Wie in jedem Jahr war das Tonkünstlerensemble Berlin nach Rheinsberg geladen, um beim dort stattfindenden „Friderizianischen Symposium“ ein Konzert im Spiegelsaal des Schlosses auszurichten. Die Kammermusik der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, insbesondere die aus dem Umfeld der Bach-Söhne sowie dem Schülerkreis des Johann Sebastian Bach und den Musikern der Hofkapelle, erstaunt immer wieder durch einen freien, empfindsamen und dramaturgisch gestalteten Stil.
Die jüngste Schwester des Königs, Prinzessin Anna Amalia von Preußen, hat in ihrer Berliner Bibliothek all diese Schätze aufbewahrt. Als Musikliebhaberin und interessierte Kirnberger-Schülerin bekannt, wurden ihr viele Werke gewidmet, andere wichtige Autographe kaufte sie für die Musikaliensammlung an oder ließ ihre Kopisten meisterhafte Kompositionen abschreiben. Aus diesem Fundus konnten nun unbekannte Werke von Christoph Schaffrath, Johann Philipp Kirnberger, Johann Adolph Hasse, Johann Joachim Quantz, Carl Philipp Emanuel Bach und Georg Philipp Telemann aufgeführt werden. Im neu restaurierten, ausverkauften Spiegelsaal spielte das Ensemble mit Adelheid Krause-Pichler (Flöte), Andreas Wenske (Oboe), Thilo Krigar (Violoncello) und Sabina Chukurowa (Cembalo)diese außergewöhnlichen und sonst kaum zu hörenden Kompositionen aus der Zeit Friedrichs des Großen.
Christoph Schaffrath war Cembalist in der Hofkapelle und wurde 1744 Kompositionslehrer und Kopist bei der Prinzessin, Johann Philipp Kirnberger war kurze Zeit Violinist in Rheinsberg und wurde 1756 Kompositionslehrer der Prinzessin. Johann Adolph Hasse war Sänger und Komponist, schrieb Oratorien, Oden und Opern; hier erklang eine markante Trio-Komposition. Der Flötenlehrer des Königs, Johann Joachim Quantz war ursprünglich Oboist an der Dresdner Kapelle, bevor er an den preußischen Hof kam und so hörte man ein empfindsames Oboen-Affettuoso. Carl Philipp Emanuel Bach wurde 1741 als Cembalist nach Berlin und Potsdam berufen. Seine Fantasien, die vor improvisierten Überraschungen strotzen, verblüffen noch heute die Hörer. Sein Patenonkel Georg Philipp Telemann ist so gesehen der älteste und bekannteste der Komponisten, überraschte aber in diesem Trio-Konzert für Flöte, Violoncello und Cembalo durch seine Ideenvielfalt.
Das „Friderizianische Symposium“, das 2017 zum 25. Mal unter der Leitung von Prof. Jürgen Ziechmann stattfand, versteht sich als interdisziplinäres wissenschaftliches Forum. Die Musik, die bei Friedrich II. eine große Rolle spielte, ist nur ein Aspekt, dem Adelheid Krause-Pichler durch einen Vortrag über die Amalien-Bibliothek und deren Schicksal nach dem Tod der Prinzessin 1787 Nachdruck verleihen konnte. In weiteren Beiträgen erfuhr man von jeweils kompetenten Referenten einiges über Architektur-Pläne, philosophische Konzepte und Familienbande der Preußen.
Die zahlreichen Teilnehmer des Kongresses in Rheinsberg erfreuten sich nach Tagen der theoretischen Darstellungen umso mehr an dem, von der untergehenden Abendsonne durchfluteten, Konzert im Spiegelsaal des Schlosses und entließen die Musiker nur ungern nach Zugabe und großem Applaus.