Hauptbild
Palazzetto Bru Zane, das rührige Zent­rum für romantische Musik Frankreichs, hat bisher vor allem durch vorbildlich präsentierte CD-Gesamtaufnahmen von Musiktheaterraritäten auf sich aufmerksam gemacht.

Palazzetto Bru Zane, das rührige Zent­rum für romantische Musik Frankreichs, hat bisher vor allem durch vorbildlich präsentierte CD-Gesamtaufnahmen von Musiktheaterraritäten auf sich aufmerksam gemacht.

Banner Full-Size

Aus den Tiefen der Historie

Untertitel
Neu auf DVD/Blu-ray: Opern von Bizet bis Respighi
Vorspann / Teaser

Palazzetto Bru Zane, das rührige Zentrum für romantische Musik Frankreichs, hat bisher vor allem durch vorbildlich präsentierte CD-Gesamtaufnahmen von Musiktheaterraritäten auf sich aufmerksam gemacht. Mit dieser an der Oper von Rouen aufgezeichneten Produktion von Georges Bizets Carmen wagen die Macher sich in einen neuen Bereich vor: in die Rekonstruktion historischer Aufführungen, in diesem Fall die der Pariser Premiere von 1875.

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Was das im Einzelnen bedeutet, wird im opulenten Begleitbuch gut erläutert. Anhand von Skizzen und Darstellungen der Bühnenbilder und der Kostüme hat man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie das Ganze damals aussah; bis zu einem gewissen Grad lassen sich auch Elemente von Gestik und Mimik aus Bilddokumenten ableiten. Im heutigen Sinne inszeniert wurde damals aber nicht, und so geben die überlieferten so genannten „Regiebücher“ 

Bild
Palazzetto Bru Zane, das rührige Zent­rum für romantische Musik Frankreichs, hat bisher vor allem durch vorbildlich präsentierte CD-Gesamtaufnahmen von Musiktheaterraritäten auf sich aufmerksam gemacht.

Palazzetto Bru Zane, das rührige Zent­rum für romantische Musik Frankreichs, hat bisher vor allem durch vorbildlich präsentierte CD-Gesamtaufnahmen von Musiktheaterraritäten auf sich aufmerksam gemacht.

Text

eigentlich nur darüber Auskunft, wo Sänger und Chor bei bestimmten Nummern postiert waren, von wo sie auftraten und wo sie abgingen.

Die Rekonstruktion dieser äußerlichen Parameter entbindet einen heutigen Regisseur (in diesem Fall Romain Gilbert) also nicht von seiner Aufgabe, wie wir sie heute verstehen, und so bleibt bei der Sichtung dieses zweifellos anregenden Experiments mit erheblichen Schauwerten ein gewisses Gefühl der Leere zurück.

Denn so besonders anders als eine mittelmäßige konservative Inszenierung von heute wirkt das alles dann eben doch nicht. Auch die musikalische Seite der Produktion ist bis auf die szenisch sehr präsente und vokal überzeugende Deepa Johnny in der Titelpartie eher durchschnittlich. Stanislas de Barbeyracs Don José kann noch halbwegs mithalten, Nicolas Courjal als Escamillo, Iulia Maria Dan als Micaëla und der Chor fallen aber schon ziemlich ab. Immerhin wacker schlägt sich das Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie unter der Leitung von Ben Glassberg. Dass von dieser Art der historischen Aufführungspraxis ein frischer Wind durch die Repertoirepflege im Musiktheater ausgehen wird, ist wohl eher fraglich. (Palazzetto Bru Zane)

Ein wenig wie die Rekonstruktion einer altmodischen Inszenierung wirkt auch die Aufführung von Arrigo Boitos Nerone am Teatro Lirico di Cagliari. Andererseits treten die altbackenen Kulissen und Kostüme zusammen mit der biederen Personenführung Fabio Ceresas in einen durchaus reizvollen Kontrast zu Boitos ambitionierter, musikdramaturgisch wunderbar aus dem Ruder laufender Monstrosität. Man kann förmlich zusehen, wie einem visionären Theatermacher die Sache über den Kopf wächst. Und natürlich zuhören, wobei die Besetzung mit Mikheil Sheshaberidze in der Titelrolle und Valentina Boi als Asteria durchaus Respekt verdient und auch die übrigen Sänger sowie das Orchester unter Francesco Cilluffo ihre Sache ordentlich machen. Wer den modernen, blutüberströmten Regietheaterblick bevorzugt, wird in der musikalisch besseren Bregenzer Festspielproduktion sein Glück versuchen (sie liegt bei C Major auf DVD vor), wer es traditioneller mag, kann das Werk aber auch hier auf durchaus angemessene Weise kennen lernen. (Dynamic)

A propos Bregenz: Dort stand 2023 im Festspielhaus Giuseppe Verdis Ernani auf dem Programm. Regisseurin Lotte de Beer versuchte, durchaus plausibel, dem abstrusen Libretto mit den Mitteln des absurden Theaters beizukommen, was ihr aber nur bis zu einem gewissen Grad gelang. Die musikalische Seite ist dafür durchweg exzellent, mit einer brillanten Guanqun Yu als Elvira im Zentrum und Saimir Pirgu (Ernani), Franco Vassallo (Don Carlo) und Goran Juric (Don Ruy Gomez) als markant um sie kreisenden Satelliten. Die Wiener Symphoniker spielen unter Enrique Mazzola fesselnd auf. (C Major)

Eine weitere Rarität aus Italien ist Ottorino Respighis Mysterienspiel Maria Egiziaca. Dass dieses am religiösen Kitsch mitunter nicht nur entlang schrammende Werk rund um eine spirituelle Läuterung erfahrende Prostituierte nicht unbedingt für die Bühne gemacht ist, beweist diese Produktion des Teatro La Fenice di Venezia. Da nützen auch die geschmäcklerischen Videoproduktionen und die Tanzeinlagen zu den – vom Orchester unter Manlio Benzi schön zelebrierten – Zwischenspielen wenig. Francesca Dotto singt die Maria hervorragend, die wichtige Rolle des Pilgers ist aber leider unterbesetzt. (Dynamic)

Liebhaber der Kunst Asmik Grigorians werden sich ihr gewohnt intensives, vokal wie darstellerisch allerdings nicht hundertprozentig überzeugendes Porträt der Madama Butterfly Giacomo Puccinis nicht entgehen lassen wollen. Am etwas halbgaren Eindruck dieser Produktion aus dem Royal Opera House Covent Garden hat die elegant nichtssagende Regie (Moshe Leiser und Patrice Caurier) ebenso ihren Anteil wie das nicht mehr als durchschnittliche Dirigat Kevin John Eduseis. (Opus Arte)

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!