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Lana Del Rey – Born To Die
Lana Del Rey – Born To Die
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Rockdinos, Kunstgebilde und Puristen: Popneuheiten im Februar und März

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Van Halen – A Different Kind of Truth *** Lana Del Rey – Born To Die *** Michael Fitz – Wenn i schaug *** Metallica – Beyond Magnetic (EP) *** Rauschenberger – Alles fließt

Es ist so, als hätte Deutschland einen neuen Bundespräsidenten: Van Halen veröffentlichen ein Album mit David Lee Roth. Dem Ur-Sänger der Band. Mit dem Megaego, den fünf Frauen links wie rechts und der aufreizenden Stimme. Nebenbei spielt Eddie Van Halens Sohn Wolfgang Bass. Am Ende steht „A Different Kind of Truth“. Mit einigen lauwarmen Songs der Bandsteinzeit, aber auch annehmbaren wie neuen Rocksongs. Ohne Zweifel, die Jungs brauchen ein paar Alben Zeit, um an „1984“ anzuknüpfen. So richtig krachen will „A Different Kind of Truth“ nämlich nicht. Nur stellenweise („Tattoo“, „Outta Space“, „Big River“) reißen Van Halen mit. Der Rest geht als Wiederfindungsphase durch. Dennoch bleibt ein vielversprechender Neuanfang, dem hoffentlich markantere Taten folgen. Hörhinweis: „Tattoo“, „Outta Space“, „Big River“.

Was wurde alles über Lana Del Rey geschrieben. Eine überambitionierte, verwöhnte, von Daddy gesponserte Freizeit-Künstlerin, die als solche bereits vor Jahren in den Staaten gescheitert ist und nun mit „Born To Die“ eine zweite Karriere startet. Mit neuem Image. Hören wir zunächst der Musik zu. Lana del Rey bemüht sich, einen breiten Popbegriff abzuarbeiten. Hauptsächlich mit selbst verordneter Melancholie. Das mag ab und an funktionieren („Video Games“), bleibt aber über die Albumdistanz eine träge, fast humorlose Herangehensweise. Stimmlich kokettiert sie mit Erotik, Unnahbarkeit und Unschuld. Tja, ist das alles echt oder nur ein Pop-Phänomen, das eben 2012 seine Zeit hat? Entscheiden Sie bitte selbst. Langeweile oder Kunst. Hörhinweis: prophylaktisch alles.

Der Schauspieler und Songwriter Michael Fitz veröffentlicht nach drei Jahren Pause ein doppeltes Studioalbum. „Wenn i schaug“ nennt er es unspektakulär. Zu Recht. Denn bei Fitz spricht die Musik. Die „Bauchmusik“. Getragen von einem nachdenklichen, humorigen, bissigen und höchstwahrscheinlich grundlos ehrlichen Musiker. Dem es reicht, seine Gitarre zu spielen, sein Herz zu öffnen und eine Einladung auszusprechen. Zum Mithören, Anhören und Weghören. Von der eigenen Welt des Hörers. Der keine überambitionierten literarischen Texte dichtet, um Gehör zu finden. Der über die Kunst, eventuell auch schon die Gnade verfügt, Dinge zu nennen, wie sie sind. Und trotzdem verständlich bleibt. Vielleicht ist es gerade dieses Album, das die Welt braucht. Hörhinweis: alles.

So richtig schlau wird man aus der US-Metalrockband Metallica nicht mehr. Einst Vorreiter und Pioniere für salonfähigen, schnell gespielten Metal, verkümmern sie langsam und gar nicht so unsicher zu einem undefinierbaren Haufen, der sich zwanghaft neu erfindet. Aber lassen wir die Dramen beiseite. „Beyond Magnetic“ ist eine EP mit vier Songs, die vom Album „Death Magnetic“ übrig blieben. Die unvollendeten, weil nicht zu Ende gemischten Versionen, wurden ursprünglich als Geschenk für den hauseigenen Fan-Club veröffentlicht. Jetzt aber sind sie allen zugänglich. Tolles Geschenk. Man muss es wohl als Rarität einordnen, um den Nicht Fan-Clubmitgliedern den Kauf zu vermitteln. Rein musikalisch ist das die Resterampe. Sorry. Hörhinweis: „Hell and Back“. 

Ja, ja und ja. Rauschenberger samt ihrem Album „Alles fließt“ ist bitteschön anzuhören. Gründe: eine Band, die Songs schreiben kann. Der Pathos und Schwüle fernliegt. Die Wärme, Eleganz und eine Idee verkörpert. Die laut und leise wirklich kann. Stichwort: Dynamik. Die schon typisch deutsch klingt – wie alle diese deutschen Gitarrenbands. Die das aber gerne darf, weil sie nichts kopiert, nicht den ewig gleichen Eskapismus propagiert, sondern im Jetzt agiert. Die mit ihren Texten nicht nervt. Weil sie beobachtend sind. Nicht maßgebend oder aufzeigend. Die es noch dazu schafft, Spielwitz, Nonchalance und Eigenständigkeit in jedem Song unterzubringen. Und deshalb weitere ein oder zwei „Jas“. Hörhinweis: alles.

Diskografie

  • Van Halen – A Different Kind of Truth (Interscope, 03.02.2012)
  • Lana Del Rey – Born To Die (Vertigo, 27.01.2012)
  • Michael Fitz – Wenn i schaug (Wolke Musik, 02.03.2012)
  • Metallica – Beyond Magnetic (EP) (Mercury, 27.02.2012)
  • Rauschenberger – Alles fließt (Very Us Records, 23.03.2012)

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