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Keine Lust mehr zum Singen - Heldenbariton Theo Adam wird 90. Foto: Hufner
«Trompeter mit der Teufelszunge» - Walter Scholz wird 80. Foto: Hufner
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«Trompeter mit der Teufelszunge» - Walter Scholz wird 80

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Achern - Herbert von Karajan nannte ihn einen «Jahrhundert-Trompeter». Walter Scholz hat sich mit der Trompete und der «Sehnsuchtsmelodie» an die Spitze gespielt. Nun wird er 80 und denkt nicht an Ruhestand. «Solange ich Musik machen kann, ist keine Zeit, alt zu werden», sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Im heimischen Wohnzimmer komponiert der Musiker neue Lieder, mit der Trompete übt er mehrere Stunden täglich, zudem gibt er Konzerte und geht auch international auf Tour.

Bekannt geworden ist Scholz als «Trompeter mit der Teufelszunge», sein größter Erfolg bis heute ist die «Sehnsuchtsmelodie». Am Sonntag (15. April) wird Walter Scholz 80 Jahre alt. Scholz wurde im nordhessischen Arolsen geboren, seit Anfang der 1960er Jahre lebt er im Schwarzwald. Die badische Kleinstadt Achern, an der Grenze von Schwarzwald und Oberrhein gelegen, ist seine Heimat geworden. Ein Rentnerdasein mag Scholz, der seit fast 65 Jahren Profimusiker ist, nicht führen. Jedes Jahr bringt er ein neues Album heraus. Und er steht auf der Bühne. Es ist zwar etwas ruhiger geworden. Doch auf 120 Auftritte pro Jahr kommt Scholz noch immer, wie er sagt. Gerade ist er von einer Tournee durch Kuba, Mexiko und Israel zurückgekehrt. Die nächsten Auftritte sind bereits geplant.

Scholz gilt als Deutschlands erfolgreichster Trompeter. Herbert von Karajan (1908-1989) nannte ihn einen «Jahrhundert-Trompeter», der Operettenkomponist Robert Stolz (1880-1975) lobte ihn als «Trompeter mit dem einfühlsamsten Klang».

Zehn Goldene Schallplatten und drei Mal Platin hat Scholz für seine Kompositionen und weltweit 15 Millionen Tonträger erhalten. Mit der «Sehnsuchtsmelodie» stürmte er 1984 die Hitparaden. Das Lied mit dem markanten Klang ist bis heute sein größter Erfolg. Und machte den Mann, zu dessen Markenzeichen der Kinnbart gehört, zum «Evergreen mit der Trompete». Als sein Vorbild nennt Scholz den US-Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein (1918-1990).

Scholz bekam mit fünf Jahren seine erste Trompete. Das Staatsexamen für Klassische Musik legte er beim Komponisten Franz Willy Neugebauer (1904-1975) ab. Mit 17 Jahren wurde er Solotrompeter am Landestheater Detmold, später dann bei den Staatstheatern Mainz und Darmstadt. Er arbeitete zudem zwei Jahre als Solist bei den Münchner Philharmonikern. 36 Jahre lang, von 1962 bis 1998, war er Erster Solotrompeter im Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks (SWF) in Baden-Baden.

Daneben machte er als Einzelkünstler Karriere und wurde so einem Millionenpublikum bekannt. Mit der Trompete hat er sich in der hartumkämpften Volksmusikbranche einen Spitzenplatz erspielt, ist zur musikalischen Legende geworden, wie sein Kollege Stefan Mross sagt. Für Trompeter sei Scholz «das allergrößte Vorbild». Keiner spiele dieses anspruchsvolle Instrument so virtuos und facettenreich wie er.

Erhalten geblieben ist Scholz das Lampenfieber vor jedem Auftritt, das er mit Meditieren bekämpft. Und er braucht tägliches Training. «Ohne Übung geht gar nichts, ich muss trainieren wie ein Leistungssportler», sagt er. Jeden Tag übe er mit er Trompete vier bis fünf Stunden: «Die Zwerchfellatmung und die Muskulatur um den Mund herum müssen jeden Tag trainiert werden, sonst hat man keine Kraft zum Spielen. Zungen- und Fingerfertigkeit kommen nicht von ungefähr.» Auf Tourneen frage er in den Hotels immer zuerst, ob es im Keller einen Raum gebe, in dem er ungestört üben könne.

Den Sprung zur Volksmusik hat Scholz nie bereut. «Ich muss dem Schöpfer jeden Tag mehrmals danken, dass ich einen so wunderschönen Beruf habe», sagt er. Mit den Jahren sei es aber schwieriger geworden. Instrumentalmusik habe in Radio und Fernsehen, im Gegensatz zu früher, keinen Stellenwert mehr. «Geblieben ist aber die Treue des Publikums bei Konzerten», sagt Scholz. Dafür sei er dankbar.

Während Scholz auf der Bühne steht, kümmert sich seine zweite Ehefrau Silvia (52) - eine frühere Sängerin der Fischer-Chöre - um das Management. Sohn Alexander (29) hat Geschmack an dem Beruf des Vaters gefunden. Er hat an der Musikhochschule in Berlin studiert und arbeitet derzeit als Opernregisseur.

 

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