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Luciano Berio: Epifanie; Coro; Cathy Berberian; ORF-Chor und -Symphonieorchester, Leif Segerstam Orfeo C 626041 B

Eine wunderschöne Ergänzung der verdienstvollen Festspieldokumente-Reihe Salzburgs bei Orfeo. Berios frühe Auftritte 1974 und 1977 mit der unvergleichlichen Cathy Berberian sind unvergessen. Sie öffneten damals die steinern gewordenen Festspiele der Moderne. Die Bedeutung dieses Schrittes ist den Aufführungen anzuhören.

Valentin Silvestrov: Stille Lieder; Vier Lieder nach Ossip Mandelstam; Sergei Jakowenko, Bariton; Ilja Scherps, Klavier
ECM 1898/99 (9821424)

Schwer zu sagen, wie diese ins Unendliche strebende Folge von relativ gleichklingenden Liedern zu bewerten ist. Die Stimme ist zurückgenommen, wie als ob es an Luft fehle, und sie bewegt sich nur in engem Rahmen, in kleinen Aufschwüngen und Rücknahmen. Das Klavier liefert ein Einhüllband. Tonal ist die Basis, hierin aber eigenartig fremd. Und immer wieder setzt das weitere Lied im fast gleichen Tonfall, mit der gleichen Erzählhaltung an.

Salvatore Sciarrino: La bocca, i piedi, il suono; Lost Cloud Quartet (plus 100 weitere Saxophone) col legno WWE 1CD/DVD 20701

Wenn der Italiener Sciarrino etwas macht, dann ist es immer außerordentlich. Hier eine hochdifferenzierte, mit Wisch- und Schattenklängen arbeitende Partitur für vier Saxophone, wobei in die Musik gegen Schluss von Außen Klänge von hundert weiteren Saxophonen eindringen. Ein Konzeptstück, ein Aktionsstück, ein Event? Bei Sciarrino wird es zum Geheimnis: als ob ungeborene Töne sich von Ferne melden und die lebenden damit erregen (auch DVD).

Luigi Nono: Ha venido; ¿Dónde estás, hermano?; Djamila Boupachà; Sarà dolce tacere; Quando stanno morendo; Neue Vokalsolisten Stuttgart.
col legno WWE 1 SACD 2063

Die Neuen Vokalsolisten Stuttgart sind ein Ausnahmeensemble. Welch melodischer Reichtum liegt in diesen Stücken! Und sie bringen es mit einer Leichtigkeit und Klarheit, als würde jeder Ton im Universum schweben. Das 40-minütige Stück „Quando stanno morendo. Diario polacco n. 2“ von 1982 ist fraglos eine der gewichtigsten, aufrüttelnden Partituren von Nono. Wie innig schön! Chlebnikovs Satz „Wenn Menschen sterben, singen sie...“ ist Motto.

Franz Schubert: Tänze; Klaviersonate B-Dur D 960; Karl Betz, Klavier.
Christophorus CHE 0115-2

Lange war es auf dem Plattenmarkt still um Karl Betz. Er sucht ohnehin nicht die große, auftrumpfende Geste. Aber er ist nachfühlend genau wie nur wenige Pianisten. Die Idee, die gewaltige B-Dur-Sonate in eine Reihe von Tänzen einzubetten, erweist sich als sehr stimmig, da auch die Walzer und Ländler ganz ernst genommen werden: eines Rahmens würdig. Selten hört man die Sonate so abgründig genau, sich über jede Phrase Rechenschaft ablegend, wie hier. Schubert als aufleuchtende Vision von Wahrheit.

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