Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben es schon erlebt und erleben es immer wieder, dass Ihr zwölfjähriger Klavier- oder Celloschüler heute irgendwie gar nicht gut drauf ist.
Und eh man sich‘s versieht, hören Sie die Geschichte von den mobbenden Schulkameraden, von den Frustrationen im Mathe- oder Sportunterricht, vom blöden Lehrer Herrn X oder von den ewigen Streitereien der Eltern. Da hören wir zu. Schon das hilft. Und nach 25 Minuten bleibt dann noch Zeit, in den restlichen 20 Minuten das Selbstwertgefühl des Schülers wieder aufzubauen, ihn zu motivieren, sein Ego durch kleine Erfolge beim Üben zu stärken und persönliche Ausdrucksmöglichkeiten mittels seines Musikinstrumentes zu finden. Er kann sich selbst anders und vielleicht neu erleben. Was für eine Freude, gelegentlich dann zu sehen, dass da einer wieder mit einem Lächeln auf den Lippen und mit strahlenden Augen den Unterrichtsraum verlässt.
Und in besonderen Situationen der Erleichterung dürfen Sie dann hören „Sie sind nicht der Fels in der Brandung, nein, Sie sind der Granitblock im Orkan. Vielen Dank!“
Ja, Granitblöcke im Orkan sind heute wichtiger denn je. So dürfte es kein Zufall sein, dass ein führender schwäbischer Autobauer bevorzugt Personen in mittleren Führungspositionen installiert, die ein Instrument spielen oder auch singen. Es scheint denen klar zu sein, dass musikaffine Mitarbeiter anders miteinander umzugehen vermögen. Und es wundert mich auch nicht, dass ein großer Anteil von musizierenden Kindern, die ich in den 70er-Jahren betreuen durfte, heute zum Beispiel Chef der IHK Baden-Württemberg sind, Chefarzt in einer Stuttgarter Klinik oder Chefarzt einer Psychiatrie, Chef eines Unternehmens mit weltweit 4.000 Mitarbeitern oder Oberstudiendirektor eines Gymnasiums. Und einer von ihnen ist 1. Kontrabassist des (ehemaligen) Radiosinfonieorchesters Stuttgart. Musikmachen und das Erlernen eines Instruments dienen eben nicht nur der eigenen Bespaßung oder dem Zeitvertreib – quasi hobbymäßig –, sondern ganz wesentlich auch der Entwicklung polychromer kompetenter Persönlichkeiten. Diese werden dann selbst zu Granitblöcken in diversen Orkanen.
In der nächsten Ausgabe erwarten Sie Berichte von unserer Bundesdelegiertenversammlung im April zum Thema „Stabilisierung der Granitblöcke“…