Gleich sechs Uraufführungen bot das Komponistenforum im November 2013, veranstaltet vom Tonkünstlerverband Augsburg – Schwaben e.V. Die insgesamt neun Werke wurden von Judith Müller (Flöte), Thomas Deisenhofer (Klarinette), Wolfgang Fritzen (Fagott) und den beiden Pianistinnen Elena Frank und Marianne Kamper intoniert.
Eines der auffällig intensiv verwendeten kompositorischen Stilmittel war eine quirlige Beschwingtheit, etwa in den „Klang-Strukturen“ mit dem aufklärenden Untertitel Lust – Last von Ludger Sauer. Das aus zwei recht kurzen Abschnitten bestehende Werk eröffnete den Abend und zeigte dem Publikum sogleich, wie das Wortspiel „Lust“/„Last“ zum Klangspiel wird: „Lust“ durch anhaltende Formenwechsel zwischen Klavier und Bläsern, „Last“ mittels einer geheimnisvollen Einfärbung der Klaviermelodie durch die Bläser. Direkt wesensverwandt sind die „Soni umidi“, die feuchtfröhlichen Töne von Dominik Uhrmacher für die gleiche Besetzung. Wo aber Sauer mehr mit Klangfarben spielt, griff Uhrmacher zu komplexeren Rhythmen im 7/8 und 5/4-Takt bis hin zu nahezu funkjazzigen Sequenzen, abgesetzt mit zerfließenden wie „auf feuchtem Papier geschriebenen Noten“ (Uhrmacher). In Wolfgang Lackerschmids „Das Reich der Chasaren – Ouvertüre“ wurde der Gegensatz zu dezenten groovenden Synkopen durch orientalisch anmutende Harmonien erreicht, vorstellbar als gehobener Klangschatz des längst untergegangenen zentralasia-tischen Volkes. Die Verbindung schuf Lackerschmid durch den Einsatz repetitiv angewandter Melodie-Rhythmus-Formen im Fagott. Ausgleichend auf die lockeren, das Programm rahmenden Werke wirkten John Van Burens „Canzone“ für Flöte und Klavier und insbesondere Stefan Schulzkis „Sperduto“ für Klarinette und Klavier. Als sperduto – verloren – bestimmte Schulzki perfekt trocken angehauchten Klarinetten-Klänge im Kontrast zum sphärisch, pedal-unterstützten metallischen Klavier. Mit dem Einsatz irregulärer Spielweisen wie Gaumen-Flatterzunge, inexaktem Anblasen der Flöte und Abdecken der Klaviersaiten verliehen Schulzki und Van Buren ihren Stücken besondere Prägnanz.
Zwischen den Polen rhythmisch-beschwingt und nachdenklich rangierten die Werke Michael Gablers und Karl Erhards. Vielleicht ihrem Alter geschuldet sind diese einer abstrakt-neoklassischen Schule zuzuordnen. Die beiden Solo-Klavierwerke „Burleske“ des im letzten Jahr verstorbenen Christian Heimerl und „Wandlung“ von Wolfram Gäfgen gehören andererseits wiederum mehr der sanguinischen Fraktion des Programms an: Das „Burleske“, also Spaßige, vermittelte sich in einer galoppierenden Attacke, gezäumt durch verhaltene Abschnitte. Gäfgens Wandlung mutete zunächst sehr tänzerisch an, lies aber zum Schluss hin die Herzfrequenz enorm steigen, als Marianne Kamper den Flügel zum Branden und Beben brachte. Es braucht nicht immer den fulminanten Knall, den Skandal. Es ist das, was die Musik von der Bildenden Kunst unterscheidet: Musik hat neben dem Auftrag der Welterklärung auch den der Rekreation, Besinnung, Zerstreuung, Ermutigung und unbedingt auch der hochwertigen Unterhaltung. Und all das war gut gelungen im grauen November in Augsburg.