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By Araceli Merino (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
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„Herz und Seele des Orchesters“: Dirigent Neville Marriner tot

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Eine unscheinbare Kirche am Trafalgar Square in London ist Namensgeber des berühmten Orchesters Academy of St. Martin in the Fields. Ihr Gründer Neville Marriner starb jetzt mit 92 Jahren.

Der britische Dirigent Neville Marriner war einer der Meister des Musikgeschäfts. Als Teenager studierte er Geige, später gehörte er als Violinist zum Londoner Symphonieorchester und gründete 1958 die Academy of St. Martin in the Fields. Dank des Soundtracks zum Film „Amadeus“ wurden Marriner und sein Orchester einem großen Publikum bekannt. Am Sonntag starb der Ausnahmemusiker im Alter von 92 Jahren, wie die Academy of St. Martin in the Fields mitteilte.

Noch wenige Tage vor seinem Tod stand Marriner am Pult bei einem Konzert im italienischen Padua. „Ich würde sterben“, sagte er einmal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, „wenn ich aufhören würde zu dirigieren“. Mit 90 Jahren leitete er sogar als ältester Dirigent die Sommerkonzertreihe „Proms“ in der Londoner Royal Albert Hall. 

Auch nach Deutschland hatte Marriner starke Verbindungen: Von 1983 bis 1989 war er Chefdirigent des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart. Seine Einspielungen umfassten die Werke der barocken und romantischen Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten. Für seine musikalischen Verdienste ernannte Königin Elizabeth II. ihn 1975 zum Commander of the British Empire und erhob ihn 1985 in den Adelsstand. Seine Einspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein – darunter Grammys.

Marriner, dessen Markenzeichen ein weißer Rollkragenpullover war, wurde 1924 im ostenglischen Lincoln geboren. Die Liebe zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war nicht nur Architekt, sondern auch Chorleiter. Sohn Andrew machte sich einen Namen als Klarinettist.

Nach seiner Schulzeit begann Marriner am Royal College of Music in London mit einem Violinstudium. Danach ging er in die Violinklasse von René Benedetti am Pariser Konservatorium. Das Rüstzeug zum Dirigenten holte er sich in Privatstunden bei Pierre Monteux und in Sommerkursen. Außerdem half ihm die Orchestertätigkeit unter den bekannten Dirigenten Herbert von Karajan und Arturo Toscanini.

In den 50er Jahren überredete Marriner mehrere Kollegen, zusammen mit ihm in einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert in London Konzerte zu geben. So entstand die Academy of St. Martin in the Fields, die Marriner ursprünglich leitete. Doch die Konzerte waren anfangs schlecht besucht. Der Durchbruch gelang Marriner und seinem Kammerorchester 1970 mit einer Aufnahme von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Damit reiste das Orchester um die ganze Welt.

Marriner formte die Gruppe zu einem herausragenden Ensemble, das Musik aus verschiedenen Epochen spielte. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Aufnahmen gehört die Filmmusik zu Milos Formans Oscar-prämiertem Mozart-Film „Amadeus“ (1984).

Zu seinem Erfolg trug auch sein Charakter bei. Mitglieder der Akademie und andere Experten lobten seine Brillanz, Integrität und seinen Humor – und dass er ständig den Dialog mit seinen Musikern suchte. Der Musik-Direktor der Akademie, Joshua Bell sagte, Marriner werde immer das Herz und die Seele des Orchesters bleiben.

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