… nein, nicht permanent Dixieland, wie Udo Lindenberg meinte, sondern das breiteste Spektrum an Jazzstilen. Damals, in Hamburg-Eppendorf, wo die Szenekneipe von 1970 bis 1985, als sie wegen bautechnischer Statikprobleme geschlossen wurde, einige hervorragende Musiker einlud und so ein Publikumsmagnet wurde. Regelmäßig waren die 200 zugelassenen Plätze (meistens waren mehr Menschen drin) ausverkauft. Diese Ereignisse blieben nicht unbemerkt.
Der NDR war oft in der selbstironisch so genannten „Carnegie Hall“ vor Ort und hat Konzerte aufgenommen, sie jetzt aus seinem Archiv hervorgeholt und wird sie sukzessive in einer Onkel-Pö-Reihe veröffentlichen. Übrigens in prima Klangqualität, man hört sogar die Gläser klirren und Gemurmel im Hintergrund.
Allerdings kaum, als Chet Baker 1979 auf die Bühne kam. Da war er zwar physisch schon nicht mehr ganz fit, aber sein Trompetenton makellos. Lakonisch schmuggelt er sich in das rockige Bass-Klavier-Riff von „Love For Sale“ und entführt das Motiv elegant zum Cool Jazz. Phänomenal sein Gefühl für melodische Linien, die er durch sehr geschmeidige Skalen in der Ballade „You Can’t Go Home Again“ entwickelt. Seine Begleiter (Phil Markowitz, Klavier; Jean Louis Rassinfosse, Bass und Charlie Rice, Drums) interagieren optimal mit Chet Baker, gerade auch wenn er singt – raue Stimme und prickelnde Scats. (Jazzline, 2- CD-Set)
Kratziger und aufreizender ist dagegen Johnny „Guitar“ Watson, denn bei ihm war 1976 Funkjazz angesagt, der ihn sogleich mit einem knalligen Brass-Riff als „Mr.Magic“ ankündigt. Er trumpft dann mit rasierklingenscharfen, hallverstärkten Gitarrentönen und einer langen Wah-Wah-Kadenz auf, während sein Sextett brodelnde Rhythmen unterlegt. Vokalparts gestaltet Johnny „Guitar“ Watson kommunikativ mit den Zuhörerinnen, bindet sie ein wenig provokant in die Forderung „I Don’t Want to Be A Lone Ranger“ ein. Und der Funky-Funke springt über in begeisterten Applaus. (Jazzline)
Soviel Überschwang hat Bluesgitarrist Albert Collins nicht, doch 1980 präsentiert er viele Facetten seines Genres. Ein freches Tenorsax-Solo von A.C. Reed drängelt zu „Sweet Home Chicago“, und er ist auch ein respektabler Duo-Partner, wenn er zum Gesang von Albert Collins im Klassiker „Dock Of The Bay“ eine kommentierende Stime einfügt. Die Band gibt diesem Bluespanorama ein solides Fundament, sodass stets gute Laune garantiert ist. – Alle Alben dieser schönen, in anekdotischen Begleittexten beschriebenen Jazzerinnerungen sind bei Delta Music im Vertrieb, weitere sind in Vorbereitung. Man darf gespannt sein, welche Preziosen und vielleicht auch Raritäten noch zu Gehör kommen werden. (Jazzline, 2-CD-Set)