Geboren wurde Komeda als Krzysztof Trzcinski im April 1931 im polnischen Posen. Dort war er Schüler am Musikkonservatorium, entschied sich dann aber für ein Medizinstudium. Als Hals-Nasen-Ohren-Arzt führte er anfangs ein Doppelleben zwischen Praxis und Jazzkatakomben. In dieser Zeit Mitte der fünfziger Jahre entschied er sich auch für den Künstlernamen Komeda. Kurze Zeit später hing er den Arztberuf an den Nagel. Bis zum Tode von Stalin 1953 war Jazz (wie im „Dritten Reich“) in Polen „verboten“ gewesen. Danach begann die Szene im Untergrund zu blühen. Erste Erolge feierte das Komeda-Sextett 1956 auf dem Jazz-Festival in Sopot. In dieser Zeit entstand auch die erste Aufnahme: „Memory of Bach“, inspiriert von Bachs zweistimmigen „Inventionen“, die jeder Klavierschüler bestens kennen dürfte. Es war die Zeit des Modern Jazz Quartet, das „switched on Bach“ war und des Gerry Mulligan Quartet, in der Komeda seine Karriere begann. 1958 traf er den jungen Roman Polanski, der ihn für einen seiner Kurzfilme als Filmkomponist engagierte: die Farce „Zwei Männer und ein Schrank“. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die tragisch enden sollte. Und es war der Einstieg ins Filmgeschäft.
Unschuldige Zauberer
Internationale Aufmerksamkeit als Filmkomponist erregte er erstmals 1960 mit Andrzej Wajdas „Die unschuldigen Zauberer“. Einer der schönsten Filme des polnischen Kinos über die Sehnsucht einer jungen Nachkriegsgeneration, die noch geprägt von den Kriegserlebnissen auf der persönlichen Suche nach Freiheit ist. Ein „Jazzfilm“ der polnischen „Nouvelle Vague“. Wie die französische „Neue Welle“ wird auch das junge polnische Kino von nun an geprägt sein vom Sound des Jazz. Komeda war auch mit dabei, als Polanski 1961 endlich seinen ersten abendfüllenden Spielfilm realisieren konnte: die Dreiecksgeschichte „Das Messer im Wasser“. Zwei Komeda-Nummern daraus wurden zu Klassikern des polnischen Jazz: „Crazy Girl“ und „Ballad for Bernt“. Konstantin Jahn hat zum Soundtrack zu diesem Psychothriller angemerkt: „Im Sinne eines fast formalistischen Realismuskonzeptes lebt die sparsame Tondramaturgie von den Geräuschen des Wassers oder dem Rauschen des Windes in den Bäumen und Segeln. In sparsamen und kühlen Improvisationen kombiniert Komeda einen (ost)europäischen Lyrismus mit Spuren von amerikanischem Avantgarde-Jazz. Komedas Minimalismus bemüht keinerlei Kriminalitäts- oder Sexualitätsklischees. In Kombination mit den masurischen Seen entwickelt diese Filmmusik eine lyrische Romantik und Innerlichkeit, die wie der gesamte Jazz in den Ostblockstaaten jener Jahre auch als subversiv wahrgenommen wird.“