Manches ist bekannt, vieles allenfalls aus Verlagslisten. Und jene Autoren, die man hin und wieder im Rundfunk oder in Spezialkonzerten berücksichtigt findet, erhalten in diesem Zusammenhang neues Gewicht und sympathisches Profil. Ernst Krenek ist der Motto-Stifter mit seinen schnurrigen „Echoes from Austria“ so wie überhaupt festzustellen ist, dass von Berg bis Takács und Cerha eine Menge tänzerische Musik in den Klavieradern vor- und innerälplerischer Naturen pulsiert. Eine Fundgrube also diese „Extraplatte“, die den Herausgeber und Mayr beflügeln sollte, eine zweite „Made in Austria“ zu produzieren. Und die Kollegen aus dem Ausland könnte sie dazu anregen, nun auch einmal in ihrer Heimat auf diese Weise gründlich herumzuhören.
Mir war der aus Steyr gebürtige, in Linz und Wien ausgebildete Oberösterreicher Josef Mayr bislang noch nicht einmal dem Namen nach ein Begriff. Das hat sich mit dieser vom Repertoirewert her konkurrenzlosen Edition „Österreichische Klaviermusik des 20. Jahrhunderts“ schlagartig geändert! Sicher ist Mayr kein Alchemist, kein Zauberer des feingestuften Klaviertons, aber er stellt sich hier als ein souveräner, uneigennütziger Moderator von kleinen und kleinsten, von wertvollen und zumindest interessanten Klavierprojekten vor, die – in entstehungsgeschichtlicher Chronologie geordnet – ein neugieriger Hörer als eine Art Klang- und Verhaltensatlas der österreichischen Komponistenseele und ihrer auf dem Klavier durchwanderten Landschaften begrüßen wird. Manches ist bekannt, vieles allenfalls aus Verlagslisten. Und jene Autoren, die man hin und wieder im Rundfunk oder in Spezialkonzerten berücksichtigt findet, erhalten in diesem Zusammenhang neues Gewicht und sympathisches Profil. Ernst Krenek ist der Motto-Stifter mit seinen schnurrigen „Echoes from Austria“, so wie überhaupt festzustellen ist, dass von Berg bis Takács und Cerha eine Menge tänzerische Musik in den Klavieradern vor- und innerälplerischer Naturen pulsiert. Eine Fundgrube also diese „Extraplatte“, die den Herausgeber und Mayr beflügeln sollte, eine zweite „Made in Austria“ zu produzieren. Und die Kollegen aus dem Ausland könnte sie dazu anregen, nun auch einmal in ihrer Heimat auf diese Weise gründlich herumzuhören. So wie Josef Mayrs pianistische Österreich-Rundfahrt zur besseren Allgemeinorientierung dienen sollte, so könnte eine cpo-Initiative dazu beitragen, Schaffen und Persönlichkeit des aus Oberndorf am Neckar stammenden Komponisten Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) bei einem etwas größerem Publikumskreis bekannt zu machen. Seine Klavierwerke möchte man gelegentlich als heitere, entspannte Erscheinungsformen Regerscher Konzeptionen beschreiben, aber manche seiner skurrilen, ausgelassenen, im nächsten Moment schon wieder nachdenklichen Konservatismen vermitteln den Eindruck, als habe hier in deutschen Landen ein französischer Geist à la Poulenc gewirkt und zuweilen auch ein Sendbote Skrjabins Nachricht gegeben. Zur rein werkstatistischen Einordnung der hier in Folge 1 von Ernst Breidenbach eingespielten Werke ist im Begleitheft genügend zu erfahren, nicht ganz so viel freilich über ihren ästhetischen Stellenwert. Breidenbach selber trägt dazu nur bedingt bei, womit ich sein uneigennütziges, nach Kräften erklärendes, aber nur bedingt farbiges und damit nur bedingt gewinnendes Klavierspiel keineswegs gering schätzen möchte. Es ist das alte Elend, dass ein Plattenproduzent nur selten einen der wenigen Großen für ausgefallenes Repertoire zu interessieren vermag. So muss man sich mit pianistisch etwas einsilbigen Aufnahmen zufrieden geben. Wer immer jedoch an guter, unausprobierter Literatur Interesse hat, den darf man in diesem Fall zum Kauf ermuntern. Und er wird nicht nur Ernst Breidenbach erleben, sondern in den „Walzer-Capricen“ op. 16 auch Werner Hoppstock als Duo-Partner, den langjährigen Direktor der Darmstädter „Tonkunst-Akademie“Es ist wirklich staunenswert, was in den letzten Jahren an Bearbeitungen Transkriptionen und Paraphrasen bekannter (und auch wenige vertrauter!) Werke für Klavier zu vier Händen, beziehungsweise für zwei Klaviere in den Katalog gekommen ist. Wer hätte selbst in sogenannten Klavierfachkreisen mit diskografischen Spezialneigungen noch vor zwanzig Jahren damit gerechnet, einmal Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“ erwerben zu können – und noch dazu in einer hochseriösen Version unter dem CD-literarischen Schutzschirm des akademischen Wergo-Katalogs. Andreas Grau und Götz Schuhmacher – beide etwa Mitte 30 und seit 15 Jahren als Duo unterwegs – verstehen es, die reiche Farbpalette, das weltliche und sakrale Pathos dieser drei Sätze gleichsam ungeschminkt abzubilden, ohne dabei allzu sehr im Abstrakten zu sondieren. Jedem Hindemith-Skeptiker sei diese Aufnahme ans zögernd klopfende Herz gelegt, denn mit den zwei originalen Sonaten und den unterhaltsamen Tanzstücken reflektieren Grau und Schuhmacher jene Ausdrucksextreme zwischen unbestechlicher, keineswegs trockener Handwerklichkeit und übermütiger, ohrenzwinkernder Unterhaltung, die Hindemith als Komponisten zum Anfassen bestätigen. Die erste Folge eines womöglich auf Gesamtheit angelegten oder genauer gesagt: angedrohten Kuhlau-Projekts ist mir entgangen. Aber auch in Folge 2 bewahrheiten sich die meinerseits in letzter Zeit immer wieder vorgebrachten Ermahnungen hinsichtlich des italienischen Schul- und Ausbildungswesens im Speziellen und des Musikwesens im kultur-nationalen Allgemeinen. Es reicht einfach nicht, die – womöglich hübschen – Finger adrett und allegroversiert über die Tasten zu steuern. Selbst eine in Form und Aussage leichtgewichtige Kuhlau-Sonatine verdient es – zumal auf Tonträger –, charakterisiert und nach tönender Existenzialität ausgeforscht zu werden. Wem dient es, diese pädagogisch effizienten, für den Vortrag aber allzu unschuldigen Stücke käuflich zu machen, wenn sich im Pianistischen und Koloristischen nicht etwas von jener Atmosphäre einstellt, die das Alltägliche unversehens zum Unvergesslichen verzaubern würde. Die großen Magier wie Horowitz oder Gilels haben es mit schulischen Geläufigkeiten von Clementi vorgeführt. Loredana Brigandi indes hantiert gehorsam mit einem Instrument, das unter ihren Händen laut und leise, nach wenigen Minuten Kuhlau aber nur mehr ermüdend klingt, wobei die Bezeichnung klingen nur der Höflichkeit wegen verwendet wird.
Sieht man von der berühmten, pianistisch glanzvollen „Malagueña“ ab, so vereint die Ernesto Lecuona-Zusammenstellung mit der englischen Pianitin Kathryn Stott die wichtigsten Klavierwerke eines Komponisten, den man in marktgerechter, aber doch zutreffender Vereinfachung den kubanischen Gershwin genannt hat. Nur selten haben sich europäische Pianisten an diese heitere, leidenschaftliche Unterhaltungsmusik gewagt. Und verhältnismäßig schwierig zu beschaffen waren jene Aufnahmen des Raritätenkatalogs, die zumindest stichpunktartig das heiter-beschwingte, im kubanischen Salonstil kreolische und schwarze Rhythmen reflektierende Schaffen des 1963 auf Teneriffa verstorbenen Komponisten beachteten (Milgrim, Samaroff, Hodgens-Howard). Nur die Klavierduos Pekinel und Labèque haben in speziellen Arrangements die genannte „Malagueña“ für führende Labels aufgenommen. So ist es der technisch eleganten, im Anschlag spürbar an französischer Musik erprobten Kathryn Stott zu danken, sich mit der ihr eigenen Umsicht und mit gezügeltem Temperament an diese lebensbejahende Aufgabe gewagt zu haben. Die kleinen Walzer, die kleinen Neger-Tänze und all die hübschen afrokubanischen Milieustudien erhalten unter ihren Händen eine vornehme Volkstümlichkeit und unterschwellig auch jenen Hauch von Melancholie, den man als sublimierten musikalischen Ausdruck des Elends werten könnte, in dem die versklavte, geschundene Arbeiterschaft dahinvegetierte.
Diskografie
Echoes from Austria Werke für Klavier von Berg, Korngold, Wellesz, Petyrek, Salmhofer, Toch, Gál, Takács, von Einem, Bermeister, Uray, Schulhoff, Kornauth, Kont, Seitz, Krenek, Kaufmann, Gruber, Bresgen, de Lastra, Cerha und Frieberger; Josef Mayr (Klavier) Extraplatte EX 388-2
Karg-Elert: Klavierwerke Vol. 1 – Hexameron op. 97, Bagatellen op. 17, Arabeske op. 5, Schwere Düfte W 48, 3 Walzer-Capricen op. 16, Partita op. 113; Ernst Breidenbach (Klavier) cpo 999 683-2
Sinfonie „Mathis der Maler“, Rag time (wohltemperiert), Sonate (1938), Walzer ,,Drei wunderschöne Mädchen im Schwarzwald“ op. 6, Sonate für zwei Klaviere (1942); Andreas Grau und Götz Schuhmacher (Klavier) Wergo 6633-2
Klavierwerke Vol. 2 – Sonatinen op. 59 Nr. 1–3, op. 60 Nr. 1–3 und op. 88 Nr. 1–4; Loredana Brigandi (Klavier) Nuova Era 7308Preludio en la noche, La Comparsa, La Habanera, Mazurka glissando, Canción de luna, Danza negra u.a.; Kathryn Stott (Klavier) EMI 5 56803 2