Nein, das ist kein „neuer“ Film über die Rolling Stones, sondern der alternative Titel zu einem der interessantesten Filme aus Jean-Luc Godards Frühphase, „One Plus One“. Es waren die Stones, die um 1968 den Soundtrack zur „Rebellion“ geliefert haben, wie übrigens auch sehr deutlich eine WDR-Produktion von Klaus Lemke zeigt –über die „Brandstifter“ jener Ära Baader und Ensslin, die Lemke gut kannte.
Es ist nicht anzunehmen, dass Lemke den Film 1969 bereits gesehen hatte, denn der Godard-Film kam erst 1970 in die deutschen Kinos. Aber die Parallelen sind verblüffend. Beide Filme sind ein unglaublich kruder Mix aus Alltag, Mode, Musik und Polittalk. Während es bei Lemke Adorno ist, wird bei Godard sogar aus Hitlers „Mein Kampf“ rezitiert. Natürlich als Anspielung auf den „Wort- und Bildfaschismus“, wie man das damals genannt hat. Dagegen setzt Godard die Sprache der militanten „Black Panther“.
Wie eine Flaschenpost aus einer fernen Zeit wirkt dieser Film, der vor allem ein „Making of“ eines Stones-Songs zeigt: „Sympathy For The Devil“. Eine Nacht lang im Sommer ’68 hocken die Stones in einem Londoner Studio herum und entwickeln ein Lied, das zu einem Klassiker der Sixties werden sollte. Godard umfährt in langen Einstellungen die Musiker, die sehr mühsam an dem Song rumbasteln. Immer wieder erklingen zwischen all den kruden Politnummern Fragmente der verschiedenen Takes. Als „permanente Revolution“ haben die Zeitgenossen damals diese Art des Musikmachens betrachtet. Und deshalb war es für sie folgerichtig, dass im Film nie das „fertige Lied“ erklingen sollte.
Als dann bei der Premiere auf dem London Film Festival doch am Ende des Films der komplette Song von der Stereoschallplatte erklang, hat Godard seinen Produzenten geohrfeigt. Und so gibt es jetzt zwei Versionen: Godards „director’s cut“ und die Produzentenfassung. Beide sind auf der DVD.