael Eberhard begegnet der Musikschularbeit mit dem geballten Instrumentarium eines modernen Wirtschaftsunternehmens. Auf diese Weise entscheidet er sich in seinem Beitrag „Musikschulleitung zwischen Kunst und Management“ eindeutig für das Management, fordert aber in seinem Fazit vom Musikschulleiter ein hohes Maß an künstlerischem Sachverstand. Petra Schneidewind liefert betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente und skizziert die Möglichkeiten eines Qualitätsmanagements an Musikschulen.

Im letzten Aufsatz des Buches beschreibt Franz-Otto Hofecker das Musikschulwesen und die Musikschulforschung in Österreich. Die Musikschulen in Österreich spielen dabei in der kultur- und bildungspolitischen Dis-kussion eine innovative Rolle. Hofecker stellt umfangreiches statistisches Material vor und resümiert abschließend, dass man zwar in Österreich die ersten Schritte in Richtung auf eine systematische Musikschulforschung gegangen sei, „die eigentliche Arbeit aber erst noch beginnen muss“.

Oliver Scheytt führt in seinem Artikel aus: „Ohne ein qualitätsvolles Musikschulangebot und -konzept wird es nicht gelingen, (…) zu überzeugen.“ Bei aller Wichtigkeit der angeschnittenen Themen dürfte in der Tat die Weiterentwicklung von Qualität in der inhaltlichen Musikschularbeit für die Zukunftssicherung eine große Rolle spielen. Hier fehlen dem Buch entscheidende Aspekte. Es werden viele Aufgaben und Perspektiven genannt, mit denen sich die Musikschule der Zukunft auseinanderzusetzen hat. Einen Einstieg in die Diskussion, wie diese Veränderungen unter musikalischen und pädagogischen Gesichtspunkten zu bewältigen sind, leistet das Buch nicht. Es wird viel von Managementprozessen und Marketinganalysen gesprochen.

Dies sind Themen, die für die Zukunft der Musikschulen unbestreitbar von Bedeutung sind, wenn sie helfen, die Musikschulen (auch) in ihrer Didaktik und Unterrichtsmethodik weiterzuentwickeln. Hier werden zwar viele Fragen gestellt, aber nur wenig Antworten gegeben. Auf diese Weise fällt das Buch mit seinen interessanten Beiträgen ein wenig einseitig aus, was den positiven Gesamteindruck leicht trübt.

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