Bei Arthaus erscheinen in den nächsten Wochen alle wichtigen Charlie-Chaplin-Filme auf DVD. Lange waren diese Meisterwerke aus lizenzrechtlichen Gründen in Europa nicht mehr erhältlich. Den Anfang macht eine Box, die „The Very Best“ versammelt: „Der Vagabund und das Kind“ (kurz: „The Kid“), „Goldrausch“, „Lichter der Großstadt“, „Moderne Zeiten“, „Der große Diktator“ und „Rampenlicht“. Die Musik für all diese Filme hat Chaplin selbst komponiert.
Wie wir seit Thomas Beckmanns Chaplin-Projekt „Oh, That Cello“ wissen, war der große Kleine auch ein durchschnittlicher Cellist. Als Salonmusiker hätte er also in den Roaring Twenties auch im Kaffeehaus aufspielen können. Die Kompositionen dafür hatte er ja bereits abgeliefert. Aber brauchte die Welt wirklich einen weiteren Kaffeehauscellisten? Eben. Aber irgendwie hat er die Musik nicht lassen können. Und so komponierte er seit seinem ersten Tonfilm „Lichter der Großstadt“ (der noch komplett als Stummfilm konzipiert war) die Musik gleich mit.
Es war der große Alfred Newman, Onkel von Randy Newman, der damals, 1931, die musikalische Leitung übernahm. Zu Newman stieß dann bei „Moderne Zeiten“ als Orchestrator noch David Raksin dazu, der später darüber berichtet hat: „Charlie und ich arbeiteten Hand in Hand. Manchmal bestand das Ausgangsmaterial aus mehreren Phrasen, manchmal nur aus ein paar Tönen, die Charlie pfiff, summte oder auf dem Klavier anschlug.“ Eine dieser Phrasen aus „Modern Times“ wurde später zum Evergreen: „Smile“.
Von Nat „King“ Cole bis Michael Jackson reicht die Reihe der Interpreten. Im Film hört man Chaplin 1936 zum ersten Mal singen, ein Nonsenslied natürlich. Dialoge gibt es weiterhin noch nicht. Erst als großer Diktator Hynkel beginnt er zu sprechen, ein grandioses Führer-Kauderwelsch, das einem ewig in den Ohren klingen wird.