„Musikalisch gesprochen dürfte der Tango unbedeutend sein“, stellt Jorge Luis Borges in seinem Essay zur Geschichte des Tango lapidar fest. Für diese Fehleinschätzung meinen die Autoren Birkenstock und Rüegg ihn mit dem Hinweis entschuldigen zu müssen, Borges habe 1936 „von den musikalischen Höhen, zu denen sich der Tango einmal aufschwingen sollte“, noch nichts ahnen können. Den eigenen Beweis für diese Sichtweise bleiben sie indes weitgehend schuldig, denn Kommentare zur Musik des Tango finden sich nur sehr vereinzelt in diesem Buch. Im Vordergrund steht die brave, anhand einiger Tangotexte illustrierte Nacherzählung einer Erfolgsgeschichte: von der verpönten Subkultur in den Einwanderervorstädten von Buenos Aires über einen ersten europäischen Boom und die Etablierung als nationales Identifikationsmodell hin zu einer internationalen Kulturform, die ähnlich wie der Jazz historisierenden Traditionalismus ebenso beherbergt wie modisches bis avantgardistisches „Crossovern“.
„Musikalisch gesprochen dürfte der Tango unbedeutend sein“, stellt Jorge Luis Borges in seinem Essay zur Geschichte des Tango lapidar fest. Für diese Fehleinschätzung meinen die Autoren Birkenstock und Rüegg ihn mit dem Hinweis entschuldigen zu müssen, Borges habe 1936 „von den musikalischen Höhen, zu denen sich der Tango einmal aufschwingen sollte“, noch nichts ahnen können. Den eigenen Beweis für diese Sichtweise bleiben sie indes weitgehend schuldig, denn Kommentare zur Musik des Tango finden sich nur sehr vereinzelt in diesem Buch. Im Vordergrund steht die brave, anhand einiger Tangotexte illustrierte Nacherzählung einer Erfolgsgeschichte: von der verpönten Subkultur in den Einwanderervorstädten von Buenos Aires über einen ersten europäischen Boom und die Etablierung als nationales Identifikationsmodell hin zu einer internationalen Kulturform, die ähnlich wie der Jazz historisierenden Traditionalismus ebenso beherbergt wie modisches bis avantgardistisches „Crossovern“. Auch wenn es um einzelne Musiker geht, ist selten mehr zu lesen als eine flüchtige biografische Skizze nebst der ein oder anderen mündlich überlieferten Anekdote – Geschichte und Geschichten eben, wie es der Untertitel schon dezent androhte. Als Tanz bleibt das Phänomen Tango ebenfalls blass: belanglose Statements einiger Tanzpaare, mehr nicht. Dann schon lieber Handfestes, wie es die nützlichen und gut recherchierten Adressen und Fakten im Anhang bieten. Und natürlich die beigefügte CD, eine schöne Sammlung aus den Jahren 1908 (!) bis 1998, die daran erinnert, dass das eingangs zitierte Borges-Bonmot eine Fortsetzung hat: „Seine einzige Bedeutung ist die, welche wir ihm verleihen... Wir diskutieren ihn, aber er umschließt wie alles Wahre ein Geheimnis.“Hauptrubrik
Tango-Stories
Untertitel
Arne Birkenstock und Helena Rüegg: Tango. Geschichte und Geschichten, 334 Seiten, 1 Audio CD, dtv premium, 39 Mark.
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