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Noten-Tipps 2010/06

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Peter Bowman/Gudrun Heyens (Hrsg.): Baroque Recorder Anthology 1. 30 Werke für Sopranblockflöte und Klavier *** Leslie Searle: Rhythm of Time, 15 Duets for Clarinets *** Johann Wilhelm Wilms (1772–1847): Zwei Sonaten für Flöte und Klavier D-Dur, G-Dur, op. 18 *** Robert Schumann/Aribert Reimann: Fantasiestücke op. 73 für Klarinette, Flöte, Harfe und zwei Bratschen (2007)

Peter Bowman/Gudrun Heyens (Hrsg.): Baroque Recorder Anthology 1. 30 Werke für Sopranblockflöte und Klavier.
Schott ED 13134, ISMN 979-0-2201-3099-1, ISBN 978-1-84761-080-5

Ein für die Unterstufe der Musikschule besonders empfehlenswertes Spielbuch leichter und kurzer barocker Tänze typischen Charakters von van Eyck bis Hook, das sich als sinnvolle Ergänzung zu jedem Schulwerk anbietet. Neben der ebenfalls supereinfachen Klavier- oder Gitarrenbegleitung  sind die prägnanten Spielhinweise für eine originell-orientierte Artikulation, Phrasierung und Verzierung willkommen (dreisprachig Englisch, Französisch, Deutsch). Die beigefügte CD stellt neben einer musterhaften Wiedergabe von Solo mit Klavier die Klavierbegleitung auch alleine zur Verfügung. Warten auf Anthologie 2?

Leslie Searle: Rhythm of Time, 15 Duets for Clarinets.
Uetz BU 6210, ISMN M-50146-504-0

Rhythmisch sattelfest werden, gemeinsam exakt artikulieren – das mag man hier im Duett trainieren, mit-, gegen- und durcheinander. Fünfzehn musterhafte Angebote an zwei Klarinettisten, bei denen nicht nur Finger, Zungen, Luftschnapper, sondern ebenso Kopf, Korpus und Gefühl präsent sein müssen, damit es klingt, ob mystisch, melancholisch, ob schwingend, spritzig, ob Polka, Samba oder Cha-cha.

Johann Wilhelm Wilms (1772–1847): Zwei Sonaten für Flöte und Klavier D-Dur, G-Dur, op. 18,
herausgegeben von Ernst A. Klusen, Luc van Hasselt. Breitkopf & Härtel, Musica Rara MR 2289, ISMN M-004-48850-8

Am Niederrhein geboren, aber – ähnlich früh wie Beethoven nach Wien – abgewandert nach Amsterdam, wo er lebenslang teils als Pianist, teils als Flötist und dann vor allem als Komponist seine berufliche Heimat und hohes gesellschaftliches Ansehen fand. Der Musikwissenschaftler Ernst A. Klusen, der in Bonn die internationale Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft präsidiert und sich damit für das durchaus lohnende Comeback dieses Beethoven-Zeitgenossen einsetzt, erweitert mit der Neuausgabe dieser beiden, für Flötisten dankbaren Sonaten das nicht gerade üppige Flötenrepertoire der Klassik. Deren Stilistik, Form und Harmonik wird hier konsequent weitergeführt. Flüssige einfallsreiche Melodie- und Themenfindung führen die beiden Parts mit wechselndem Gewicht aus, heiter fröhlich bis schmeichelhaft, belebend in den Figuren und Läufen, passgenau für ein „pianoforte avec flute obligée“, wie es in dem Amsterdamer Frühdruck von vor 1813 heißt.

Robert Schumann/Aribert Reimann: Fantasiestücke op. 73 für Klarinette, Flöte, Harfe und zwei Bratschen (2007).
Schott ED 20403, ISMN 979-0-001-15267-9

Zum Schumann-Jahr hat Aribert Reimann in seiner Affinität zu Robert Schumann dessen Affinität zu kammermusikalisch ungewöhnlichen, aber reizvollen Besetzungen für romantischen Bläserklang aufgegriffen und der Klarinettenspieler heißgeliebtes klavierbegleitetes Solo in neuen Klangfeldern aufgehen lassen. Während der Klarinettenpart dieser drei Soiréestücke des Jahres 1849, wie sie ursprünglich genannt waren, unverändert bleibt, instrumentiert Reimann den Klavierpart neu, verteilt ihn auf Flöte, Harfe und zwei Bratschen. Mit minimalen kompositorischen Ergänzungen erzielt er ein neues, subjektiv gefärbtes Klangbild und erfindet damit Schumanns feinsinnige Empfindsamkeit neu, aber auch recht eigen. Melodiöse Erinnerungen an Lieder Schumanns klingen in diesen Stücken an, von anfangs zart im Ausdruck sich nach und nach über stürmisches Feuer zum Stretta steigernd, Spieldauer neun Minuten, attacca aufeinander folgend. Diese Neufassung der Fantasiestücke erarbeitete Reimann für den Klarinettisten Jörg Widmann „als Dokument gemeinsamer Schumann-Verehrung“, uraufgeführt 2009 im Kammermusikfest zu Heimbach durch Jörg Widmann im Ensemble mit Andrea Lieberknecht, Jana Bousková, Tatjana Masurenko und Hanna Weinmeister.

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