Das Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme ist seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Kristallisationspunkt für die Verbindung von Theorie und Praxis in der Gesangspädagogik und Stimmmedizin, die in diesem Jahr eine gelungene Verbindung zum „Instrument des Jahres“, der Stimme, setzte!

Freudvoller und energiegeladener Auftakt mit dem Rundfunkjugendchor Wernigerode. Foto: Nils Ole Peters
Perspektiven I: Zukunftswelten
Fast fünfhundert interessierte Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich kamen jetzt zusammen, um gemeinsam einen Blick in die Zukunft ihrer Arbeitsfelder zu werfen.
Das Symposium präsentierte sich erstmals als Teil eines thematischen Doppelpacks: Unter dem Themenschwerpunkt „Zukunftswelten“ richtete sich der Blick in diesem Jahr in die Zukunft, bevor 2026 das Thema „Heimaten“ die Diskussion fortführen wird.
Dabei wurden nicht nur die beeindruckenden neuen Möglichkeiten, sondern auch potenzielle Gefahren beleuchtet und gemeinsam diskutiert. Besonders die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Musik- und Stimmwelt rückte in den Fokus.
Die große Stärke dieses Symposiums liegt einmal mehr in seiner einmaligen Form der Kooperation verschiedenster Institutionen und Verbände: der Universitätsklinik Leipzig (Sektion Phoniatrie und Audiologie), der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ und dem Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ), dem Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen (BDG), dem Sächsischen Musikrat sowie den Internationalen Stuttgarter Stimmtagen.
Die enge Verzahnung von Medizin und Musikpädagogik schafft dabei Raum für innovative Ansätze und fördert den Austausch zwischen Theorie und Praxis. Gerade in diesem Jahr gelang es, den Horizont über die Fachdisziplinen hinaus zu erweitern und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen in die Diskussion einzubeziehen.
Das Konzeptionsteam aus Universitätsklinik, Musikhochschule Leipzig und AMJ unter der Führung von Prof. Michael Fuchs hatte ein ausgewogenes Programm aus Workshops und Vorträgen zusammengestellt. Der AMJ sorgte für eine reibungslose Betreuung der Teilnehmenden, während die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig die passenden Räumlichkeiten bereitstellte.
Die Vorträge und Workshops deckten sowohl musikpädagogische als auch medizinische Themen gleichermaßen ab: Amelie Erhard zeigte in ihrem Workshop eindrucks-voll, wie durch Lieder, Geschichten, Klänge, Fantasie und kreativen Freiraum das Singen in Kindergarten und Grundschule wiederbelebt werden kann. Sie setzte gezielte Impulse, um der zunehmend passiven Konsumhaltung bei Kindern aktiv entgegenzuwirken.
Josef Eder beeindruckte mit seinem Workshop „Choreografie und Chor“, der auf improvisatorischen und spontanen Elementen basierte. Mit einem Schuss „…ein klein wenig Verrücktheit“ verdeutlichte er, wie sich das Bewegungsrepertoire von Chören erweitern lässt. Besonders eindrucksvoll waren die praktischen Beispiele aus seiner Arbeit mit dem Kinder- und Jugendchor „La Cigale de Lyon“, die er lebendig und praxisnah vorstellte.
Auf der medizinischen Seite lag der Fokus der Workshops auf dem zentralen Thema Stimmstörungen: Diana Richter und Katrin Kopp erläuterten, wie psychische Auffälligkeiten bei der Arbeit mit Kinder- und Jugendstimmen erkannt werden können. Angelina Ribeiro von Wersch widmete sich den funktionellen Stimmstörungen im Kin-desalter und stellte neue Ansätze zur Diagnose und Therapie vor.
Einen Höhepunkt bildete der Hauptvortrag von Dr. Bertolt Meyer, Professor für Psychologie an der TU Chemnitz. Unter dem Titel „Digitalisierung und gesellschaftliche Folgen der Verschmelzung von Mensch und Technik“ führte er das Publikum auf beeindruckende Weise in Chancen und Risiken dieses hochaktuellen Themas ein.
Prof. Meyer, der 2023 als „Hochschullehrer des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Musiker und DJ. Als Träger einer Armprothese lieferte er selbst eindrucksvolle Beispiele für die Fähigkeiten moderner Prothetik.
Das von ihm vorgestellte Stereotype Content Model hilft dabei zu verstehen, wie Stereotype entstehen und warum bestimmte Gruppen unterschiedliche emotionale Reaktionen hervorrufen. Es zeigt, dass Stereotype nicht immer nur negativ sind, sondern auch positive Aspekte enthalten können, jedoch oft immer noch zu Vereinfachungen und Vorurteilen führen.
Sein Vortrag ging dabei weit über das Fachliche hinaus: Er sprach als authentischer Botschafter für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung und inspirierte das Publikum mit seiner persönlichen und fachlichen Perspektive.
Zwischen den inspirierenden Vorträgen und lebendigen Workshops gab es reichlich Gelegenheit für persönliche Begegnungen. Das Wochenende war aber auch reich an musikalischen Höhepunkten: gleich zur Eröffnung zog der Rundfunk-Jugendchor Wernigerode unter der Leitung von Robert Göstl mit seinem facettenreichen Repertoire und einer meisterhaften Darbietung das Publikum in seinen Bann. Ein besonderes Highlight bot das abendliche Mitsingen im Treppenhaus der Hochschule, bei dem die harmonischen Klänge eine magische Atmosphäre schufen. Auch das abendliche Poetry Slam Battle, bei dem Preisträger und Landesmeister aus Sachsen und Bayern ihr Können demonstrierten, riss die Zuhörer mit. Den gelungenen Abschluss bildete der künstlerische Ausklang mit Studierenden der Hochschule.
Wir können gespannt sein auf die Fortsetzung im Februar 2026, dann unter dem Themenfeld „Perspektiven II: Heimaten“!
- Share by mail
Share on