Spätestens seit den „Sopranos“ machen Qualitäts-TV-Serien dem Kino starke Konkurrenz. „Binge Watching“ ist zum Hobby einer ganzen Generation geworden. Entscheidenden Anteil am Erfolg dieser großen TV-Erzählungen haben die Soundtracks zu diesen Epen mit den Jukebox-Hits der Vergangenheit. Produzent Danger Mouse und Sam Cohen haben nun für die erfolgreiche „Amazon“-Serie „The Man in the High Castle“ ein neues Soundtrackkonzept entworfen.
Basierend auf einer Vorlage von „Blade Runner“-Autor Philip K. Dick entwirft die Serie ein alternatives Universum. Was wäre, wenn die Nazis und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? 1962, Hitler lebt noch und die USA sind von den Deutschen besetzt: Die Widerständler haben ihren eigenen Piratensender: „Resistance Radio“. Und aus den Lautsprechern erklingen die Hits der frühen Sixties. Natürlich in „alternativen Versionen“! Interpretiert von den Indie-Lieblingen von heute in einem sehr eigentümlichen Retro-Sound. Beck verwandelt sich bei „Can’t Help Falling In Love“ in Elvis. Sharon Van Etten schlüpft bei „The End Of The World“ in die Cowboy-Boots von Skeeter Davis. Angel Olsen verwandelt sich sogar bei „Who’s Sorry Now?“ in Teenidol Connie Francis. Kevin Morby croont den Doo-Wop-Schlager „I Only Have Eyes For You“. Norah Jones haucht der unsterblichen „Unchained Melody“ neues Leben ein. Unter die Haut geht Michael Kiwanukas Version des Gospel-Klassikers „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“. Und „A Taste Of Honey“, das einst auch die Beatles gecovert hatten, habe ich selten inniger gehört als von The Shins. Sam Cohen selbst steuert noch Fassungen von „The House Of The Rising Sun“ und Harold Arlens „Get Happy“ bei. Danger Mouse hat all diesen melancholischen Gassenhauern ein perfektes Soundkleid verpasst. Und so ist der schönste Soundtrack der Saison entstanden.