Dieses Jahr blickt die Jeunesses Musicales auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück und die nmz hat ihren 70. Jahrgang erreicht. So lag die Idee nahe, eine von Redaktion und Verband gemeinsam konzipierte Ausgabe der nmz zu gestalten. Unterschiedliche Artikel in fast allen unseren Rubriken zeigen, dass dabei keine Festschrift entstanden ist, sondern dass die Impulse der Gründerjahre heute noch wirksam sind. Auf den beiden folgenden Seiten stellen wir exemplarisch für die damalige Gründergeneration einige der Macher der ersten Stunde vor, vereint entweder durch ihr Engagement für die JMD, die nmz oder für beide: Eckart Rohlfs, Bernhard Bosse, Fritz Büchtger, Klaus Hashagen, Klaus Bernbacher und Josef Anton Riedl.
Fritz Büchtger, am 14. Februar 1903 in München geboren, wuchs in einer Wohnung in der Schellingstraße 54 in Schwabing auf, die er bis zu seinem Umzug 1976 ins Augustinum beibehielt. Sein Studio in der Schellingstraße war über viele Jahre eine Institution des Münchner Musiklebens. Als Büchtger 1923 sein Kompositionsstudium an der Akademie für Tonkunst in München begann, hatte man dort, wie er es mit eigenen Worten sagte, „noch keine Kenntnis von dem neuen Stil genommen“. Das ließ ihn aber nicht resignieren, sondern im Gegenteil aktiv werden: 1927 gründete er die „Vereinigung für zeitgenössische Musik“.
In den Jahren 1929 bis 1931 veranstaltete er vier große „Festwochen“, für die er wichtige Institutionen gewinnen konnte wie das Bayerische Staatstheater, die Münchener Kammerspiele, den Konzertverein, die Konzertgesellschaft für Chorgesang, den Münchner Domchor und den Rundfunk.
1940 wurde der gläubige Christ und Anthroposoph, der 1928 bereits Chorleiter der „Christengemeinschaft“ geworden war, zum Wehrdienst eingezogen und kehrte erst 1945 nach München zurück. Neben der Wiederaufnahme der eigenen kompositorischen Tätigkeit übernahm er 1948 ehrenamtlich die Leitung des 1946 gegründeten „Studio für neue Musik“ im Verband Münchner Tonkünstler. Während seiner Ägide organisierte Büchtger zehn Musikfeste und etwa 700 Einzelkonzerte, die rund 2.800 Werke zeitgenössischer Musik präsentierten. Es geschah beinahe zwangsläufig, dass der unermüdliche Promoter des Neuen 1952 zum Präsidenten der „Musikalischen Jugend Deutschlands“ (MJD) berufen wurde. 1963 wurde Klaus Bernbacher als Nachfolger von Fritz Büchtger zum Bundesvorsitzenden der MJD gewählt. Der Verleger Berhard Bosse übernahm im neuen Jeunesses-Vorstand das Amt des Schatzmeisters – Der Bau des „Hauses der Musik“, war das gemeinsame Ziel. Gemeint war das heutige Logierhaus in der Musikakademie Weikersheim, doch im übertragenen Sinne bauten die Persönlichkeiten damals maßgeblich am großen Projekt Musikleben in Deutschland.
Büchtger übte weitere Ehrenämter aus: 1956 wurde Büchtger Vorsitzender des Verbandes deutscher Oratorien- und Kammerchöre, 1955 Vizepräsident und 1960 Präsident des Verbandes Deutscher Musikerzieher und konzertierender Künstler. Mit Wilhelm Gebhardt zusammen gründete und leitete er die Münchener Jugendmusikschule, bis sie ins städtische Konservatorium übernommen wurde. Dem Leben eines städtischen Angestellten zog der unruhige Geist aber das freie Leben als Komponist, Organisator und Kulturpolitiker vor.