Bei einem Doppelportrait-Konzert mit Werken Isabel Mundrys und ihres Lebenspartners Brice Pauset in der Wiesbadener musik-theater-werkstatt des Hessischen Staatstheaters hat man sich erneut davon überzeugen können, welch große europäische Komponistin die gebürtige Hessin ist.
Auf Mundrys gerade entstehende „Odysseus“-Oper für die Deutsche Oper Berlin im Herbst darf man gespannt sein. Gespannt war man auch in Wiesbaden auf die vor fünf Jahren in Darmstadt bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik uraufgeführte Ensemble-Komposition „Traces des Moments“ für Klarinette, Akkordeon und Streichtrio. Damals noch mit sehr vielen freien Zwischenräumen vom Ensemble Recherche gespielt, wirkte die jetzt auch zeitlich straffere Wiedergabe vom Ensemble Aventure kompositorisch noch zwingender. Mundrys Musik atmete. Um den Dreh- und Angelpunkt eines strukturbildenden Tremolos rankten teils weit gestreckte Einzeltonmelodien, teils erregte Streicherimpulse girlandenartig empor. Besonders Akkordeonist Mario Porecca glänzte mit klanglich präzise eingesetzten, tonlosen Knopfbewegungen des Balginstruments – organisch. Nicht minder intensiv konzertierten die Instrumente in Brice Pausets „Concerto I (Birwa)“ für Cembalo und Ensemble.
Auch hier ein ständiges Hinterfragen der Führungsrolle des klanglich meist verhaltenen, dann aber kaskadesk ausbrechenden Soloinstruments. Gänzlich paritätisch agierten die Instrumente in der von beiden gemeinsam geschriebenen Triokomposition „Die Vorüberlaufenden“. „Wenn wir etwas zusammen komponieren, wird es ein dritter Komponist“, hatte Mundry in ihrer anschaulichen Einführung erläutert. Und tatsächlich war in dem kurzweiligen Musikstück kein Bruch hörbar, waren keine unterschiedlichen Handschriften erkennbar. Zwei Meisterwerke.