Katrin Morgenstern und Andreas Bertheau lernten sich 1990 kennen, als beide an der Universität Potsdam als Dozenten in der Ausbildung von Musikpädagogen arbeiteten. Sieben Jahre später war es soweit: Die Musikschule Bertheau & Morgenstern wurde im Jahr 1997 gegründet und eröffnete die erste Filiale im gerade neu gebauten Kirchsteigfeld mit Unterrichtsangeboten für Gitarre, Klavier und Musikalische Früherziehung. Seit 2010 gehört Martin Behm als dritter Teilhaber zur Leitung der Musikschule.
Dem Projekt waren zwei Jahre Vorplanung vorausgegangen und ab 1996 waren die beiden Gründer in den Schulen Potsdams aktiv. Der erste Schüler, der das Fach Musikalische Früherziehung belegt hatte, blieb dann übrigens 15 Jahre, was durchaus als Symbol für das musikalische Engagement und das pädagogische Geschick der Musikschullehrkräfte gewertet werden kann.
Die Zweigstelle hatte bald über 100 Schüler, sodass weitere Standorte gesucht und eröffnet wurden: 2005 der heutige Hauptsitz in der City von Potsdam, 2006 Babelsberg, 2007 Falkensee, 2008 Babelsberg II, 2011 Berlin, 2013 Babelsberg III, 2014 Bornstedt, 2015 Berlin II, 2016 Bornstedt II. Derzeit lernen in der Musikschule Bertheau & Morgenstern ciraa 3.000 Schüler bei 150 Lehrern.
Angebot für Gruppen und alle Altersstufen
Das Angebot der Musikschule beinhaltet musikalisch-künstlerischen Unterricht für alle Altersstufen. Neben dem traditionellen Instrumental- und Gesangsunterricht gibt es etliche Ensembles und Gruppenangebote, wie zum Beispiel Musik mit Eltern und Kleinkindern, Instrumentenkarussell und Miniband, wobei die Musikschule auf Grund ihrer Struktur flexibel auf Nachfragen reagieren kann. Schwerpunkte sind außerdem die Kooperationen mit den Schulen der Hoffbauer-Stiftung und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam, insbesondere der Lehrstuhlinhaberin Frau Prof. Dr. Jank.
Die Lehrkräfte sind fachlich qualifiziert, verfügen über eine musikpädagogische Hochschulausbildung und sind oft selbst als aktive Musiker in Konzerten tätig. Pro Jahr veranstaltet die Musikschule Bertheau & Morgenstern 60 bis 80 Konzerte und Klassenvorspiele.
Den Markt in Bewegung halten
Andreas Bertheau führt ein Beispiel der allgemeinen Entwicklung an: 1997 hatte die Stadt Potsdam 150.000 Einwohner, davon erhielten 1.500 Schüler Musikunterricht an der städtischen Musikschule und 500 Schüler an freien Musikschulen. Zwanzig Jahre später hat die Stadt Potsdam 170.000 Einwohner, aber die Schülerzahl hat sich auf 6.000 Schüler verdreifacht, also um 200 Prozent erhöht. Er sieht darin einen klaren Beweis dafür, dass ausreichende Angebote verschiedener Anbieter die musikalische Bildung insgesamt vorantreiben, den Markt in Bewegung halten und auch die städtischen beziehungsweise Kreismusikschulen zwingen, auf veränderte Bedingungen und veränderte Ansprüche zu reagieren.
Allerdings ist ihm die stete Wettbewerbsverzerrung ein Dorn im Auge: Bei den hoch subventionierten städtischen und kommunalen Musikschulen, die sich vor allem auch die Förderung sozial schwacher Kinder, die Hervorbringung von Spitzenleistungen und die Versorgung der Fläche auf die Fahne geschrieben haben, sieht er als Problem, dass 60 Prozent der staatlichen Förderung fehlgeleitet sind.
Die freien Anbieter hingegen, die keine Subventionen bekommen, werden mit Umsatzsteuerbescheiden in relevanten Größenordnungen bedroht, was auf einen doppelten Wettbewerbsnachteil hinausläuft, wenn es nicht letzten Endes sogar zur Existenzvernichtung führt. Die Behörden Brandenburgs spielen in diesem Spiel eine unrühmliche Sonderrolle. Dazu in einer der folgenden Ausgaben mehr.
Die Logik und die Verantwortung für die Entwicklung des Bundeslandes würde es gebieten, alle Anbieter vergleichbarer Bildungsleistungen in Brandenburg gleich zu behandeln, egal, welche Rechts- oder Eigentümerform vorliegt. Der Bedarf des relativ dünn besiedelten, aber flächenmäßig ausgedehnten Bundeslandes Brandenburg ist anders nicht abzudecken.
Zwar gibt es in Berlin 150.000 Künstler, die Hälfte davon Musiker, die ins Umland drängen. Aber hier spielen Entfernungen eine große Rolle: Potsdam ist mit der S-Bahn zu erreichen, die Uckermark und die Prignitz setzen den Besitz eines Autos voraus.
Aber es gibt auch weitere Probleme: die Kosten steigen, die Mieten steigen, den Schülern stehen durch G8 nur kleine Zeitfenster zum Unterricht zur Verfügung, die Jahres-Verweildauer des einzelnen Schülers sinkt und liegt derzeit bei circa drei bis vier Jahren.
Basis des Erfolges
Was sehen die beiden Gründer als Basis des Erfolges? Auf Nachfrage erzählen sie, dass sie sich bemühen, immer vor Ort oder mindestens telefonisch erreichbar zu sein und immer den direkten Draht zu den Schülern und den Eltern zu halten.
Aber das Wichtigste sei, immer neugierig und experimentierfreudig zu bleiben und den Schülern und auch sich selbst die Freude am Musizieren zu erhalten.
Abschließend resümiert Andreas Bertheau, dass er in den 20 Jahren seiner Musikschul-Tätigkeit keine besonders unangenehmen Erfahrungen gemacht habe, aber eine besonders schöne war der tausendste Schüler.
Gut, dass es solche Menschen und Einrichtungen gibt, die selbstständig denken und handeln, die ihr eigenes Geld einsetzen, das volle Risiko tragen, den Schülern der Region attraktive Angebote in musikalischer Bildung unterbreiten können und gleichzeitig noch vielen Musikerkollegen eine sichere Berufsperspektive geben.
Und das alles ohne Staatszuschuss. Einen Tusch auf die nächsten Jahre!