Noch ist kein öffentlicher Haushalt durch Kürzungen im Kulturbereich saniert worden. Die vom Deutschen Bundestag beschlossene Grundgesetzänderung zur Lockerung der Schuldenbremse ist unter dem irreführenden Titel des „Sondervermögens“ mit einer milliardenschweren Neuverschuldung für Verteidigungsausgaben und Investitionen verbunden.

Christian Höppner, Präsident des DTKV
Mehr Kultur wagen
Investitionen sind auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt und werden häufig mit Baumaßnahmen, zum Beispiel im Verkehrsbereich, verbunden. Spätestens seit Richard von Weizsäcker wissen wir, dass die Ausgaben in den öffentlichen Haushalten für Bildung und Kultur selbstverständlich ebenfalls zu den Investitionen zu zählen sind. Investitionen, die elementar für eine offene Gesellschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind, sowie jedem Menschen helfen, seine Stärken zu entdecken und zu befördern. Die Resilienzstärke einer Gesellschaft hängt wesentlich von der inneren und äußeren Dialogfähigkeit wie der Verteidigungsfähigkeit ab.
Mit den bundesweit sich ausweitenden Kürzungen beziehungsweise Schließungen im Bildungs- und Kulturbereich wird offenbar, dass unsere Gesellschaft den Kompass in der Prioritätensetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft mehr und mehr verliert. Wenn beispielsweise die drittstärkste Volkswirtschaft der Welt nicht mehr in der Lage ist, jedem Jugendlichen nach einer erfolgreichen Teilnahme am Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ aus finanziellen Gründen den Zugang zum Bundeswettbewerb zu ermöglichen, dann ist das ebenso ein Verantwortungsversagen wie die größtenteils desaströse Situation der musikalischen Bildung in Kita, Schule und außerschulischen Bildungseinrichtungen.
Unsere Gesellschaft braucht einen Mentalitätswechsel zu „Mehr Kultur wagen“: Die kulturpolitischen Forderungen des Deutschen Tonkünstlerverbandes, des Deutschen Musikrates sowie des Deutschen Kulturrates bieten auf allen föderalen Ebenen die Chance, mit der Kraft der guten Argumente sowie Beharrlichkeit die Unterfinanzierung der bildungskulturellen Infrastruktur zu beenden. Bildung und Kultur sind eine öffentliche Aufgabe, in öffentlicher Verantwortung und überwiegend öffentlicher Finanzierung.
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