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Die Liebe zur Farbe

Untertitel
Der Komponist Walther Prokop wird 70
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Walther Prokop war viele Jahre Vorsitzender des Tonkünstlerverbands Südostbayern. Im November feierte er seinen 70. Geburtstag mit mehreren Konzerten und stellte sich den Fragen der amtierenden Vorsitzenden Alice Guinet und Eva Krikkay.

neue musikzeitung: Lieber Walther, in vielen deiner Kompositionen finden sich schelmische Titel und Einfälle, oft bescheiden angelehnt an Werke anderer Künstler, oder ihnen gewidmet, wie die „Fünf Emails an Francis Poulenc“, „Der Esel ist ein dummes Tier“ (die Vertonung des Naturhistorischen Alphabets von Wilhelm Busch), „Adieu à Germaine Tailleferre“, das Hans Melchior Brugk gewidmete „Divertimento für Flöte, Klarinette und Fagott“, die Sonate „Hommage aux Six“, Solo für Dalí und andere.

Walther Prokop: Schön, wenn diese Seite meiner Musik bemerkt wird! Mir ist bierernstes Gehabe zuwider. Ich merke mehr und mehr, welche Fülle an farbigen Facetten uns das Leben bietet. Das allein treibt mich, Noten zu schreiben. Ob ich bescheiden bin? Die so sehr positive Resonanz auf meine Musik beflügelt mich natürlich.

nmz: Wer waren deine Lehrmeister oder Vorbilder?

Prokop: Mit knapp zehn Jahren war mein absoluter Gott der titanische Beethoven. Mit Sechzehn waren die großen Fixsterne Igor Strawinsky, Béla Bartók und Arnold Schönberg und danach wurde sehr schnell Francis Poulenc zu meinem absoluten Liebling. Ich liebte seine raffinierte Mischung aus Tingeltangel, französischem Pathos und inniger Religiosität. In meinem „Kleiner Harlekin“ von 1979 für Klavier zu vier Händen etwa eifere ich meinem Vorbild nach. Greifbarer war der Rosenheimer Komponist Hans Melchior Brugk: Ich bewunderte vor allem seine Bläserserenaden, seine Cellosonate und sein grandioses Klavierkonzert. Eine herzliche „Künstlerfreundschaft“ verband mich lange Jahrzehnte bis zu seinem Tod mit dem Komponisten Klaus Obermayer. Obwohl wir zwei konträre Temperamente waren (gerade auch musikalisch), hat mir seine freche, oft sarkastische, aber tiefempfundene Musik wertvolle Anregungen vermittelt.

nmz: Du bist Schulmusiker geworden und hast produktiv komponiert. Geht Komposition nur als „Sahnehäubchen“, neben einem sicheren Beruf?

Prokop: Während meiner Jahre als Musiklehrer konnte ich, um einen Ausspruch Brugks zu zitieren, „nicht viel, aber wenig“ komponieren. Mein Kompositionslehrer an der Musikhochschule, Franz Xaver Lehner, legte uns komponierenden Schulmusikern ans Herz: „Nehmen Sie Ihren Beruf nie auf die leichte Schulter, sonst werden Sie auch als Komponist nicht glücklich“. Das habe ich beherzigt. Der Ruhestand hat mir natürlich ganz neue Perspektiven eröffnet: Mehrere größere Chorwerke, etwa die „Missa melismatica“, ein lateinisches Requiem …

nmz: Du kommst aus einer Künstlerfamilie – dein Vater war ein bekannter Maler, dein Bruder ist es ebenfalls. Hatte die Malerei Einfluss auf dein Musikverständnis?

Prokop: Ja, durch das Elternhaus wurde mir schon sehr früh die wunderbare Welt der Malerei erschlossen. Ich hoffe, dass man meiner Musik die Liebe zur Farbe, überhaupt zur Farbigkeit anmerkt.

nmz: „Drei Stories“ für Klavier, ein bös-lustiger „Paargesang“ oder „Lob des Weines“ – welche deiner Einfälle warten noch darauf, vertont zu werden?

Prokop: Vielleicht bin ich etwas größenwahnsinnig, aber ich würde noch sehr gerne ein Streichquartett auf die Beine stellen!

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