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Ciao und Hello!

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Neuerscheinungen der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow
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Neue Platten von und mit: Wanda, Niels Frevert, New Model Army und Iggy Pop.

Wanda. Aus Österreich. Nach „Bussi“, „Amore“ und „Niente“ jetzt ein schnödes „Ciao!“ als Album. Wanda hätten so viel falsch machen können. Nach den grandiosen Vorgängeralben. Man hätte sie ebenso gerne zerrissen wie hochgelobt für das aktuelle Album. Aber Wanda machen alles richtig. Ein wunderbares Album. Natürlich. Hier und da zitiert man sich selbst. Musikalisch und textlich. Aber das darf man sich auch mal trauen. Vor allem, wenn man es sich leisten kann. Zu und ab klingt es ein wenig nach Beatles, aber eher im wienerischen Britpop verbleibend. Wanda pendeln stets zwischen Schmerz und Freude. Und das ist amüsant wie entlarvend. Sänger Michael Marco Fitzthum hat diese Gabe, mit einfachen Worten das auszudrücken, was wir alle fühlen. Aber nie wahrhaben wollen. Er sagt uns das. Ganz simpel. Nie kompliziert. Und in bitterer Wahrheit. Und bitte. Das muss man betonen. Was für ein sensationeller Bassist. Klar. Schlecht sind die alle nicht. Aber was dieser Bassist für die Band bedeutet, ist irrwitzig. Selten wurde eine Band und ihre Musik so leichtfüßig und seriös von einem Bassisten getragen. Bitte einfach nur anhören. Oft. Dann wirkt es. Anspieltipps: Das Erste, woran ich denk, „Swing Shit Slide Show“, „Der Erste der aufwacht“.(Vertigo Berlin)

Niels Frevert, vor Jahrhunderten sehr erfolgreich und innovativ bei der Band Nationalgalerie tätig, ist ebenso ewig als Songwriter unterwegs. „Putzlicht“, sein neues Werk, kann man nur mögen. Es ist überlegt, wirkt durchdacht. Erweckt jedoch nie den Anschein konstruiert, kalkuliert oder runtergenudelt zu sein. Im Gegenteil. Es weht frisch, spontan und schon auch melancholisch durch den Spätsommer. Da sind Streicher, die „Brückengeländer“ runterbringen, da sind kratzige, aber leise Gitarren, die „Ich suchte nach Worten…“ vollenden. Niels Frevert erzählt dazu kleine Geschichten, Begebenheiten und Geschehnisse, die wie die Faust aufs Auge zum Song passen. Tolles Album. Immer noch spannender Künstler. Anspieltipps: Dieser Moment, Leguane, Putzlicht. (Grönland)

Seit fast 40 Jahren sind New Model Army unterwegs. Und immer wieder gerne erinnern wir uns an ihren Hit „51st State of America“, der uns stets den Boden wegriss und die einzige Hymne in den ausgehenden Achtziger Jahren war. Stets flogen sie unter dem Radar des wirklichen großen Erfolges (im Sinne voller gesellschaftlicher Relevanz). Aber dafür blieben sie immer unerbittlich „unabhängig“. Zusammengehalten wird dieses Konstrukt nach wie vor von Sänger und Songschreiber Justin Sullivan. Wer das neue Album „From here“ hört, wird schnell erkennen, dass diese Band tatsächlich Entwicklungsstadien hinter sich hat. Aber trotz vieler neuer Sounds, neuer technischer Versuchungen, gibt es diese unverwüstlichen New Model Army – Wurzeln, die „From here“ tragen. An vielen Stellen klingt das Album ruhig, wühlt jedoch auf (The Weather, Never Arriving). Ob das am Aufnahmeort der Platte (Norwegen) liegt? Wenn es so geplant war, dann alle Ehre. Hat funktioniert. Anspieltipps: End of Days, Maps, Setting Sun. (Earmusic)

Post Pop Depression. Das kann nur Iggy Pop sein. Nach drei Jahren Wartezeit kommt nun „Free“. Und schon beim ersten Track staunt man. Jazztrompeten, Sprechgesang und nach 1:48 Minuten ist Schluss. Ja! Geht auch mal so. Und es geht oft düster weiter. Elektronische Spielereien, fein gesponnen und ausgesät. Gegenläufige Beats aus der Box, frickelige Drums, tiefe Bässe. Und Iggy Pop, der lakonisch und irgendwie genial gelangweilt über oder unter dem Ganzen singt, spricht, Töne sucht, im Hall verschwindet oder „James Bond“ ist. Das gesamte Album ist von einer unfassbar frechen Gleichgültigkeit, gleichzeitig aber auch unverschämter Impertinenz getränkt. Kann sich ohne Zweifel und definitiv nur Iggy Pop erlauben. Wer es nicht glauben mag, hört sich bitte „James Bond“ an. Und klopft sich dann bei „Dirty Sanchez“ herzlich auf die Oberschenkel, wie herrlich ironisch Iggy Pop sein kann. Textlich wie musikalisch. Da werden einige neue Möchtegern-Bands auf die Schippe genommen. Es darf nur einen „King of Pop“ geben. Er heißt IGGY POP. Anspieltipps: Don not go gentle into that good night, Page, Loves Missing. (Caroline/Universal)

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