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Spätstarter und Wunderkind? - Klavier ist alles für Kevin Mantu

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Wer es bei «Jugend musiziert» bis zum Bundeswettbewerb schafft, träumt oft von einer Karriere als Profimusiker. Das geht auch Kevin Konstantin Mantu so, dabei spielt er erst seit dreieinhalb Jahren Klavier. Ist der 17-Jährige ein Wunderkind?

Von Christina Sticht, dpa (Foto - aktuell) =
 
 
 
Hannover/Braunschweig - Seine Mitschüler amüsieren sich am Wochenende mit Freunden, im Freibad oder auf dem Fußballplatz. Kevin Konstantin Mantu verbringt seine Sonntage in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Der 17-Jährige studiert am Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF). Kurz vor dem Bundeswettbewerb «Jugend musiziert» geht es um den Feinschliff am Programm. Kevins Professor Bernd Goetzke sitzt am Flügel neben ihm und spielt einzelne Passagen vor. «Nicht zu sehr marschieren, stiller!», empfiehlt der Pädagoge an einer Stelle.
 
Knapp 2500 Talente präsentieren seit Donnerstag ihr Können beim Finale von «Jugend musiziert», dem laut Deutscher Musikrat größten musikalischen Nachwuchswettbewerb in Europa. Alle haben sich mit einem ersten Preis auf Landesebene oder unter den deutschen Schulen im Ausland qualifiziert. Kevin Mantu ist am Samstag um 14.50 Uhr in der Altersgruppe der 17- und 18-Jährigen an der Reihe. Neben Stücken von Claude Debussy und Ludwig van Beethoven präsentiert der Hannoveraner eine Eigenkomposition mit dem Titel «Inferno».
 
Während die meisten seiner Konkurrenten schon seit Jahren bei «Jugend musiziert» antreten, ist es für Kevin das erste Mal. «Meine Mutter wollte, dass ich mit sechs Jahren mit Klavier anfange, aber ich habe gestreikt», erzählt der Sohn zweier Jazzmusiker in einer Übungspause. Doch dann habe er sich als 13-Jähriger irgendwann freiwillig ans Piano gesetzt und Stücke nach Gehör gelernt. Als er dann zum ersten Mal noch an seinem früheren Wohnort Bad Pyrmont einer Klavierlehrerin vorspielte, war die Frau völlig perplex und riet dem Jungen, sich für den Hochbegabten-Studiengang in Hannover zu bewerben.
 
«Einen Schüler wie ihn habe ich noch nie erlebt. Eigentlich muss man viel früher anfangen. Aber die Musik ist offenbar schon vorher in ihm gereift», sagt Goetzke über seinen Schüler. Kevin habe ein deutliches Gespür dafür, was der Komponist gemeint hat. «Man versteht die Geschichte und bewundert nicht nur seine Finger.» Für den Professor haben «Jugend musiziert» und andere Konzerte ihre Bedeutung im Rahmen der Ausbildung. «Es ist kein Karrieresprungbrett», betont der Hochschullehrer. Um eine erfolgreiche Laufbahn zu starten, müsse ein junger Pianist internationale Wettbewerbe gewinnen.
 
Mehr als die Hälfte der Finalisten von «Jugend musiziert» nehmen Unterricht an öffentlichen Musikschulen, rund 20 Prozent haben Privatstunden. Etwa 6,4 Prozent sind bereits Frühstudenten an Musikhochschulen. Die Hochschule in Hannover hat vor 14 Jahren als bundesweit erste ein solches Programm für musikalisch Hochbegabte eingerichtet. Im vergangenen Semester waren 29 Frühstudierende eingeschrieben. Die Pianisten Igor Levit und Alexej Gorlatch sowie die Dirigentin Joana Mallwitz zählen zu den international erfolgreichen Absolventen.
 
Die musikalische Frühförderung sollte aus Expertensicht allerdings besser mit der Schule zu vereinbaren sein. «In Österreich gibt es schon weit mehr Musikgymnasien», sagt Reinhart von Gutzeit, Rektor der Universität Mozarteum in Salzburg und Vorsitzender von «Jugend musiziert». In Deutschland sei der Weg für angehende Leistungssportler einfacher als für junge hochbegabte Musiker.
 
Für sein Vorspiel beim Bundeswettbewerb in Braunschweig hat sich Kevin Mantu vorgenommen, Spaß zu haben und nicht über die Bewertung nachzudenken. «Für mich steht die Musik im Vordergrund. Ich will jeden Ton bewusst spielen. Klavier und Musik ist alles für mich», sagt der junge Pianist und strahlt.
 
 
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