Banner Full-Size

Künstler, Kirchenmusiker, Kulturmanager

Untertitel
Die zukünftige Regensburger Hochschule für Kirchenmusik und Musikpädagogik und die neuen Medien
Publikationsdatum
Body

Gegenüber der historischen Regensburger Altstadt, am linken Ufer der Donau, liegt die Regensburger Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung. Ein Idyll, aber nur ein geografisches. Betrachtet man die Geschichte der Regensburger Kirchenmusikschule, dann ist nicht zu übersehen, dass die Kirchenmusikschule eigentlich immer mitten im „kulturpolitischen Leben“ stand. Auf Anregung Franz Liszts 1874 von Franz Xaver Haberl ins Leben gerufen, war sie ein wirkungsvolles Mittel der katholischen Kirche zur Zeit des Kulturkampfes. Während der vergangenen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts war das Profil der Schule durch die enge Verzahnung von Kirchenmusik und Musikerziehung gekennzeichnet, heute zählt die Akademie zu den führenden Instituten im Bereich Musikpädagogik und neue Medien.

Gegenüber der historischen Regensburger Altstadt, am linken Ufer der Donau, liegt die Regensburger Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung. Ein Idyll, aber nur ein geografisches. Betrachtet man die Geschichte der Regensburger Kirchenmusikschule, dann ist nicht zu übersehen, dass die Kirchenmusikschule eigentlich immer mitten im „kulturpolitischen Leben“ stand. Auf Anregung Franz Liszts 1874 von Franz Xaver Haberl ins Leben gerufen, war sie ein wirkungsvolles Mittel der katholischen Kirche zur Zeit des Kulturkampfes. Während der vergangenen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts war das Profil der Schule durch die enge Verzahnung von Kirchenmusik und Musikerziehung gekennzeichnet, heute zählt die Akademie zu den führenden Instituten im Bereich Musikpädagogik und neue Medien.Die Arbeit der Ausbildungsstätte wird weiter an Bedeutung gewinnen, wenn im November aus der Akademie die Hochschule wird. Sobald Bischof Manfred Müller am 15. November (seinem 75. Geburtstag) die entscheidenden Dokumente unterzeichnet, wird aus der traditionsreichen Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung eine Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik. Die Eröffnungsfeierlichkeiten werden am 21. und 22. November stattfinden, der Unterrichtsbetrieb beginnt am 1. Oktober 2002 (unter dem Motto „Studieren probieren“ können vom 29. bis 31. Oktober 2001 Interessenten unverbindlich an allen Unterrichtsveranstaltungen des laufenden Studienbetriebs teilnehmen).

Regensburger Modell

Derzeit läuft die Ausschreibung einer ersten Professur, die mit dem ersten Rektorenamt verknüpft werden soll. Danach wird der Rektor im Vierjahresturnus vom Senat gewählt. Akademiedirektor Martin Kellhuber erwartet keine grundsätzliche Änderung des Profils. Im Gegenteil: „Das Regensburger Modell bedeutet weiterhin eine starke Annäherung von Kirchenmusik, Musikpädagogik und Schulmusik“. Die Hochschule strebe, so Kellhuber, für die Zukunft ein gemeinsames Ausbildungsziel mit der Uni an, das einen Austausch zwischen allgemein bildenden Schulen von Grund- und Hauptschule bis hin zu Realschule und Kirchenmusik möglich wird.

„Die Affiliation mit der päpstlichen Hochschule für Kirchenmusik in Rom wird aufgelöst, affiliiert können nur Hochschulen sein, die im Rang niedriger stehen. Als Hochschule werden wir dann gleichwertig neben dieser päpstlichen Hochschule stehen.“ Ändern wird sich die seit 1983 bestehende Kooperation mit der Universität Regensburg. Diese Kooperation bestand im Wesentlichen darin, dass die Akademie der Universität Instrumentalunterricht verkaufte. Kellhuber: „Jetzt könnte eine wirkliche inhaltliche Kooperation realisiert werden, die diesen Namen auch verdient.“

Der fachliche und künstlerische Austausch mit der Musikhochschule in München wird weiter gepflegt werden, beispielsweise in gemeinsamen Examenskonzerten. Die Diplomprüfungen werden jedoch in Zukunft von den eigenen Professoren abgenommen werden. Im Klartext: Die Kirchenmusikhochschule besitzt mehr Autonomie.

Das Profil der Regensburger Hochschule ist gekennzeichnet durch große Praxisnähe: „Wir haben 50 Kirchenmusiker im Haus und somit einen handlungsfähigen Chor, der uns eine praxisnahe Ausbildung ermöglicht; in Chorleitung sind wir beispielsweise nicht wie kleine oder kleinste Kirchenmusikabteilungen innerhalb einer Musikhochschule von anderen Abteilungen abhängig. Wir haben das bayerische Violinfrühförderprojekt im Haus und somit ein eigenes Orchester, das sind zurzeit 29 hoch begabte Kinder und Jugendliche, die Violin-, Bratschen- und demnächst auch Cellounterricht bekommen. Wir haben einen Studiengottesdienst, in dem die Studenten sich als Organisten, Kantoren, Lektoren, Dirigenten und Chorsänger mit einbringen. Die kirchenmusikalische Praxis in den späteren Pfarreien wird vorweggenommen. Das ist das Wesentliche von Regensburg und das wird auf jeden Fall so erhalten bleiben.“

Auch der internationale Einzugsbereich der Akademie (derzeit kommen etwa 20 Prozent der Studenten aus dem Ausland, darunter Korea, Island, Afrika, Japan, Ungarn, Kroatien, Polen) wird weiterhin ein Kennzeichen der neuen Hochschule sein.

Intensiviert werden soll in Zukunft auch die Zusammenarbeit mit der Schulmusik. Die Idee des Kirchenmusikers, der teils in der Pfarrei, teils an der allgemein bildenden Schule arbeitet, ist ursprünglich aus der Not geboren und findet bundesweit immer mehr Beachtung. Immer weniger Pfarreien konnten in den zurückliegenden Jahren noch volle Stellen für Kirchenmusiker ausschreiben.

„Die Zeiten, in denen musikalisch gut ausgebildete Schullehrer Pfarreien mitversorgten, sind endgültig vorbei“, konstatiert Kellhuber. Gleichzeitig sieht er bereits einen Gegentrend: „Wir haben dieses Jahr die Situation, dass Pfarreien händeringend nach Kirchenmusikern suchen und zu wenig oder gar keine Bewerbungen haben. Darunter sind auch vollwertige B-Stellen mit der Option auf 100 Prozent. Es hängt vielleicht damit zusammen, dass in den letzten zehn Jahren die Zahl der Kirchenmusikstudenten sich tatsächlich halbiert hat und dass eventuell ein Generationswechsel bei der Stellenbesetzung einsetzt.“

Der Akademiedirektor spricht wohl im Namen der Gesamtkirche, wenn er meint, dass diese doch „ein ganz massives Interesse daran haben müsste, dass ihre gut ausgebildeten Musiker Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben. Jede Pfarrei muss Interesse haben, Querverbindungen zu den allgemein bildenden Schulen herzustellen.“ Die Position der (säkularen) Schulmusik zu diesen Fragen ist nicht Thema dieses Artikels, konträre Auffassungen sind da sehr wohl vorstellbar.

Seit einiger Zeit haben in Regensburg neue Medien und Musikmanagement Einzug in die Ausbildung der Kirchenmusiker und Musiklehrer gehalten. In Zukunft wird sich daher unter den postgradualen Zusatzstudiengängen mit pädagogischer Diplomprüfung neben den Instrumentalfächern auch das Fach „Medienqualifikation/Musikmanagement“ finden.

Zeitgemäßer Kulturauftrag

Dazu Gyula Racz, Leiter der Musiklehrerausbildung an der Musikakademie und Professor für Schlagzeug an der Musikhochschule Stuttgart: „Kirchenmusiker sind Musikmanager, manche sind sogar Riesenmusikmanager. Die machen unter Umständen das Kulturprogramm einer ganzen Stadt. Da ist es an der Zeit, diese Gegebenheiten in der Ausbildung zu berücksichtigen.“ Die Absolventen der Regensburger Musikhochschule üben sich nicht nur rechtzeitig vor der Selbstständigkeit im Selbstmanagement, sondern bekommen hier noch das nötige Handwerkszeug und die erforderlichen Managerqualitäten vermittelt, um ihren Kulturauftrag erfüllen zu können.

Die Kirchenmusikakademie hat in den vergangenen vier Jahren über ihre Medien-Projektarbeit im Bereich „Verbindung von Musik und neuen Medien“ Kompetenzen erworben. Dazu zählt die Arbeit am Regensburger Kirchenmusikzentrum, die sich über den Zeitraum 1996 bis 1998 erstreckte. Verschiedene InfoSchul-Projekte beschäftigten sich mit multimedialen Materialien im Musikunterricht oder mit der Erstellung einer Musikdatenbank (1998/1999). In den Jahren 1999 und 2000 fand dann im Rahmen von InfoSchul „Musik vernetzt“ statt, wo Unterrichtsmaterialien gemeinsam mit Schulen, der Musikhochschule Stuttgart und auch mit der neuen musikzeitung entwickelt und erprobt wurden. Das InfoSchul-Projekt des aktuellen Zeitraums 2000/2001 führt diese Arbeit mit neuen Partnern fort.

Im Lehrplan der Musikhochschule werden Umgang mit dem Computer, Notenschreiben, Arbeit mit dem Sequenzer, Arbeit mit gewissen Programmen zum Standard gehören. Darüber hinaus bietet es sich gerade im Bereich neue Medien an, Weiterbildung auf allen Ebenen anzubieten. Im Gegensatz zur Hochschule in München, wo Professor Enjott Schneider im Fachbereich Filmmusik über eine hochwertige Ausstattung (für Filmmusikproduktion) verfügt, ist das mediale Profil in Regensburg von der Zusammenfassung und Gliederung verschiedener Projekte sowie einer praxisbezogenen Ausbildung auf diesem Gebiet bestimmt.
Die Kompetenz, die die Schule in den vergangenen Jahren gerade auch im medialen Bereich erworben hat, führte dazu, dass diese Idee, nämlich die Verbindung von Musik und neuen Medien, sich diesen Herbst in der Form des zweitägigen Medienkongresses ausdrückt, den die Kirchenmusikschule gemeinsam mit der Aktion „Hauptsache: Musik“ des Deutschen Musikrates durchführt. Die Medienkompetenz der Regensburger zeigt sich auch darin, dass die Akademie, noch bevor die eigentliche Errichtung der Hochschule für Kirchenmusik realisiert ist, bereits Mitglied des Arbeitskreises für Bayerische Kunsthochschulen wurde.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!