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Ein Frühling, der den Namen verdient

Untertitel
Neuveröffentlichungen der Popbranche im April
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Stefan Waggershausen. Einer der wenigen Charismatiker unter den einheimischen Songschreibern ist zurück. „So ist das Spiel“ lautet nach 14 Jahren Atempause die Willkommensphrase. Aber gut. Weg war Waggershausen sowieso nicht. Schrieb für andere, komponierte für andere.

 Und nun wieder ein eigenes Album. Cool, lässig und souverän raunzt er die Songs dem nicht kommen wollenden Frühling entgegen. Begleitet von Kollegen wie Annett Louisan, Henning Wehland von H-Blockx, Nena oder Dauerduett-Partnerin Alice. Das macht nicht nur Spaß, das hat außerdem Stil. Kein selbstgefälliges Geblöke wie Westernhagen, keine um Anschluss kämpfende Panikplatte wie Grönemeyer. Sondern schlicht Waggershausen. Erzählte Musik. Understatement ist Trumpf. Hörhinweis: Der alte Wolf wird langsam grau, Endloser Sommer (www.waggershausen.de).

Das Piano und Rufus Wainwright sind zwei unzertrennliche Partner. Trotz dieser massiven musikalischen Reduktion ist „All days are nights: Songs for Lulu“ ein mächtiges Album, das jede einzelne Note betont und in den geeigneten Rahmen setzt. Sicher, manche Songs haben Längen. Und ja, das zittrige Timbre scheint inflationär eingesetzt.  Aber im Gesamten überzeugt die Dramatik des Albums. Weil unaufgesetzt. Rufus Wainwright hat nichts zu künsteln. Er ist der Künstler. Und Musik seine Liebe. Was mit „All days are nights: Songs for Lulu“ zu beweisen war. Hörhinweis: Who Are You New York? (www.rufuswainwright.com)

Um einiges knallhärter gehen es Triggerfinger aus Belgien an. Das Trio lässt sich greifbar in den Siebzigern inspirieren (Led Zeppelin), vergnügt sich mit Eindrücken von Motörhead oder nudelt die Rocksongs im Stile von ZZ Top durch die Boxen. Und das in lakonisch zelebrierter Grobheit. Ohne Plagiatsvorwurf und mit Eigenständigkeitsgarantie. Eine überschaubare Band, die sich durch Songs in den Vordergrund spielt, auf Trallala verzichtet und laut Presseberichten über eine atemberaubende Livepräsenz verfügt. Hörhinweis: Scream, All my floating, First Taste (www.triggerfinger.net).

Aus Sao Paulo stammt Cibelle. Nun in London lebend. Beides hört man. Verrückt aber poppig gestaltet sich „Las Venus Resort Palace Hotel“. Nur zur Orientierung, nicht zur Wertung: Cibelle schwankt mit ihrem dritten Album ein wenig Richtung Björk. Aber nicht so abgefahren destruktiv. Eher moderat positiv. Ständig zwischen Jazz, Chanson, Pop, Songwriting, Latinrhythmen und verwüsteten Elekro-ideen verkehrend. Reizvoll und mit Verlaub: etwas verrucht. Hörhinweis: Welcome, Sad Piano (www.myspace.com/cibelleblackbird).

In der Kategorie Rock bewerben sich Third Eye Blind mit „Ursa Major“ um einen Platz unter den Top fünf Alben des Jahres. In Europa nur den eingefleischten Rockhörern bekannt, in Amerika längst Stars. Warum? Nehmen wir die Bands Barenaked Ladies, Green Day, Dashboard Confessional und Maxeen. Mischen wir von allen das Beste zusammen (Songs, Können und Spritzigkeit). Am Ende dieser Kreuzung steht als logische Quintessenz Third Eye Blind. Mit einem Rockalbum der Härte, der textlichen Witzigkeit und der unaufdringlichsten Intensität, die man als Rockband eben so verantworten kann. In Deutschland übrigens von einer Bonus CD begleitet, deren Tracks alleine schon jubeln lassen. Plump aber ehrlich: Großartiges Album. Hörhinweis: Bonfire, Can you take me, Why can’t you be? (www.3eb.com)

Mit Orchester, Joss Stone und seinem alten Gitarrensound weiß Jeff Beck ein weiteres Mal zu überzeugen. Und ein wenig zu überraschen. Denn die Orchesterklänge im erdigen Beck-Sound des Albums „Emotion & Commotion“ sind gewöhnungsbedürftig. Aber Beck versteht es, sich nicht in triefenden Opern-Arrangements zu verlieren. Am Schlagzeug setzt Vinnie Colaiuta wie gewohnt Maßstäbe und Trevor Horn als Produzent gibt dem Album die letzten heiligen Weihen. Hörhinweis: I put a spell on you (www.jeffbeck.com).

Diskographie

  • Stefan Waggershausen – So ist das Spiel (05.03.2010, Ariola)
  • Rufus Wainwright – All days are nights: Songs for Lulu (30.04.2010, Decca)
  • Triggerfinger – What Grabs You? (05.03.2010, Haldern Pop)
    Cibelle – Las Venus Resort Palace  Hotel (16.04.2010, Crammed Discs)
  • Third Eye Blind – Ursa Major (09.04.2010, Megacollider – Essen­tial Music)
  • Jeff Beck – Emotion & Commotion (09.04.2010, Warner)

 

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