Kennzeichen erfolgreich funktionierender Vernetzungen ist es, dass man kaum über sie berichten kann, ohne ständig auf damit Zusammenhängendes zu verweisen. Um eine Verwirrung innerhalb der Netzfäden zu vermeiden also zunächst einmal soviel: Vieles in diesem Dossier ist auf die eine oder andere Weise mit InfoSchul – eben einer solchen erfolgreichen Vernetzung – verbunden.
Kennzeichen erfolgreich funktionierender Vernetzungen ist es, dass man kaum über sie berichten kann, ohne ständig auf damit Zusammenhängendes zu verweisen. Um eine Verwirrung innerhalb der Netzfäden zu vermeiden also zunächst einmal soviel: Vieles in diesem Dossier ist auf die eine oder andere Weise mit InfoSchul – eben einer solchen erfolgreichen Vernetzung – verbunden.Als Sonderfördermaßnahme „Nutzung elektronischer und multimedialer Informationsquellen in Schulen“ 1997 ins Leben gerufen, schließt diese Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mittlerweile über 500 allgemein bildende und berufliche Schulen der Sekundarstufe II sowie Studienseminare zu einem Verbund zusammen. Seit dem Schuljahr 2000/2001, dem Beginn der Förderphase InfoSchul II werden einzelne Schwerpunkte von so genannten federführenden Schulen aus koordiniert, im Falle der Musikprojekte von der Regensburger Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung, die den Regensburger Kongress „Musik – Neue Medien – Bildung“ organisiert und von Andreas Kolb auf Seite 51 unseres Dossiers porträtiert wird. Sie sorgt koordinierend und beratend dafür, dass erfolgreiche Anwendungen neuer Medien im Musikunterricht aus den vorangegangenen Jahren an mehreren Schulen übernommen und weiterentwickelt werden.Zwei Beispiele dafür werden in unserem Dossier ausführlich vorgestellt: die schulübergreifend entwickelte Internet-Musikzeitschrift „Mu-Zine.NET“ (siehe oben) und das Rock’n’Roll-Projekt am Heidenheimer Werkgymnasium (siehe S. 47). Erinnert sei außerdem an das Musical „Streetkids“, dessen Entstehung am Gymnasium Allestraße, Siegburg, auf Seite 22 der Ausgabe Dezember/Januar 2001 der neuen musikzeitung von Volker Caspari dokumentiert worden war.
Ein Blick auf weitere musikalische InfoSchul-Aktivitäten zeigt, dass es darauf ankommt, den Einsatz der elektronischen Medien in ein sinnvolles Verhältnis zum musikalischen Ertrag, zur kreativen Eigenleistung der beteiligten Schülerinnen und Schüler zu setzen.
Das Medium selbst kann beim Endergebnis dabei sogar relativ weit in den Hintergrund treten, wie das Beispiel des Parsberger Gymnasiums zeigt. Ziel der multimedialen Aktivitäten war hier die Erarbeitung und Aufführung eines Klassikers der Savoy Opera, des „Mikado“ von Gilbert und Sullivan. Gerade die Tatsache, dass diese spezifisch englische Spielart des Musiktheaters jenseits des Ärmelkanals nie recht Fuß fassen konnte, reizte den Mathematik-Lehrer und Leiter des Schulchores Walter Hansch, ein solches Stück einmal – zumindest konzertant – zur Aufführung zu bringen. Die Vorarbeiten waren vielgestaltig, ebenso die Möglichkeiten, elektronische Hilfsmittel heranzuziehen. Als ergiebiger Ausgangspunkt der Recherche erwies sich dabei eine amerikanische Mikado-Internetseite (mit der komplizierten Adresse: http://math.boisestate.edu/GaS/mikado/html/mikado.html). Übers Internet entstand auch der Kontakt zu einem Pianisten, der die komplette Begleitung auf einem MIDI-Keyboard einspielte, die Basis für das Einstudieren der Gesangsstimmen, das die beteiligten Schülerinnen und Schüler auf diese Weise selbstständig zu Hause vornehmen konnten.
Das von den Mitgliedern des Parsberger Gymnasialchors mittels Kassetten-Aufnahmen schon lange praktizierte Vorbereiten der eigentlichen Probezeiten konnte so durch die flexibler einzusetzenden MIDI-Dateien erheblich erleichtert werden. Am Ende des Unternehmens stand aber nicht nur eine erfolgreiche Aufführung des „Mikado“, die der Chor gemeinsam mit Solisten des Vokalensembles „Cantaloupes“ bestritt, sondern auch eine Einspielung in deutscher und englischer Sprache sowie die Vorbereitung einer CD-ROM, auf der die Recherche-Ergebnisse und das Projekt als Ganzes präsentiert werden sollte (siehe auch die Homepage www.projekt.w-hansch.de
Ganz anders die Ausgangslage bei einer gemeinsamen Aktion der beiden Verbundschulen aus Heidenheim und Ellwangen: Hier ging es um den kritischen Netzblick, also darum, den überbordenden und gerne auch mal in seichtem Gewässer dümpelnden Informationsfrachter Internet prüfend zu durchleuchten. Und weil sportlich aufgefasste Konkurrenz auch den Schulalltag beleben kann, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben für die am besten präsentierte und begründete Rangfolge von MP3-Seiten im Netz. Kriterien waren der allgemeine Aufbau der Seiten, die grafische Qualität, das Angebot an verfügbaren Stücken, zusätzliche Inhalte wie Links oder Werbung sowie Übersichtlichkeit und Handhabung. Das Ergebnis dieser Evaluation sollte seinerseits in html-Form aufbereitet und entsprechend präsentiert werden.
Aber auch bis in den Bereich eigener kompositorischer Aktivitäten reichen die im Rahmen von InfoSchul eingeschlagenen Wege in Sachen Musik und neue Medien. An der Frankfurter Ziehenschule etwa führten Schülerinnen und Schüler einen Kompositionsauftrag nach dem Vorbild von György Ligetis „Poème Symphonique für 100 Metronome“ aus, und am Peutinger Gymnasium in Ellwangen beschäftigte man sich in Anlehnung an Steve Reichs „Different Trains“ schöpferisch mit Kompositionsverfahren der Minimal Music.
Die Besonderheit all dieser Projekte liegt, wie eingangs angedeutet, am hohen Grad der internen Vernetzung. Das heißt, jede Schule profitiert von der Kompetenz des ganzen Verbundes, es werden Ideen, Konzepte und Verfahrensweisen untereinander ausgetauscht, weiterentwickelt und verfeinert, so dass mit der Verbreitung der InfoSchul-Idee in die Fläche immer auch ein Gewinn an Qualität verbunden ist.
Bleibt zu hoffen, dass auch nach dem „Aufstieg“ der Regensburger Kirchenmusikakademie zur Hochschule und ihrem damit verbundenen Ausstieg aus dem InfoSchul-Verbund im Jahr 2002 die musikalisch-medialen Ideen in möglichst viele Schulen zur Belebung und Vertiefung des Unterrichts weitergetragen werden.
Über „erfolgreiche Anwendungen der ‚InfoSchul-Methode‘ im Bereich Musik – Literatur – Kunst“ informiert auch die Fachtagung am 4. und 5. Oktober in Regensburg, die einen Teil ihres Programms mit dem Kongress „Musik – Neue Medien – Bildung“ gemeinsam bestreitet. Ausführliche Informationen unter: