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Klänge, die zum Weiterhören animieren

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Markus Hechtle: screen, sätze mit pausen, klage, blinder fleck, still. Ensemble Modern (Ltg. Stefan Asbury), Neue Vokalsolisten Stuttgart (Ltg. Manfred Schreier), NewEars.Ensemble (Ltg. Jonathan Stockhammer) und andere. Edition zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats. WERGO 2007, WER 6570 2, Spieldauer: 67,32 Minuten.

Da ist einer unterwegs, neugierig, Ohren geöffnet, alles ist möglich. Eine direkte und bewegte Gegenwart öffnet sich auf der Portrait-CD von Markus Hechtle. Der Hörer kann sich nicht zurücklehnen und neutral distanziert deren Aufbau und Entwicklung verfolgen. Die Musik zwingt zum Mithören und Unterwegssein. Fragmente, vertraute Gesten, Pausen, Unerwartetes, Komisches, Penetrantes – der Klang und mit ihm das Ohr bewegen sich ständig zwischen den Ebenen. In „Sätze mit Pausen“ breitet sich der Gitarrenklang bedächtig über die langen Pausen hinweg aus und wird allmählich verlängert und erweitert durch die nachklingende Klarinette und die Streicher. „Screen“ platzt dagegen mit lauten Schlägen und vollem Register aus allen Nähten und bringt überraschende neue Klanggestalten hervor. „Klage“ für Stimmen erhebt sich aus der Stille auf verschiedenen Ebenen, die neben-, über- und durcheinander präsent sind: Aufschrei, Flüstern, Gesprochenes, Gesang. In „Blinder Fleck“ wird eine Trompetenfanfare verdichtet und gedehnt, um dann abrupt wieder einzusetzen und eine andere Richtung zu suchen. Anders als dieses ritornellhafte Kreisen erweckt „Still“ den Eindruck, ohne Anfang und Ende zu sein. In einer Art Hörspiel mit Sprecher, Sängern und Akkordeon ist hier ein Gedicht von Giacomo Leopardi vertont. Markus Hechtles Musik weckt Assoziationen, sei es durch vertraute Klänge oder durch den oft sprunghaften Weg, der das Verschiedene auf ungewohnte Weise verknüpft. Jedenfalls lernt man beim Mithören die vielen Pausen zu schätzen – Zeit, die die Gesten nachklingen lässt und einen zum Weiterhören animiert.

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