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Die neue musikzeitung hat ihre interaktiven Tätigkeiten ausgeweitet. Mit dem Kulturinformationszentrum stellen wir die engagierte Diskussion in das Zentrum der Aktivitäten im Netz. An dieser Stelle können Fragen gestellt, Informationen verbreitet und die Arbeiten anderer kultureller Initiativen zur Darstellung gebracht werden.

Mister GEMA zum 90. Geburtstag
Wer die Filmaufnahmen von der endlosen Trümmerlandschaft Berlins kurz nach Kriegsende kennt, kann sich vorstellen, von welchem Optimismus ein 32-jähriger Stagma-Mitarbeiter, mit Namen Erich Schulze, beseelt sein musste, der im Spätsommer 1945 die ausgedehnten Ruinenfelder durchradelte, um in den zahlreichen Kellerbars oder den wenigen intakt gebliebenen Tanzlokalen Aufführungslisten von den Kapellen einzutreiben. Vereinzelt gab es inzwischen auch wieder Konzerte zeitgenössischer Musik mit Werken, die zwölf Jahre lang „unerwünscht” oder verboten waren. Als Nichtmitglied der Nazipartei hätte Erich Schulze auch Stadtrat von Wilmersdorf oder Steglitz werden können. Aber er zog es vor, in dem von Bomben und Granaten zur Mondlandschaft umgepflügten Berliner Stadtraum nach realen Musikklängen zu forschen, um diese für ein Inkasso in alter Reichsmark zu registrieren und so den Urhebern einen bescheidenen finanziellen Neuanfang zu ermöglichen.
Es entstanden bald in beiden Teilen Deutschlands die heutigen Strukturen der Bezirksdirektionen: Das an sich Unmögliche war schließlich gelungen, die GEMA entstand neu aus den Ruinen, und der unerschrockene junge Mann wurde von 1950 bis 1989 ihr Alleinvorstand, ohne Mitteldeutschland, das allerdings wurde inzwischen von der staatlichen DDR-Inkassogesellschaft AWA verwaltet. In den letzten neun Jahren seiner Amtszeit lernte ich ihn durch meine Tätigkeit im GEMA-Aufsichtsrat näher kennen. Dabei entdeckte ich bald, dass der auf internationalen Podien vielfach Geehrte, mit Orden und Medaillen, akademischen, weltlichen wie päpstlichen Titeln Geschmückte – bei aller erkennbaren Freude über diese Ehrungen – ein Zeitgenosse realistisch-menschlichen Denkens geblieben war. Er nahm sich der Sorgen seiner über tausend Mitarbeiter ebenso an wie der Nöte einzelner GEMA-Mitglieder, deren Gesamtzahl damals rund 25.000 betrug.
Karl Heinz Wahren


Jutta Hipp

Mit weit geschwungenen Melodiebögen brachte sie in den fünfziger Jahren eine romantische Note in den deutschen Cool-Jazz. Doch bereits 1959 gab Jutta Hipp, die als „Europas First Lady in Jazz“ galt, das Klavierspiel auf. Zu hart waren die Bedingungen in ihrer neuen Heimat USA, wo sie – trotz Leonard Feathers Fürsprache – nie richtig Fuß fassen konnte. Nach einem halbjährlichen Engagement im „Hickory House“ und einer Tournee durch die Südstaaten, wurde es still um sie. Zuletzt arbeitete sie als Schneiderin und Textildesignerin auf Long Island, mit der Jazz-Szene stets verbunden. In einem New Yorker Hospital ist sie jetzt am 7. April 2003 nach längerer Krankheit gestorben.


Schwarze klassische Musik
Zum Tod der amerikansichen Jazz-Sängerin Nina Simone

Die amerikanische Jazz-Sängerin Nina Simone verstarb im Alter von 70 Jahren in Südfrankreich. Zu den bekanntesten Stücken der schwarzen Sängerin gehörten „My Baby Just Cares For Me“, das Ende der achtziger Jahre Spitzenplätze in den europäischen Charts erreichte, aber auch die Gershwin-Interpretation „I Love You, Porgy“ aus dem Musical „Porgy and Bess“.
Geboren wurde die Sängerin mit der rauchigen Stimme 1933 als Eunice Waymon in den USA. Sie besuchte die berühmte Julliard School of Music, um Konzertpianistin zu werden, wurde jedoch später wegen ihrer Hautfarbe an einer weiterführenden Schule abgelehnt und konnte deshalb ihre Ausbildung nicht beenden. Zeitlebens galt Simone als Vorkämpferin für die Rechte der Schwarzen in den USA. In den fünfziger Jahren nahm sie in vorderster Reihe an zahlreichen Demonstrationen gegen Rassismus teil. Als Martin Luther King ermordet wurde, widmete ihm die Sängerin ein Lied: „Why, The King Of Love Is Dead“. Mehr noch als von den pazifistischen Thesen Kings fühlte sich Simone von radikalen Vertretern wie dem Moslemführer Louis Farrakhan angezogen. 1998 trat sie als Ehrengast zum 80. Geburtstag Nelson Mandelas auf. „Für die meisten Weißen ist Jazz gleichbedeutend mit Schwarz, und Jazz bedeutet Schmutz. Aber das ist nicht das, was ich mache“, sagte sie in einem ihrer letzten Interviews. „Ich mache schwarze klassische Musik.“


Wolle Kriwanek
Am Ostersonntag verstarb völlig überraschend Wolle Kriwanek, Mitbegründer und 1. Vorsitzender der Rockstiftung Baden-Württemberg e.V. Der als „Schwabenrocker“ bekannt gewordene Sänger wurde nur 53 Jahre alt. Zu seinen größten Hits zählten Songs wie „Strossaboh“, „I fahr Daimler“ und „UFO“. Seine langjährigen Erfahrungen als Musiker gab er im Rahmen des Band-Coachings pop:forum-Bandpool oder bei Seminaren der Rockstiftung an den Nachwuchs weiter. Udo Dahmen, Leiter der Popakademie Baden-Württemberg, bedauert den Verlust einer Persönlichkeit der Musikszene: „Die Popakademie Baden-Württemberg wäre ohne sein Zutun nicht denkbar.“

„Tristan“ Marthaler
Der Regisseur Christoph Marthaler ist von Wolfgang Wagner eingeladen worden, die für 2005 geplante Neuinszenierung von Wagners „Tristan und Isolde” bei den Bayreuther Festspielen zu übernehmen. Die musikalische Leitung hat der japanische Dirigent Eiji Oue. Bühnenbild und Kostüme werden, wie könnte es anders sein, von Marthalers bevorzugter Ausstatterin Anna Viebrock entworfen. Derzeit ist Marthaler Intendant des Zürcher Schauspielhauses. Man darf gespannt sein, wie sich Marthalers Slow-Motion-Ästhetik mit der „Tristan-Handlung” verbindet: Werden Tristan und Isolde noch langsamer als gewohnt agieren oder verführt sie womöglich der „langsame” Marthaler zum ungewöhnlichen Galopp?

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