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Politischer Wille zur Pädagogik

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Einige musikpädagogische Neuheiten näher betrachtet
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Sabine Hirler: Wahrnehmungsförderung durch Rhythmik und Musik, Herder Verlag, Freiburg 1999.

Sabine Hirler: Wahrnehmungsförderung durch Rhythmik und Musik, Herder Verlag, Freiburg 1999. Die spielerische Förderung der Wahrnehmung von Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren steht im Mittelpunkt dieses sehr kreativen und fantasievollen Buches von Sabine Hirler. Mit vielen praxis-erprobten rhythmischen (Bewegungs-) Spielen, pfiffigen Liedern und Spielgeschichten motiviert sie die Kinder zum aktiven Umgang mit Musik, zum Teil auch zum Selbst-Erfinden und Selbst-Gestalten. Bei diesem rhythmisch-musikalischen Erziehungs-konzept Hirlers werden alle Sinne gefordert und dabei die ganzheitliche Wahrnehmung geschult, außerdem werden zugleich die Konzentration und Aufmerksamkeit der Kinder und ihr Sozialverhalten gefördert. Genaue Bewegungsanleitungen, Altersangaben und viele Lieder tragen zum vorzüglichen Gesamteindruck dieses Buches bei. Siegmund Helms/ Reinhard Schneider (Hrsg.): Musik im Diskurs Bd. 14 „Musikerziehung in Vorschule und Kindergarten", Gustav Bosse Verlag, Kassel 1999. Entwicklungspsychologische Forschungsprojekte berichten immer wieder über besonders hohe Lernkapazitäten von kleinen Kindern im künstlerischen und musikalischen Bereich. Da die großen musikpädagogischen Verbände in Deutschland die außerhalb der Musikschule stattfindende Musik und Musikerziehung in der Regel eher vernachlässigen, fand im September 1998 ein Symposium zu diesem Bildungsbereich statt, dessen Referate jetzt im Druck erschienen sind. Ein Erfahrungsbericht über die Musikerziehung im Kindesalter (Vogel) macht deutlich, dass der Einbezug von Bewegung und Tanz ein ganzheitliches Lernen des Kindes ermöglicht und zugleich personale, soziale, ästhetische und fachspezifische Lernerfahrungen beinhaltet. Damit den Kindern positive erste Musikerfahrungen vermittelt werden können, müssen die Lernbedingungen und Lernsituationen in der Vorschule sowie vorhandene Ausbildungsstrukturen der dort Lehrenden oder Tätigen kritisch überprüft und verändert werden. So sollten beispielsweise die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher an Kindergärten mehr musikfachliche Inhalte einschließen (Greuel, Kurth) oder Wei-terbildungsmöglichkeiten für Lehrer für Musikalische Früherziehung und Musikalische Grundausbildung an Musikschulen entwickelt werden (Probst). Schneider entwirft sogar den neuen Studiengang „Musikpädagogik für sozialpädagogische Ausbildungen an beruflichen Schulen". Thomas Greuel: Das musikpädagogische Schaffen Michael Alts. (Perspektiven zur Musikpädagogik und Musikwissenschaft Bd. 25, hrsg. v. Siegmund Helms und Reinhard Schneider), Gustav Bosse Verlag, Kassel 1999. Michael Alt und sein musikpädagogisches Schaffen ist das Thema einer in Köln vorgelegten Dissertation von Thomas Greuel. Sie beschäftigt sich neben dem persönlichen Werdegang Alts mit seinen frühen Veröffentlichungen zur Musikpädagogik aus der Zeit der Weimarer Republik, mit seinen Arbeiten aus der NS-Zeit und der eher bekannten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg. Anhand vieler unbekannter Quellentexte aus dem Nachlass zeigt Greuel auf, dass Alts zentrale Zielsetzung des Musikunterrichts stets die Steigerung des künstlerischen und musikalischen Erlebens und Werteempfindens war, ebenso die wissenschaftliche Durchdringung des Unterrichts. Die sehr differenzierte Darstellung der Dokumente aus der NS-Zeit lässt zudem deutlich erkennen, dass Alt über rein musikdidaktische Fragestellungen weit hinausging und sein „musikpädagogisches Schaffen dem allgemeinen politischen Willen" (S. 159) einordnete.

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