Berlin - Sein Büro ist ganz oben, sogar über dem der Kanzlerin. Aus der achten Etage des Kanzleramts hat Bernd Neumann einen herrlichen Blick auf Reichstag, Hauptbahnhof und Potsdamer Platz. Von hier aus redet er in der Kulturpolitik ein gewichtiges Wort mit - seit gut sechs Jahren. Damals, im Jahr 2005, wurde der CDU-Politiker Staatsminister für Kultur und Medien. Zunächst von vielen Seiten belächelt, hat sich der Politprofi längst auch bei Kulturschaffenden durch seine anpackende Art viel Respekt erarbeitet.
Am 6. Januar feiert der Mann, der seit 1962 CDU-Mitglied ist, seinen 70. Geburtstag. Kritiker warfen ihm zunächst vor, von seinem neuen Bereich - abgesehen vom Filmgeschäft - eigentlich wenig Ahnung zu haben. Anders als seine Vorgänger, der charismatische Publizist Michael Naumann - der 1998 als erster das neue Amt übernahm -, der Philosoph Julian Nida-Rümelin oder die Literaturkritikerin Christina Weiss, kommt er nicht aus dem künstlerischen Milieu, sondern ist durch und durch Berufspolitiker.
Das erweist sich für den langjährigen Bundestagsabgeordneten (seit 1987) und ehemaligen Bremer CDU-Vorsitzenden (1979-2008) im politischen Tagesgeschäft als nützlich: Er kennt die Kniffe und Tricks genau, weiß Erfolge gut zu verkaufen.
Besonders stolz ist er auf den Kulturhaushalt, den er trotz der Krisen stetig zu steigern wusste. "In fast allen anderen vergleichbaren europäischen Ländern ist leider massiv im Kulturbereich reduziert worden. Wir sind mit Frankreich die Ausnahme", erklärt er, strahlt und reibt sich die Hände. Um 50 Millionen Euro wurde der Etat 2011 erhöht. Mittlerweile ist er auf 1,2 Milliarden Euro angewachsen. Gerade in schwierigen Zeiten sei es kontraproduktiv, bei der Kultur zu sparen, lautet sein Credo. In Krisenzeiten brauchten die Menschen geistige Orientierung, Identität und Wertevermittlung. Und das könne nur die Kultur leisten.
Befürworter des Stadtschlosses
Der Kinofan, der seine Blazer am liebsten mit farbigen Einstecktüchern verziert, investiert aber nicht nur in die Filmwirtschaft. Er stellt auch Geld für Denkmalschutz, Museen, Theater oder Ausstellungen bereit. Und er treibt das federführende Justizministerium an, endlich eine Novelle zum Urheberrecht vorzulegen. Das größte Projekt steht allerdings erst kurz vor der Realisierung: Der umstrittene Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, den er stets befürwortete und gegen alle Kritik vorantrieb. 2013 soll nun der erste Spatenstich erfolgen. 590 Millionen Euro stehen für das Bauprojekt zur Verfügung, von denen der Bund 478 Millionen trägt.
Eine Kostenexplosion wie bei der Hamburger Elbphilharmonie schließt Neumann aus. Allerdings baut der Taktiker vor: Natürlich gebe es "zwangsläufig Veränderungen" zum Beispiel durch Inflation und Kostenindex, meint er. Mit eben dieser Begründung hatte der Bundestag erst vor einem halben Jahr einer Erhöhung des Kostenrahmens um 38 Millionen Euro zugestimmt.
Ein Kohl-Intimus
Die Aufgabe als Kulturstaatsminister macht dem Vater von zwei Kindern sichtlich Spaß. Er ist nicht nur bei Filmpremieren, Preisverleihungen und Museumseröffnungen mit dabei. Häufig muss der bekennende Fußball-Fan auch nach Brüssel reisen, um die nationalen kulturpolitischen Interessen auf europäischer Ebene zu vertreten.
Neumann wurde 1942 in Westpreußen geboren, wuchs in Bremen auf. Ende der 60er Jahre schloss er sich einem jungen Reformer in der CDU an: Helmut Kohl, dem er auch während und nach der Spendenaffäre die Treue hielt.
Mittlerweile hat er auch einen sehr guten Draht zu Kanzlerin Angela Merkel. Um seine Ziele zu erreichen, braucht er so gar nicht den Rang eines Ministers mit eigenem Ministerium, wie vielfach gefordert wird. Das wäre der Zusammenarbeit mit den Ländern, die auf ihre Kulturhoheit pochen, auch nicht förderlich, ist Neumann überzeugt. So reicht es ihm völlig, Kulturstaatsminister zu sein. Der Blick vom großen Balkon seines Büros jedenfalls ist sogar besser als der seiner Chefin.