Über 180 Veranstaltungen in Bayern während des Richard-Strauss-Jahres 2014 – das ist eine erstaunlich hohe Zahl! Gegenüber dem Gedenkjahr 1999 zum 50. Todestag zeigt das Jubiläumsjahr zum 150. Geburtstag, dass sich das Bild des Komponisten geändert hat. Gab es damals neben dem Bild des gefeierten und populären Opernkomponisten hauptsächlich die dominierenden Bilder des konservativen und des mit dem Naziregime kooperierenden Musikers, so gibt es heute viele Bilder. Diese zahlreichen Facetten zeigt die Ausstellung „Strauss-Bilder“ in München, Garmisch-Partenkirchen, Würzburg und Bamberg.
Eines hat sich entschieden geändert: Von den Komponisten unserer Zeit wird er nicht mehr als rückwärtsgewandt gemieden. Vielmehr werden 2014 als „Brücken zwischen R. Strauss und dem 21. Jahrhundert“ 15 Uraufführungen stattfinden. Strauss wird dabei als ein Künstler entdeckt, der schon damals im Bewusstsein der Geschichte, wie dies der Münchner Musikwissenschaftler Hartmut Schick in einem Aufsatz deutlich macht, komponierte – und damit die heutige Postmoderne vorwegnahm. Der Tonkünstlerverband Bayern hat an der hohen Anzahl von Uraufführungen einen großen Anteil: der TKV München steuerte in seinem Konzert im Januar mit dem Ensemble Zeitsprung drei Uraufführungen bei, der TKV Würzburg wird im Herbst mindestens eben so viele Uraufführungen herausbringen.
Für den Tonkünstlerverband ist noch eine weitere Facette wichtig: Strauss war auch ein engagierter Musikpolitiker, der maßgeblich zur Gründung der heutigen GEMA beitrug. Es ist vor allem sein Verdienst, dass ein Bewusstsein für geistiges Eigentum und damit eine wichtige Existenzgrundlage für kreativ arbeitende Menschen geschaffen wurde. Am 6. November wird der TKV Bayern in einem Gesprächskonzert an dieses kulturpolitische Engagement erinnern und zugleich die heutige Situation zur Diskussion stellen.
Für das Richard-Strauss-Jahr 2014 wünsche ich nun uns allen viele interessante Begegnungen mit dem bedeutenden Komponisten (Infos unter: www.richard-strauss-2014.com)
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Kolumne
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Rückbesinnung und Vision: Richard-Strauss-Jahr 2014
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