Paganini und Schubert
Nicolò Paganini: 24 Capricen für Violine solo, op. 1. Tanja Becker-Bender. Hyperion CDA67763
Der grauenhafte Ölschinken auf dem Cover führt in die Irre: Tanja Becker-Bender versteht Paganini eben nicht als langmähnigen Kitschdämonen, dem mit postmoderner Distanz beizukommen wäre. Sie versucht völlig zu Recht, das instrumentalutopische Potenzial dieser Geburtsstunde des modernen Violinspiels freizulegen. Mit souveräner, nie selbstgefälliger Technik spielt sie über die manuellen Hürden nicht munter weg, sondern ringt ihnen beachtliches Ausdruckspotenzial ab. Der pure Geigenwohlklang kommt da manchmal eine Spur zu kurz, aber sei’s drum: ein Paganini fürs 21. Jahrhundert.
Franz Schubert: Schwanengesang, Lieder nach Seidl. Christoph Prégardien, Andreas Staier.
Challenge Classics CC72302
Nach seiner großartigen, die zeitgenössische Verzierungspraxis ganz selbstverständlich miteinbeziehenden „Müllerin“ (Challenge Classics CC72292) nun also der „Schwanengesang“ mit Christoph Prégardien. Statt Michael Gees am modernen Flügel bringt einmal mehr Andreas Staier die unverwechselbaren Farben des Hammerklaviers ein und Prégardien ist nach wie vor auf der Höhe seiner Gestaltungskraft. Nur ganz selten strapaziert er den Ausdruck zu sehr ins Dramatische, dann allerdings auch mit gutem Grund („Der Atlas“, „Der Doppelgänger“). Die sparsam eingesetzten Verzierungen wirken nicht ganz so natürlich wie in der „Müllerin“.
Franz Schubert: Klaviersonate A-Dur, D 959, Moments musicaux, D 780. Martin Helmchen.
Pentatone PTC 5186 329
Ein junger Pianist mit eigenem Ton und dem Gespür für die Schubert’schen Zeit- und Formrelationen. Kernstück: das Andantino aus der A-Dur-Sonate. Nicht vergrübelt, aber durchdacht, nicht harmlos, aber mit viel Wärme lässt Helmchen die Musik fließen.